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Wirtschaft
Doppelstreik bei Lufthansa: Piloten und Kabinenpersonal legen Flugbetrieb lahm

Doppelstreik bei Lufthansa: Piloten und Kabinenpersonal legen Flugbetrieb lahm

Gleichzeitig streiken UFO (Kabinenpersonal) und Vereinigung Cockpit (Piloten) bei Lufthansa am 13. und 14. April. In Frankfurt wurden über 1.100 Flüge gestrichen. Auf der Kurzstrecke hebt nur jeder dritte Flieger ab.

13. April 2026, 23:51 Uhr 641 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Flugreisende in Deutschland erleben diese Woche eine ungewöhnliche Situation: Gleichzeitig streiken sowohl die Kabinengewerkschaft UFO als auch die Pilotenvereinigung Cockpit bei Lufthansa. In Frankfurt wurden für Montag und Dienstag über 1.100 Starts und Landungen gestrichen, in München 710 Flugbewegungen. Auf der Kurzstrecke wird nur etwa jeder dritte Flug abheben.

Zwei Gewerkschaften, zwei Streiks

Die UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) hat das Kabinenpersonal von Lufthansa und Lufthansa CityLine für Montag, den 13. April und Dienstag, den 14. April, von 00:01 bis 23:59 Uhr zu einem ganztägigen Ausstand aufgerufen. Gleichzeitig hat die Vereinigung Cockpit die Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo, CityLine und Eurowings zu einem zweitägigen Streik aufgerufen. Beide Aktionen überlagern sich.

Das ist selten: Zwei unterschiedliche Berufsgruppen mit getrennten Forderungen streiken gleichzeitig, verstärken sich gegenseitig und machen koordinierte Notfallpläne für die Fluggesellschaft praktisch unmöglich.

Was Passagiere konkret erwartet

In Frankfurt werden über 1.100 Flugbewegungen gestrichen, in München 710. Auf der Nah- und Mittelstrecke sollte laut Lufthansa nur etwa jeder dritte Flug stattfinden, auf der Langstrecke rund die Hälfte. Passagiere mit Buchungen bei Swiss, Austrian Airlines oder Brussels Airlines, die über Frankfurt oder München umsteigen, sind ebenfalls betroffen. Lufthansa hat kostenlose Umbuchungen angeboten.

Die Aktion trifft Osterferienreisende besonders: Teile von Bayern, Sachsen und anderen Bundesländern haben in dieser Woche noch Schulferien.

Worum es den Gewerkschaften geht

UFO und Lufthansa streiten seit Monaten über zwei Kernpunkte: einen neuen Manteltarifvertrag für rund 19.000 Flugbegleiter und einen Sozialplan für die rund 800 Beschäftigten der CityLine, die vor der Schließung steht. CityLine-Personal soll nach Gewerkschaftsangaben mit schlechteren Konditionen in andere Lufthansa-Gesellschaften überführt werden. UFO wehrt sich dagegen.

Die Vereinigung Cockpit führt einen separaten Streit über betriebliche Renten: Piloten fordern höhere Beiträge in die Betriebspension sowie bessere Altersvorsorge für neu eingestellte Beschäftigte, die zu schlechteren Konditionen arbeiten als Kollegen früherer Jahrgänge.

In beiden Urabstimmungen sprach sich eine überwältigende Mehrheit für Arbeitskampf aus: 94 Prozent der UFO-Mitglieder bei Lufthansa und 99 Prozent bei CityLine. Der Frust über ausbleibende Verhandlungsfortschritte sitzt tief.

Lufthansa-Position

Das Lufthansa-Management bedauert die Streiks und betont seine Verhandlungsbereitschaft. Konkrete neue Angebote wurden öffentlich nicht kommuniziert. Nach den Streiktagen sollen die Tarifverhandlungen nach Angaben beider Gewerkschaften fortgesetzt werden, ein Zeitplan steht nicht fest.

Der größere Zusammenhang

Der Arbeitsstreit bei Lufthansa ist kein Einzelfall in der europäischen Luftfahrt. In den vergangenen zwei Jahren haben ähnliche Konflikte bei Ryanair, Wizz Air und British Airways den Flugbetrieb unterbrochen. Der Hintergrund ist strukturell: Während Fluggesellschaften nach der Coronakrise wieder Rekordgewinne eingeflogen haben, hinken die Löhne des Kabinen- und Cockpitpersonals der Inflation hinterher. Bei Lufthansa kommt die Frage hinzu, wie die Schließung von CityLine sozialverträglich gestaltet wird und ob das Personal faire Bedingungen beim Wechsel in andere Konzerngesellschaften bekommt.

Ausblick

Nach dem Streikende am Dienstagabend soll der Flugbetrieb schrittweise wieder aufgenommen werden. Ob die Tarifverhandlungen danach schneller vorankommen, ist offen. Lufthansa hat kein verbessertes Angebot angekündigt. Ein weiterer Streik in den nächsten Wochen ist möglich, wenn die Gespräche ergebnislos bleiben.

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