
Bundesnetzagentur vergibt erste Zuschläge für Langzeitkapazitäten
Quellen (12)
- Bundesnetzagentur - 1. Gebotstermin (8. September 2026)bundesnetzagentur.de
- Zuschlagslistebundesnetzagentur.de
- LEAG beteiligt sich mit mehreren Projekten und Standorten an der Ausschreibung für Zukunftskraftwerke | LEAGleag.de
- Stromversorgung: Die meisten Gas-Reservekraftwerke sollen in NRW gebaut werdenhandelsblatt.com
- Sichere Stromversorgung: Kommission genehmigt deutschen Kapazitätsmechanismus von bis zu 35 Milliarden Euro - Vertretung in Deutschlandgermany.representation.ec.europa.eu
- StromVKG - Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom und zur Bereitstellung neuer Kapazitätengesetze-im-internet.de
- „Wir würden gern mehr in Deutschland investieren“ | Markus Krebber im Interview mit der Welt am Sonntagrwe.com
- VKU zum StromVKG: Bundestag verbessert Wettbewerbsbedingungen bei Kraftwerksausschreibungen | VKUvku.de
- Deutscher Bundestag Drucksache 21/6024 Unterrichtung durch die Bundesregierung Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Luftverkehrsteuergesetzes – Drucksache 21/5688 – Stellungnahme des Bundesdserver.bundestag.de
- Wettbewerbsverhältnisse im Bereich der Erzeugung elektrischer Energie 2024/25bundeskartellamt.de
- Monitoringbericht 2025 - Monitoringbericht gemäß § 63 Abs. 3 i. V. m. § 35 EnWG und § 48 Abs. 3 i. V. m. § 53 Abs. 3 GWBdata.bundesnetzagentur.de
- Leag bekommt Zuschlag für alte Kohlekraftwerke - DER SPIEGELspiegel.de
Der niedrigste bezuschlagte Gebotswert lag bei 129.551,00 Euro pro Megawatt reduzierte Leistung und Jahr, der höchste bei 189.970,00 Euro; zulässig wären bis zu 244.000 Euro gewesen. Ausgeschrieben waren 4.500 Megawatt reduzierte Leistung. Rechtlich gelten die Zuschläge laut der Bekanntmachung der Bundesnetzagentur erst eine Woche nach ihrer Veröffentlichung, also am 10. November 2026, als bekanntgegeben. Wer einen Zuschlag erhalten hat, muss die Anlage für einen Verpflichtungszeitraum von 15 Jahren bereithalten und dafür bis zum Ablauf des 8. Dezember 2026 eine Realisierungssicherheit leisten.
Vier Unternehmen, elf Zuschläge
Laut der veröffentlichten Zuschlagsliste gingen drei Zuschläge an RWE Generation SE in Nordrhein-Westfalen und sechs an die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) in Brandenburg und Sachsen. Je einen weiteren Zuschlag erhielten das Gaskraftwerk Leipheim 20 GmbH in Bayern und die Stadtwerke Karlsruhe GmbH in Baden-Württemberg. Wie das Handelsblatt berichtet, liegt die durchschnittliche jährliche Vergütung laut Bundesnetzagentur bei gut 155.000 Euro je Megawatt und damit deutlich unter dem Höchstpreis. Die Liste ist nicht nach der Rangfolge der Gebote sortiert. Netzagentur-Präsident Klaus Müller nannte das Ergebnis einen „wichtigen ersten Schritt für die langfristige, kosteneffiziente Absicherung der Stromversorgung“; laut Netzagentur habe der Wettbewerb unter den Bietern die Förderkosten gedrückt.
