Bulgarien: Jotowa vor Gjurow, Stichwahl am 1. November
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Bulgarien: Jotowa vor Gjurow, Stichwahl am 1. November

Im ersten Wahlgang der bulgarischen Präsidentschaftswahl erreichte laut einer vom Handelsblatt berichteten Mjara-Hochrechnung kein Bewerber die nötige absolute Mehrheit. Nach dem amtlichen Zwischenstand liegt Amtsinhaberin Iliana Jotowa vor Andrej Gjurow. Am 1. November entscheidet eine Stichwahl, der nahe Ukrainekrieg laut SPIEGEL eine wichtige außenpolitische Dimension verleiht.

Quellen (13)
  1. Резултати :: Избори за президент и вицепрезидент 25 октомври 2026results.cik.bg
  2. Bulgaria election heads to a run-off amid low voter turnout | News | Al Jazeeraaljazeera.com
  3. Wahlen in Bulgarien: Stichwahl entscheidet über Staatsoberhaupthandelsblatt.com
  4. БТА :: При 72,43% обработени протоколи кандидатпрезидентската двойка Йотова-Вълчев събира 34,8%, а Гюров-Кандев - 31,4%, предстои балотаж на 1 ноемвриbta.bg
  5. Bulgaria's Yotova narrowly leads Gyurov in first round of presidential election, according to exit polls | Euronewseuronews.com
  6. Bulgaria’s 2026 presidential elections: Emboldened Gyurov throws down gauntlet to Yotova – The Sofia Globesofiaglobe.com
  7. Bulgarien: Stichwahl zwischen Ilijana Jotowa und Andrej Gjurow um Präsidentenamt - DER SPIEGELspiegel.de
  8. EU-Land: Bulgaren müssen in Stichwahl über Staatsoberhaupt entscheiden - WELTwelt.de
  9. Четири агенции със 100% преброяване. Три дават победа на Йотова, една на Гюров - Политика — Новини Стандартstandartnews.com
  10. Йотова: До балотажа ще се стремим посланието ни за мир да бъде чуто – Mediapool.bgmediapool.bg
  11. „Битката за нова посока на България продължава“: Гюров призова Йотова на честен и открит дебатeuronews.bg
  12. Präsidentschaft - Stichwahl entscheidet über Staatsoberhaupt in Bulgariendeutschlandfunk.de
  13. Тревожни данни от ЦИК: Избирателната активност се срина с една трета спрямо 2021 г.plovdiv24.bg
26. Oktober 2026, 4:01 Uhr937 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Dahinter folgten Kostadin Kostadinow und Petar Wolgin von der Partei Wasraschdane mit 163.187 Stimmen beziehungsweise 12,660 Prozent sowie die Option „Ich unterstütze niemanden" mit 56.905 Stimmen oder 4,415 Prozent.

Laut einer vom Handelsblatt berichteten Mjara-Hochrechnung erreichte keiner der nach Angaben von Al Jazeera 27 Präsidentschaftskandidaten die nötige absolute Mehrheit. Für einen Sieg im ersten Wahlgang hätte ein Kandidat nach der Verfassung mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten müssen und mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten hätte teilnehmen müssen, wie die Nachrichtenagentur BTA berichtete. Die Wahlbeteiligung blieb weit darunter: Das Handelsblatt berichtete von 22,2 Prozent. Beide Spitzenkandidaten treten deshalb am 1. November in einer Stichwahl gegeneinander an, wie die Nachrichtenagentur BTA mitteilte.

Die Positionen der Kandidaten zu Russland und der Ukraine

Jotowa übernahm das Präsidentenamt im Januar 2026, nachdem Rumen Radew das Amt verlassen hatte, um in die parlamentarische Politik zu wechseln, wie The Sofia Globe berichtete. Die frühere Journalistin und Europaabgeordnete war bereits 2016 und 2021 an Radews Seite zur Vizepräsidentin gewählt worden, wie Euronews schreibt. Sie wird nun von Radews Partei Progressives Bulgarien, der Bulgarischen Sozialistischen Partei und der linken ABV unterstützt.

Ihr Herausforderer Andrej Gjurow ist Ökonom und früherer Vizegouverneur der Zentralbank; in den ersten Monaten des Jahres 2026 war er geschäftsführender Ministerpräsident. Er wurde von einem Initiativkomitee nominiert und wird von den prowestlichen Gruppierungen Fortsetzung des Wandels und Demokratisches Bulgarien unterstützt, die im Parlament in Opposition zu Radews Regierungspartei stehen. Sein Vizekandidat Georgi Kandew war zuvor kommissarischer Generalsekretär des Innenministeriums.

Jotowa befürwortet laut Euronews einen Dialog mit Moskau und lehnt Militärhilfe für die Ukraine ab. Die WELT beschreibt sie als Politikerin, die sich wiederholt für eine Beendigung durch Verhandlungen des Ukrainekriegs einsetzt. Gjurow dagegen unterzeichnete als Ministerpräsident ein Abkommen über Sicherheitszusammenarbeit mit Kyjiw und hat nach Angaben von Euronews häufig entschiedene Unterstützung für die Ukraine bekundet.

