
WHO und UNICEF: Sudan verzeichnet weltweit größten Impfzuwachs
Quellen (13)
- Global childhood immunization coverage inches forward despite conflict and hesitancy – UNICEF, WHOwho.int
- Against the odds, bringing life-saving vaccines back to Sudan’s children | UNICEF Sudanunicef.org
- Microsoft PowerPoint - 09_Main deck WUENIC 2026 07 15.pptxcdn.who.int
- Gavi, Save the Children and UNICEF collaborate to strengthen immunization services in Sudangavi.org
- Reaching more children with vaccines | UNICEF Sudanunicef.org
- Microsoft Word - WUENIC_notes_for_AllCountries_2025rev.docxwho.int
- Three years on, outbreaks everywhere: MSF urges end of barriers to boost Sudan’s vaccination programs | Médecins Sans Frontières(MSF)/Doctors Without Bordersmsfsouthasia.org
- Gavi Cuts Staff And Support To WHO And UNICEF - Gives More Freedom To Countries To Decide Vaccine Priorities - Health Policy Watchhealthpolicy-watch.news
- Global childhood immunization coverage inches forward despite conflict and hesitancy – UNICEF, WHOunicef.org
- F8E084Cdata.who.int
- Amid war, and on camelback: how Sudan’s vaccinators are delivering a dose of hopegavi.org
- Amid war, and on camelback: how Sudan’s vaccinators are delivering a dose of hope | Save the Children Internationalsavethechildren.net
- Sudan | Gavi, the Vaccine Alliancegavi.org
WHO und UNICEF werteten das als Beispiel dafür, was bei besserem Zugang zu Gesundheitsdiensten selbst während eines anhaltenden Konflikts möglich sei. UNICEF Sudan bezifferte den Fortschritt in einem Bericht vom 7. September 2026 konkreter: Die Impfquote für die dritte Dosis des Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Impfstoffs (DTP3), ein wichtiger Indikator der Impfversorgung, kletterte von 39 Prozent im Jahr 2024 auf 71 Prozent im Jahr 2025, die erste Masernimpfung von 46 auf 68 Prozent.
Erholung mitten im Krieg
In einer Präsentation vom 24. Juli 2026 hielten WHO und UNICEF fest, Sudan habe für 2025 eine Erholung seines Impfprogramms gemeldet, während die Gewalt anhielt. Als der Krieg im April 2023 ausbrach, traf es Sudans Impfsystem schwer: Gesundheitspersonal wurde vertrieben, Einrichtungen schlossen oder wurden unzugänglich, Transportwege für Impfstoffe im Land wurden unterbrochen. Nach einer Mitteilung der Impfallianz Gavi fiel die nationale Impfquote für die dritte DTP-Dosis von 93 Prozent im Jahr 2022 auf 59 Prozent im November 2023, mehr als 70 Prozent der Gesundheitseinrichtungen in betroffenen Gebieten waren nicht mehr funktionsfähig und mehr als 3 Millionen Kinder blieben ungeschützt. Laut WHO und UNICEF werden auch historische Schätzwerte jährlich überarbeitet; frühere Veröffentlichungen lassen sich deshalb nicht direkt mit aktuellen Zahlen vergleichen. Laut einem UNICEF-Bericht vom 5. August 2026 war die Zahl der mit Impfstoffen erreichten Kinder bis 2024 stark gesunken, Sudan verzeichnete eine der niedrigsten Impfquoten und stand für 42 Prozent aller Kinder ohne Impfdosis in der Region Naher Osten und Nordafrika; der Rückgang trug zu Krankheitsausbrüchen bei, an denen Kinder starben. Als „Kinder ohne Impfdosis“ gelten laut WHO und UNICEF Kinder, die keine Dosis eines Diphtherie-Tetanus-Pertussis-haltigen Impfstoffs erhalten haben; andere Impfungen schließt diese Kategorie nicht aus. Gesundheitseinrichtungen und Kühlketteninfrastruktur wurden beschädigt oder zerstört, Millionen Kinder wurden vertrieben, viele von ihnen verpassten dadurch Routineimpfungen.

