Lachse zurück im Russian River nach 30 Jahren
Im Juni 2025 schwamm ein junger Coho-Lachs durch einen Seitenbach des Northern-California-Flusses, der seit mehr als drei Jahrzehnten ohne diese Art war. Dakota Perez Gonzalez, Wasserspezialist der Pinoleville Pomo Nation, entdeckte das Tier beim Schnorcheln in einem isolierten Pool des Ackerman Creek in Mendocino County. Es war der erste Nachweis natürlicher Fortpflanzung des Coho-Lachses im oberen Russian-River-Einzugsgebiet seit 1991. Was wie eine lokale Randmeldung klingt, ist der Beweis, dass ein mehr als zwei Jahrzehnte dauerndes Ökosystem-Restaurierungsprojekt funktioniert.
Vom Aussterben an zwei Orten übrig
Der Coho-Lachs (Oncorhynchus kisutch) war in Nordkalifornien bis in die 1990er Jahre weit verbreitet. Dämme sperrten die Wanderwege zu den Laichgründen, Kahlschläge zerstörten den Uferbewuchs, der die Wassertemperatur für die Fortpflanzung reguliert. 1991 verschwand die Art aus dem oberen Einzugsgebiet vollständig. Ende der 1990er Jahre überlebte die gesamte Zentralkalifornische Küsten-Population des Coho-Lachses nur noch an zwei Orten: dem Russian River in Sonoma und Mendocino County sowie dem Scott Creek bei Santa Cruz. Die Art stand kurz vor dem regionalen Aussterben.
2001 startete die California Department of Fish and Wildlife am Don Clausen Fish Hatchery am Lake Sonoma ein Gefangenschafts-Zuchtprogramm mit lokal genetischem Bestand. Das Ziel war nicht Restaurierung, sondern zunächst Arterhaltung: die genetische Vielfalt bewahren, bis die Lebensräume ausreichend wiederhergestellt sein würden. 2009, als das Russian River Coho Water Resources Partnership-Programm anlief, kehrten noch etwa 20 erwachsene Tiere zum Laichen zurück. Das war die gesamte wild verbliebene Population.
Was die Restaurierung erreicht hat
Seitdem hat sich der Bestand dramatisch verändert. Im Zufluss Willow Creek zählten Forscher in der Saison 2024/2025 über 100 Coho-Laichnester (Redds). Eine Kamera an der Mirabel-Fischtreppe registrierte allein 90 adulte Tiere bei der Wanderung. Aus 20 Tieren sind Hunderte geworden.
Die Restaurierungsmaßnahmen liefen auf mehreren Ebenen. Das Mill-Creek-Fischpassage-Projekt öffnete 11,2 Meilen bislang blockierter Gewässerabschnitte für Wanderfische, indem ein Damm entfernt und der Flusslauf renaturiert wurde. Die Pinoleville Pomo Nation investierte in Wassergüte-Monitoring und Habitatrestaurierung speziell im Ackerman Creek, dem Fundort der Jungtiere. Staatliche Umweltbehörden, Stammesgemeinden und Naturschutzorganisationen zogen dabei an einem Strang.
Die Entdeckung von 2025 war qualitativ anders als der Bestandszuwachs der Jahre zuvor. Bei den bislang zurückkehrenden Tieren handelte es sich um in Zuchtanlagen aufgezogene Lachse. Die Jungtiere im Ackerman Creek waren wild reproduziert. Das bedeutet: Der Fluss erfüllt inzwischen die ökologischen Voraussetzungen, unter denen Lachse ohne menschliche Nachzucht dauerhaft überleben und sich fortpflanzen können. Das ist der Unterschied zwischen einem Arterhaltungsprogramm und einem echten Ökosystem.
Die Rolle der Pinoleville Pomo Nation
Dakota Perez Gonzalez und sein Team bargen bei ihrer Schnorchelaktion zwei der Junglachse und brachten sie zur Warm-Springs-Fischbrut, um sie für das Zuchtprogramm zu sichern. Aus demselben austrocknenden Pool wurden außerdem drei Chinook-Lachse, 146 Steelhead-Forellen und Hunderte anderer Fischarten gerettet.
Die Pinoleville Pomo Nation verbindet in ihrer Arbeit Stammeswissen über das Ökosystem mit moderner Gewässerkunde. Für Perez Gonzalez ist der Fund kein wissenschaftlicher Erfolg allein, sondern Bestätigung eines Ansatzes: dass Naturschutz ohne die Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten in einem Ökosystem leben, weniger effektiv ist. Viele Restaurierungsprojekte an der Westküste scheiterten daran, dass sie lokales Wissen nicht einbezogen.
Was bis zum Ziel noch fehlt
NOAA Fisheries hat das langfristige Erholungsziel auf 10.100 adulte Coho-Lachse pro Jahr gesetzt, die in das Russian-River-Einzugsgebiet zurückkehren sollen. Die aktuellen Zahlen liegen noch weit darunter. Der Russian River gilt als das größte Gewässer im aktuellen Verbreitungsgebiet des gefährdeten Zentralkalifornischen Küsten-Coho. Was dort gelingt, wird als Modell für den Lachsschutz an der gesamten Westküste beobachtet.
Der Nachweis natürlicher Reproduktion im Ackerman Creek zeigt, dass das Ziel nicht mehr nur auf dem Papier steht. Ein Fluss, der seit 1991 keine selbstreproduzierende Lachspopulation mehr hatte, hat sie wieder. Der nächste Schritt ist, das zu skalieren, bevor weitere Dürrejahre die Wasserführung reduzieren und die noch fragilen Bestände unter Druck setzen.