Rechtlicher Rahmen: das StromVKG
Grundlage ist das StromVKG, das laut Bundesnetzagentur am 22. Juli 2026 in Kraft trat. Die Europäische Kommission hatte den damit verbundenen, ab 2031 verfügbaren Kapazitätsmechanismus zuvor am 2. September 2026 beihilferechtlich geprüft und genehmigt; sie schätzt dessen Kosten auf 15,6 bis 35,2 Milliarden Euro. Der Mechanismus soll Erzeugung, Speicherung und flexiblen Verbrauch einbeziehen, Verträge laufen bis zu 15 Jahre; geförderte Kapazitäten mit 15-jährigen Verträgen müssen spätestens 2045 klimaneutral betrieben werden, neue Gaskraftwerke mit 15-jähriger Vertragslaufzeit müssen wasserstofffähig sein. Anders als der spätere Gesamtmechanismus stehen die jetzigen Auktionen zusätzlichen Langzeitkapazitäten in Deutschland offen, nicht ausländischen Kapazitäten. Das Gesetz sieht für Langzeitkapazitäten zwei Gebotstermine vor, den ersten am 8. September 2026 und einen zweiten am 29. Dezember 2026, jeweils mit einem Ausschreibungsvolumen von 4,5 Gigawatt. Weil beim ersten Termin mehr Leistung bezuschlagt wurde als ausgeschrieben, verringert sich laut Gesetz das Volumen des zweiten Termins entsprechend.
Vorgeschichte: Unternehmen positionierten sich früh
Bereits im Juli hatte RWE-Chef Markus Krebber im Interview mit der Welt am Sonntag erklärt, sein Unternehmen sei bereit, in neue Gaskraftwerke zu investieren, sobald die Bundesregierung den Bedarf ausschreibe. Er wolle bis zu drei Gigawatt neu bauen. Krebber äußerte damals die Erwartung, die erste erfolgreiche Auktionsrunde werde im September stattfinden; er hoffte, RWE werde dazugehören, weil der Konzern mit die günstigsten Anlagen anbieten könne. Im September erklärte LEAG, sich mit mehreren erdgasbasierten Projekten in der Lausitz, Mittel- und Süddeutschland beworben zu haben, um für die Kraftwerksstandorte Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und Lippendorf nach Anschlusslösungen zu suchen. LEAG-Chef Adi Roesch erklärte, das Unternehmen wolle auch nach dem Kohleausstieg ein relevanter Kraftwerksbetreiber bleiben, um Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland zu erhalten. Bereits im Juli hatte zudem der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag begrüßt und abgesenkte Sicherheiten und Strafzahlungen als Verbesserung für Stadtwerke gewertet.
Bundesrat hielt Preisgrenze im Entwurf für zu niedrig
Im Gesetzgebungsverfahren hatte der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 12. Juni 2026 den im Entwurf vorgesehenen Höchstwert von 173.000 Euro je Megawatt reduzierte Leistung und Jahr für zu niedrig gehalten, um erfolgreiche Ausschreibungen zu ermöglichen. Er forderte außerdem, Sicherheiten und Pönalen in der Summe auf maximal 15 Prozent des Projektvolumens zu begrenzen.
Wie konzentriert ist der Kraftwerksmarkt?
Der Marktmachtbericht des Bundeskartellamts nennt als Ursache für die gestiegene Marktmacht der größten Erzeuger den starken Rückgang steuerbarer Kapazitäten, nachdem Anfang 2024 die während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine befristet reaktivierten Reservekraftwerke mit der Rückkehr zum ursprünglichen Kohleausstiegspfad vom Markt gingen. Der ebenfalls amtliche Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt bestätigt, dass die fünf größten Unternehmen zum Jahresende 2024 rund 54 Prozent der konventionellen Erzeugungskapazitäten hielten und RWE dabei sowohl bei Kapazität als auch bei Erzeugungsmenge führte. Im Spiegel erschien laut Titel ein Artikel mit der Überschrift, Leag erhalte einen Zuschlag für alte Kohlekraftwerke.
Realisierungssicherheit, Finanzierung und Bereitstellung der Kapazitäten
Die Realisierungssicherheit berechnet sich aus der gebotenen reduzierten Leistung multipliziert mit dem 1,5fachen des Gebotswerts. Der zweite Gebotstermin für Langzeitkapazitäten folgt bereits am 29. Dezember 2026, dessen Volumen sich laut Gesetz um die über das erste Ausschreibungsvolumen hinaus bezuschlagte Menge verringert. Finanziert wird die Förderung laut Handelsblatt über eine Umlage, die 2027 eingeführt und ab 2031 erhoben werden soll; ihre Höhe steht noch nicht fest. Die bezuschlagte Kapazität muss laut Gesetz ab dem Beginn des Verpflichtungszeitraums am 1. November 2031 bereitgestellt werden.
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