
ZDF-Sendung: Herrmann fordert schrumpfende Wirtschaft
Quellen (5)
- Eingesperrt mit Jan Fleischhauer – Verzicht statt Wohlstandzdf.de
- Verzicht für Klimaschutz? Herrmann: "Das Auto ist Verschwendung"zdfheute.de
- Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess.ise.fraunhofer.de
- Expertenrat für Klimafragen: Pressemitteilung zum Prüfbericht 2026 - Emissionsbudget 2030 nicht bestätigtexpertenrat-klima.de
- Gesellschaftliches Wohlergehen innerhalb planetarer Grenzen: Der Ansatz einer vorsorgeorientierten Postwachstumspositionumweltbundesamt.de
Die ZDF-Sendung „Keine Talkshow“ mit dem Titel „Verzicht statt Wohlstand: Ist weniger mehr?“, mit einer Länge von 35 Minuten, sollte laut Ankündigung am 29. Oktober 2026 ab 10 Uhr im ZDF-Streaming-Portal und ab 00:45 Uhr im Fernsehen zu sehen sein. ZDFheute fasst Herrmanns Forderung so zusammen: „Unsere Wirtschaft muss schrumpfen, damit wir überleben“; Fleischhauers Entgegnung so: „Wenn wir auf Wachstum verzichten, verlieren wir Wohlstand und Zukunft.“ Die wiedergegebenen Gesprächsaussagen aus der Sendung finden sich im Bericht von ZDFheute.
Herrmanns Modell: Leben in den Grenzen von Sonne und Wind
Herrmann begründet ihre Forderung mit dem Ziel, den Klimawandel abzuwenden. Sie schlägt den Umstieg in eine andere Welt vor. Ihr Modell sieht ein Wirtschafts- und Alltagsleben vor, das innerhalb der Energiemenge bleibt, die Sonne und Wind liefern. Das private Auto habe laut Herrmann keine Zukunft, das Auto an sich sei Verschwendung, stattdessen solle es Bahnfahren für alle geben, allerdings mit gedrosselter Höchstgeschwindigkeit. Auch gebaut würde in ihrem Modell kaum noch, weil Beton laut Herrmann ein enormer Klimakiller sei und es bereits genug Wohnraum gebe; diesen müsse man laut Herrmann umverteilen. Auf Fleischhauers Vorschlag eines Umsiedlungsprogramms aus überfüllten Ballungsräumen nach Sachsen-Anhalt antwortete Herrmann, Menschen hätten nicht die Freiheit zu entscheiden, wo sie wohnen wollten, weil sie dort leben müssten, wo ihr Arbeitsplatz sei. Grünes Schrumpfen sei für Herrmann eine Notwendigkeit, bei der die Wirtschaftsleistung auf das Niveau von 1978 zurückfiele, die Menschen seien damals nach ihrer Aussage so glücklich gewesen wie heute. Verzichten müssten laut Herrmann vor allem Privilegierte, die unteren 50 Prozent nicht, zumindest nicht beim bilanziellen CO2-Verbrauch, Ausnahmen gelten laut ZDFheute bei Fleisch, iPhone und Auto.
Fleischhauers Einwände
Die Einleitung des ZDFheute-Berichts verwies auf Rezession und Stagnation der vergangenen drei Jahre; Fleischhauer sagte, man sehe, wie es an allen Ecken und Enden knirsche; laut ZDFheute stellt sich die Frage, wie es erst aussähe, wenn die Wirtschaft wie von Herrmann vorgestellt um 50 Prozent schrumpfe. Die Wonnen des Verzichts könnten eigentlich nur privilegierte Menschen genießen, sagte er. Fundamentale Wachstumskritik und der Erhalt des Nützlichen gingen für Fleischhauer nicht zusammen: Die teure Gesundheitsversorgung sei bei halber Wirtschaftsleistung kaum zu finanzieren. Herrmann hatte zuvor entgegnet, es gehe nur um das Wirtschaftsniveau, revolutionäre Fortschritte etwa in der Medizin müssten erhalten bleiben. Er nannte Herrmanns Modell ein Grusel-Modell der Verwaltung des Mangels, ohne Fortschritt und Zukunftserwartung, gerade auch für die Jugend, in deren Namen Herrmann sprechen wolle. Seine Lösung sei, sich aus dem Dilemma herauszuerfinden, etwa durch technische Innovation bei der Energieerzeugung, die KI sehe er dabei als Möglichmacher, weshalb er es für grundverkehrt halte, bei Strom für Rechenzentren zu sparen.
Was Studie und Expertenrat zur Debatte beitragen
Im Szenario „Effizienz“ der Studie des Fraunhofer ISE, das neben beschleunigtem Ökostromausbau auch bewussteres Heizen und eine Verlagerung vom Auto zum öffentlichen Verkehr vorsieht, sinken die mittleren jährlichen Differenzkosten der Transformation gegenüber dem Szenario „Technologieoffen“ auf etwa die Hälfte. Der Expertenrat für Klimafragen erwartete im Mai 2026, dass selbst ein vollständig umgesetztes Klimaschutzprogramm der Bundesregierung keines der gesetzlichen Ziele bis 2040 erreichen würde. Er empfahl dessen Überarbeitung. Ein Diskussionspapier im Auftrag des Umweltbundesamts hält die Kernannahmen von Green Growth und Degrowth für wissenschaftlich nicht hinreichend begründet oder belegt und schlägt als dritten Weg eine „vorsorgeorientierte Postwachstumsposition“ zur Diskussion vor. Herrmann macht die Umsetzung ihrer Klimaschutzpläne von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit abhängig.
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