Bessent und Katar: Hormus-Einigung könnte in Stunden kommen
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Bessent und Katar: Hormus-Einigung könnte in Stunden kommen

US-Finanzminister Scott Bessent hält eine Vereinbarung zur Wiederöffnung der Straße von Hormus für möglich noch heute oder morgen. Katar bestätigt: Die indirekten Verhandlungen seien weit fortgeschritten. Iran verhandelt nicht mit Washington, sondern über Oman.

Quellen (18)
  1. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  2. Handelsblatthandelsblatt.com
  3. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  4. Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
  5. Spiegel Auslandspiegel.de
  6. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  7. Bloombergbloomberg.com
  8. Euronewseuronews.com
  9. Axiosaxios.com
  10. Bloomberg Einigung grundsätzlichbloomberg.com
  11. Bloomberg US-Schiff-Verbotbloomberg.com
  12. ZeroHedge: Bessent Exit Narrativezerohedge.com
  13. CNBC: Bessent last chancecnbc.com
  14. Fortune: Wall Street Record Hormusfortune.com
  15. Fortune: Hormuz-Konzession bereits gemachtfortune.com
  16. Reuters/CBS: Iran-Oman Hormus Einigungcbsnews.com
  17. Reuters: US ATACMS PrSM nahezu aufgebrauchtreuters.com
  18. CNBC: US missile stockpile Iran warcnbc.com
4. August 2026, 22:00 Uhr1125 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Dass ein Finanzminister den Durchbruch in einem Krieg ankündigt, ist ungewöhnlich. Scott Bessent erklärte am Dienstag dem Sender CNBC: "Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen." Katar bestätigte das aus einer anderen Richtung: Die Verhandlungen seien "bereits weit fortgeschritten", eine Lösung könne "in den nächsten Stunden oder Tagen" kommen.

Was Bessent sagte und was Katar bestätigte

Bessent ist seit Wochen der aktivste amerikanische Stimme in der Hormuzfrage. Als Finanzminister gehört ihm das wirtschaftliche Interesse: Solange Brent-Rohöl nahe 86 Dollar steht, belastet der Konflikt die amerikanische Konjunktur direkt. Sein CNBC-Statement ist das konkreteste Versprechen, das ein US-Beamter seit Beginn des Konflikts im April öffentlich gemacht hat.

Katar hat diese Einschätzung aus diplomatischer Richtung gestützt. Außenamtssprecher Madschid al-Ansari erklärte, alle Parteien in der Region arbeiteten zusammen, um eine Eskalation zu vermeiden. Die Gespräche seien "bereits weit fortgeschritten". Was Bessent nicht spezifizierte: Worin konkret die Einigung bestehen würde. Sein Hinweis, er erwarte "freie Durchfahrt" ohne iranische Transitgebühren, lässt auf das Kernproblem schließen, das bisher jede Lösung blockiert hat.

Das Iran-Oman-Modell und seine Grenzen

Die faktische Verhandlungsstruktur ist komplex. Teheran verweigert direkte Gespräche mit Washington. Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei bekräftigte am 3. August: "Wir führen derzeit keine Verhandlungen mit Amerika." Stattdessen verhandelt Iran mit Oman, dem kleinen Golfstaat, der seit Jahrzehnten die Rolle des diskreten Vermittlers spielt.

Das Modell, das Iran und Oman nahezu ausgehandelt hatten, sah eine geteilte Kontrolle der Meerenge vor: Schiffe in Richtung Persischen Golf würden eine iranische Route nutzen, Rückfahrten eine omanische. Statt Transitgebühren hätte Iran "Servicegebühren" für Sicherheit und Umweltschutz erhoben, die Einnahmen hätten Iran und Oman je zur Hälfte geteilt. Das Weiße Haus lehnte dieses Modell ab. Trumps Position: Entweder die USA kontrollieren die Durchfahrt oder niemand tut es. Das Iran-Oman-Modell schloss Washington aus und widersprach Trumps Maximalforderung.