Der Wahlkampf war laut Euronews stark von Russlands Invasion der Ukraine und der Ausweitung der Kampfhandlungen im Schwarzen Meer geprägt; jüngste Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor Bulgariens Küste hätten die Sicherheitsbedenken im NATO- und EU-Land verstärkt. Nach Angaben der WELT wurden im Oktober vor der bulgarischen Schwarzmeerküste vier Handelsschiffe mutmaßlich von Drohnen getroffen und nahe Sofia wurden Antennen des Satelliteninternetdienstes Starlink in Brand gesetzt, dessen Netz für die ukrainische Verteidigung wichtig ist. Beide Kandidaten verurteilten laut Al Jazeera die Angriffe auf Schiffe vor Bulgariens Küste. Während Gjurows Lager Russland für die Angriffe verantwortlich macht und Jotowas Reaktion als verspätet und vage kritisiert, verweisen Jotowa und Ministerpräsident Radew laut The Sofia Globe auf fehlende Beweise und machen Russland nicht verantwortlich.

Abstand laut Nachwahlbefragungen knapper als von Umfragen erwartet

Vor der Wahl hatten Umfragen Jotowa laut Euronews zwischen 41 und 47 Prozent und Gjurow zwischen 28 und 31 Prozent gesehen. Laut einer von der WELT berichteten Mjara-Hochrechnung fiel der Abstand deutlich geringer aus: Gjurow kam mit 31,9 Prozent überraschend nahe an Jotowas 35 Prozent heran, obwohl Vorwahlumfragen einen viel größeren Abstand erwarten ließen. Alpha Research ermittelte laut Standart bei 100 Prozent bearbeiteter Stichprobe 34,6 Prozent für Jotowa und 32,7 Prozent für Gjurow, einen Abstand von 1,9 Prozentpunkten.

Friedensbotschaft und Forderung nach einer Debatte

Nach ihrer Stimmabgabe erklärte Jotowa laut Al Jazeera, sie wolle die drängende Armutsfrage in Bulgarien sowie Ungleichheiten und regionale Streitigkeiten angehen; zudem forderte sie Frieden, Stabilität und Sicherheit. In der Wahlnacht, in der ihr Vorsprung laut Mediapool deutlich geringer ausfiel als zunächst erwartet, kündigte sie an, ihre Friedensbotschaft vor der Stichwahl noch nachdrücklicher zu vermitteln. Sie dankte ihren Wählern dafür, dass sie trotz eines nach ihrer eigenen Darstellung ausgeübten Drucks zum Zuhausebleiben zur Wahl gegangen seien; sie führte die niedrige Beteiligung auch darauf zurück, dass die zweitstärkste Partei GERB keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte.

Gjurow dankte nach seiner Qualifikation für die Stichwahl den Wählern und rief dazu auf, das Land nicht in „unsere“ und „eure“ zu teilen. Er forderte Jotowa zu einer offenen, fairen und zivilisierten Debatte vor dem zweiten Wahlgang am 1. November auf und erklärte, Bulgarien brauche einen aktiven Präsidenten als Gegengewicht zur Machtkonzentration. Nach eigenen Angaben führte er keine Gespräche mit Parteizentralen und werde dies auch in der Woche vor der Stichwahl nicht tun; seine Kampagne setze stattdessen auf die Bürger unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit.

Ein Amt mit begrenzten, aber nicht unbedeutenden Vollmachten

Das bulgarische Präsidentenamt ist nach Einschätzung von Al Jazeera weitgehend zeremoniell; der Präsident führt jedoch die Streitkräfte, kann gegen Gesetze ein Veto einlegen und Verträge unterzeichnen. Laut WELT kann er außerdem die Staatsbürgerschaft verleihen oder zurücknehmen und auf Vorschlag der Regierung Botschafter sowie Vertreter bei internationalen Organisationen einsetzen; wegen des Vetorechts fordert die Opposition, dass Staatsoberhaupt und Ministerpräsident nicht demselben politischen Lager angehören sollten. Sollte Jotowa wiedergewählt werden, würde sie nach Einschätzung der WELT die zurückhaltende außenpolitische Linie der Regierung von Ministerpräsident Radew im Präsidialamt fortsetzen; Radew selbst hatte sich gegen ein Ukraine-Tribunal ausgesprochen, weil Russland nicht besiegt sei; zuletzt hatte er eine bulgarische Beteiligung an einer neuen EU-Finanzhilfe für die Ukraine abgelehnt.

Beide Kandidaten hatten bereits ihre Bereitschaft erklärt, sich am 29. Oktober in einer Debatte des öffentlich-rechtlichen Bulgarischen Nationalfernsehens zu stellen, sollten sie den zweiten Wahlgang erreichen; ob es tatsächlich dazu kommt, war am 25. Oktober laut The Sofia Globe noch offen. Die Stichwahl zwischen Jotowa und Waltschew auf der einen sowie Gjurow und Kandew auf der anderen Seite ist für den 1. November angesetzt. Der Ausgang entscheidet damit laut SPIEGEL auch darüber, ob das NATO- und EU-Land am Schwarzen Meer stärker auf eine konsequent westliche Ausrichtung setzt, wie sie Gjurow erwarten lässt; Jotowa setzt sich dem Bericht zufolge für eine Beendigung des Ukrainekriegs durch Verhandlungen ein. Al Jazeera erwartet auch unter einer siegreichen Jotowa eine europäische Ausrichtung Bulgariens, verbunden mit dem Wunsch nach besseren Beziehungen zu Russland.

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