Iran eskaliert und verhandelt zugleich: Araghtschi nach Pakistan
Zwei beschlagnahmte Containerschiffe, Beschuss auf drei weitere Handelsschiffe, Trumps Befehl an die US-Marine, iranische Minenlegboote abzuschießen: Die Woche im Hormuskonflikt ließ wenig Raum für Optimismus. Und trotzdem reist der iranische Außenminister Abbas Araghtschi heute Nacht nach Islamabad für eine neue Gesprächsrunde mit amerikanischen Unterhändlern. Iran setzt offensichtlich auf beides gleichzeitig: militärischen Druck und diplomatische Verhandlungen. Das ist kein Widerspruch, sondern die Logik eines Konflikts, der nach einem Ausweg sucht.
Was diese Woche passiert ist
Trump verlängerte am 21. April die Waffenruhe mit Iran auf unbestimmte Zeit, nachdem Pakistan darum gebeten hatte. Die Verlängerung hat keine Frist: Sie gilt, bis Iran einen gemeinsamen Vorschlag zur Beendigung des Krieges vorlegt. Gleichzeitig ließ Trump explizit festhalten, dass die US-Seeblockade iranischer Häfen weitergeführt wird. Für Teheran ist das eine Provokation. Araghtschi bezeichnete die Blockade als Verletzung der Waffenruhe und „Kriegsakt“.
Am 22. April beschlagnahmte die Iranische Revolutionsgardenmarine zwei Containerschiffe in der Meerenge und feuerte auf mindestens drei weitere Handelsschiffe. Die Revolutionsgarde begründete die Beschlagnahmen mit angeblichen Seerechtsverstößen. Einen Tag später, am 23. April, ordnete Trump an, die US-Marine solle iranische Boote beim Verlegen von Minen „ohne Zögern abschießen.“ Pakistan, das die Verhandlungen vermittelt, ließ daraufhin mitteilen, es habe mit Araghtschi und US-Vertretern gesprochen, um die Situation zu stabilisieren.
Die zwei Spuren des Konflikts
Das Muster ist erkennbar: Iran eskaliert militärisch, um in Verhandlungen mehr Druck aufzubauen. Die Schiffsbeschlagnahmen sind kein Zufall. Sie folgen einem Muster, das Iran bereits in der ersten Phase des Konflikts nutzte: Aktionen, die wirtschaftlichen Kosten für alle Beteiligten erhöhen, ohne eine direkte militärische Konfrontation mit den USA auszulösen.
Araghtschi selbst hat diese Logik mehrfach öffentlich formuliert: Iran sei zu Verhandlungen bereit, aber nicht unter dem „Schatten von Drohungen.“ Die Schiffsbeschlagnahmen sind in dieser Lesart keine Ablehnung der Diplomatie, sondern ein Mittel, die Bedingungen für sie zu verschieben. Ob das aufgeht, ist fraglich. Die US-Seite hat wiederholt erklärt, dass die Blockade kein Verhandlungsgegenstand sei.
Das Treffen in Islamabad ist das zweite seiner Art. Pakistan ist der einzige Kanal, über den beide Seiten derzeit miteinander sprechen. Pakistans Armeechef Asim Munir und Ministerpräsident Shehbaz Sharif haben aktiv um die Verlängerung der Waffenruhe gebeten und signalisiert, dass es Bewegung geben könnte. Die Delegation, die Araghtschi begleitet, ist klein: wenige Berater, keine große Außenministeriumsmaschinerie. Das deutet eher auf ein Sondierungsgespräch hin als auf eine Verhandlung mit klarem Mandat.
Was Deutschland und die EU anbieten
Auf einem informellen Treffen in Zypern haben europäische Regierungschefs und Staatsoberhäupter am Donnerstag über Möglichkeiten zur Deeskalation beraten. Bundeskanzler Friedrich Merz hat dabei ein konkretes Angebot formuliert: Deutschland und die EU sind bereit, Sanktionen gegen Iran schrittweise zu lockern, wenn Teheran die Straße von Hormus für den freien Schiffsverkehr freigibt: dauerhaft, zuverlässig und ohne Gebühren.
Das ist ein bemerkenswertes Angebot, denn die EU hatte ihre Iran-Sanktionen nach der brutalen Niederschlagung der Proteste Anfang 2026 gerade erst verschärft. Eine Lockerung würde also nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Zugeständnisse bedeuten. Merz machte deutlich, dass er das Angebot als Teil eines umfassenden Pakets versteht: keine Einzelmaßnahme, sondern verknüpft mit einer dauerhaften Lösung für die Meerengennutzung. Ob Iran das Angebot überhaupt zur Kenntnis nimmt, ist ungewiss. Teheran hat bisher auf europäische Initiativen kaum reagiert.
Was als Nächstes kommt
Araghtschi wird nach Angaben Pakistans noch heute Nacht in Islamabad eintreffen. Eine US-Delegation ist bereits vor Ort. Ob es zu einem direkten Gespräch kommt, ist nach dem Beschuss dieser Woche nicht sicher. Beide Seiten haben öffentlich Positionen bezogen, von denen ein Zurückweichen ohne Gesichtsverlust schwer möglich ist.
Die nächsten 48 Stunden werden zeigen, ob die Eskalation dieser Woche die Verhandlungen in Islamabad beendet oder ob Pakistan erneut als Puffer fungiert. Sollte Araghtschi wieder abreisen, ohne ein zweites Treffen verabredet zu haben, ist die Waffenruhe in der Praxis nichts mehr wert, selbst wenn Trump sie formal nicht beendet hat.
Aktualisierungen
Update 24. April, 17:00 Uhr: Die EU-Kommission bezifferte am 22. April die wirtschaftlichen Kosten der Hormuskrise: Die EU hat seit Kriegsbeginn 24 Milliarden Euro mehr für Energieimporte ausgegeben, rund 500 Millionen Euro täglich. Das ist der ökonomische Hintergrund für das Sanktionsangebot, das Merz und die EU-Partner in Zypern formuliert haben. Araghtschi traf am Freitagabend in Islamabad ein. Pakistan arbeitete an einer erneuten Gesprächsrunde zwischen iranischen und US-Vertretern, ein konkretes Ergebnis lag zuletzt noch nicht vor.