Warum Katar jetzt entscheidet

Katar spielt eine andere Rolle als Oman. Während Oman die Gespräche direkt mit Teheran führt, vermittelt Katar zwischen Washington und dem Iran über indirekte Kanäle. Al-Ansaris Formulierung "alle in der Region arbeiten gemeinsam" deutet an, dass Doha versucht, einen Kompromiss zu bauen, der sowohl Irans Souveränitätsbedarf als auch Trumps Kontrollanspruch irgendwie berücksichtigt.

Dass Bessent als Finanzminister und nicht Marco Rubio als Außenminister das öffentliche Gesicht dieser Verhandlungen ist, ist kein Zufall. Bessent verkörpert das wirtschaftliche Argument: Ohne Hormus-Einigung steigen Ölpreise, die Inflation in den USA bleibt erhöht, der Spielraum für Steuersenkungen schrumpft. Trumps außenpolitisches Ziel und Bessents wirtschaftspolitisches Ziel können nur gemeinsam erreicht werden.

Was Deutschland und Europa davon hätten

Für Deutschland ist die Straße von Hormus keine abstrakte Sicherheitsfrage. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölexports fließt durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Seit Kriegsbeginn sind die deutschen Energieimportkosten erheblich gestiegen. Die Bundesregierung hat für 2026 ein Energieentlastungspaket von zehn Milliarden Euro beschlossen, finanziert über Netzgebührenzuschüsse und Industriestrompreisdeckel.

Goldman Sachs erwartet Brent-Rohöl zwischen 80 und 90 Dollar, solange keine bestätigte Einigung vorliegt. Eine Wiedereröffnung der Meerenge würde die Ölpreise nach Analystenschätzungen deutlich drücken. Heizöl und Kerosin, beide stark von Rohölpreisen abhängig, würden für deutsche Verbraucher günstiger. Für Europa hat die Blockade auch strategische Bedeutung: Die EU hatte sie seit April offiziell abgelehnt und eine eigene Navigationsfreiheitsmission für die Meerenge diskutiert. Eine Einigung würde diese Frage von der Agenda nehmen.

Bis Mittwochabend: Was entschieden werden muss

"Heute oder morgen" ist Bessents konkrete Frist. Wenn sie eingehalten wird, wäre bis Mittwochabend europäischer Zeit eine Vereinbarung möglich. Drei offene Fragen bleiben:

Erstens, ob Trump ein Modell akzeptiert, das Iran irgendeine Form von Einfluss auf die Schifffahrt lässt. Das Iran-Oman-Modell scheiterte genau daran.

Zweitens, ob Iran einem Modell zustimmt, das US-Einfluss einräumt. Teheran beschreibt das seit April als Unterwerfung.

Drittens, ob Katar einen Kompromiss formulieren kann, den beide Seiten innenpolitisch als Gesichtswahrung verkaufen können. Das ist das eigentliche Handwerk der Doha-Diplomatie.

Wenn die Einigung erneut scheitert, wird Brent-Rohöl wieder Richtung 95 Dollar klettern und die Bundesregierung steht vor der Frage, ob das bestehende Entlastungspaket für den Herbst reicht.

Update 5. August, 16:05 Uhr: Iran und Oman haben sich am Mittwoch auf die geographischen Koordinaten einer Schifffahrtsroute durch die Hormusstraße geeinigt. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei bestätigte, eine gemeinsame Erklärung beider Länder befinde sich in der abschließenden Ausarbeitung. Der Entwurf sieht vor, dass eingehende Schiffe eine iranisch kontrollierte Route nutzen und ausgehende Schiffe über omanische Gewässer fahren; Servicegebühren für Sicherheit und Umweltschutz sollen hälftig zwischen Teheran und Muskat aufgeteilt werden. Baghaei warnte, die Einigung werde möglich sein, sofern "bestimmte Drittparteien diesen Prozess nicht behindern", eine direkte Anspielung auf Washington. Trump lehnte am Mittwoch öffentlich iranische Kontrolle über die Meerenge und jegliche Gebühren ab und drohte mit erneuten Militärschlägen. US-Regierungsvertreter rechnen mit einer möglichen Bekanntgabe noch am Mittwoch oder Donnerstag.

Update 7. August, 04:17 Uhr: Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi bestätigte am Mittwoch gegenüber der Staatsagentur IRNA, dass Teheran und Muskat ein Grundsatzverständnis über nahezu alle offenen Fragen erzielt haben. Bloomberg enthüllte interne Vertragsentwürfe, wonach der Entwurf US-amerikanische und israelische Schiffe von der iranisch kontrollierten Einfahrtsroute ausschließt. Das erklärt Trumps öffentliche Ablehnung des Iran-Oman-Modells. Gharibabadi stellte klar, das bilaterale Abkommen bedeute nicht die vollständige Wiedereröffnung der Meerenge. Eine Normalisierung hänge davon ab, dass Washington seine Blockade iranischer Häfen aufhebt. Trotz der für Mittwoch und Donnerstag erwarteten Bekanntgabe liegt Freitagmorgen keine endgültige Einigung vor. Der Ölpreis fiel auf ein Viermonatstief.

Update 7. August, 22:00 Uhr: US-Finanzminister Scott Bessent bekräftigte am Freitag in einem CNBC-Interview seine Erwartung einer baldigen Einigung: Er rechne damit, dass die Hormusstraße "heute oder morgen" durch ein 30- bis 60-tägiges Waffenstillstandsabkommen wieder für kommerzielle Schiffe geöffnet werde, ohne dass der Iran Durchfahrtsgebühren erheben dürfe. Bessent beschrieb Irans Verhandlungsposition aggressiv: "Wir haben sie bei der Kehle" und verwies auf eine iranische Lebensmittelinflation von 150 bis 180 Prozent. Eine endgültige Einigung blieb auch am Freitagabend aus. Die Märkte hatten auf frühere Hormus-Hoffnungen reagiert: Der S&P 500 stieg am 4. August auf ein Rekordhoch bei 7.737 Punkten, Brent-Rohöl fiel in der Woche auf rund 79 Dollar je Barrel. Zum Freitagabend zogen sich die US-Indizes leicht zurück, da Händler das fortgesetzte Ausbleiben einer konkreten Einigung einzupreisen beginnen.

Update 8. August, 13:00 Uhr: Iran und Oman haben ihre bilateralen Verhandlungen über die Schifffahrtsrouten durch die Hormusstraße formal abgeschlossen. Laut Reuters räumt das Abkommen dem Iran die Kontrolle über den eingehenden Schiffsverkehr in die Meerenge ein. Ein gemeinsames iranisch-omanisches Statement befindet sich nach Angaben des iranischen Außenministeriumssprechers Esmaeil Baghaei in der abschließenden Redaktion. Politisch bedeutsam ist eine Analyse des US-Magazins Fortune vom 7. August: Die Konzession an den Iran sei schon gemacht worden, die USA hätten Teherans Kontrolle über den Hormus-Eingang de facto akzeptiert, auch wenn Trump das öffentlich ablehne. Eine umfassende US-iranische Einigung, die Amerikanern und Israelis ungehinderte Durchfahrt garantieren würde, liegt am Samstagmittag weiterhin nicht vor.

Update 8. August, 19:20 Uhr: Reuters enthüllte auf Basis von drei internen US-Regierungsquellen, dass das US-Militär im Verlauf des Irankrieges nahezu alle Bestände an ATACMS und PrSM aufgebraucht hat, beides Langstrecken-Boden-Boden-Präzisionsraketen die jeweils über eine Million Dollar das Stück kosten. Auch annähernd die Hälfte der globalen US-Tomahawk-Bestände soll verbraucht sein. US-Regierungsvertreter äußerten Reuters zufolge intern Bedenken zur strategischen Abschreckungsfähigkeit gegenüber Russland und China, solange der Irankonflikt andauert. Trump bestritt das öffentlich: Die USA hätten „mehr Munition als alle anderen der Welt zusammen.” Der Bericht erklärt den strukturellen Druck hinter Bessents Verhandlungsdrang: Die USA zahlen für den Konflikt nicht nur wirtschaftlich in Form erhöhter Energiekosten, sondern verringern ihre strategische Reserve für andere Krisenszenarien.

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