Was die Wende ermöglichte
UNICEF führt die Erholung auf den Notfallplan des erweiterten Impfprogramms zurück, den das sudanesische Gesundheitsministerium mit Unterstützung von Gavi, der WHO, UNICEF und weiteren Partnern leitete. Weil die üblichen Lieferwege unterbrochen waren, wurde ein grenzüberschreitender Mechanismus über Tschad eingerichtet, der Impfstoffe und Material nach Westsudan brachte und half, Routineimpfungen aufrechtzuerhalten. Aufsuchende und mobile Teams brachten die Versorgung näher zu Familien, die Gesundheitseinrichtungen nicht mehr ohne Weiteres erreichen konnten. In einigen Gebieten Darfurs und Kordofans ermöglichte eine verbesserte Sicherheitslage zudem, zuvor unerreichbare Gemeinden zu erreichen; Impfangebote erreichten dadurch 30 Prozent der dort lebenden Zielbevölkerung. Mehr als 40 Millionen Dosen Gavi-finanzierter Impfstoffe wurden nach Sudan geliefert, rund 30 Prozent davon über die Route durch Tschad in schwer zugängliche Gebiete. Landesweite Kampagnen impften 2025 und 2026 mehr als 12,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren gegen Masern und Röteln und führten zur Aufnahme dieser Impfung in Sudans Routineimpfplan, eine Diphtherie-Kampagne erreichte zudem in sechs Hochrisikobundesstaaten mehr als 2 Millionen Menschen zwischen 5 und 20 Jahren. Mehr als 8.000 Beschäftigte an vorderster Front, darunter Impfpersonal und Kühlkettenteams, erhielten Anreize für die Routineversorgung, weitere 20.000 wurden während der Kampagnen unterstützt; über Gavis Plattform zur Kühlkettenoptimierung und weitere Unterstützung kamen zudem 946 Kühlschränke und 11 begehbare Kühlräume hinzu. Der UNICEF-Impfspezialist Mohammed Al Haboub führte die Fortschritte auf die gemeinsamen Maßnahmen im Rahmen des Notfallplans des erweiterten Impfprogramms zurück.
Im Vergleich
Trotz der Erholung liegt Sudans DTP3-Quote von 71 Prozent laut UNICEF weiterhin unter dem weltweiten Durchschnitt: 2025 schlossen laut WHO und UNICEF weltweit 85 Prozent der Säuglinge, 110 Millionen, die vollständige Dreifachserie ab. Die Zahl der Kinder ohne jede Impfdosis stieg laut WHO und UNICEF seit 2019 auch in Jemen, Sudan, Nigeria, Südafrika und Bangladesch; in Jemen und Venezuela habe sich die Lage zudem verschlechtert. Mehr als die Hälfte aller Kinder ohne Impfdosis lebt laut WHO und UNICEF in fragilen, von Konflikten betroffenen oder vulnerablen Kontexten, obwohl diese nur etwa ein Drittel der weltweiten Kinderbevölkerung stellen.

Allein in Darfur behandelten MSF-Teams in den ersten vier Monaten 2026 mindestens 13.000 Masernfälle nach sechs Ausbrüchen der Krankheit. In Tawila sanken die Fälle nach einer Impfkampagne, die mehr als 130.000 Menschen erreichte, von 957 im Januar auf 40 Ende April. Nach Einschätzung von Miriam Alía, Impf- und Ausbruchsberaterin bei MSF, wirken solche Kampagnen, doch ihre Erfolge halten ohne Routineimpfung nicht an: Landesweit liege die Abdeckung wegen zusammengebrochener Gesundheitssysteme, schwierigem Zugang zu abgelegenen Gebieten und überlasteter mobiler Teams weit unter dem Niveau von 2022. Laut Alía blockieren drastische Finanzierungskürzungen und absichtliche bürokratische Behinderung durch die Kriegsparteien, dass lebensrettende Impfstoffe und Medikamente Bedürftige rechtzeitig erreichen.
Welche Bedingungen den Fortschritt sichern
UNICEF Sudan erklärte am 7. September 2026, anhaltender humanitärer Zugang und weitere Investitionen seien wesentlich, um auf den Fortschritten aufzubauen und jedes Kind zu erreichen, insbesondere in konfliktbetroffenen Gemeinden. Bereits am 5. August 2026 hatte UNICEF erklärt, die Sicherung der Fortschritte brauche zudem kontinuierliche Finanzierung sowie sicheren, dauerhaften und ungehinderten humanitären Zugang zu Kindern in ganz Sudan, auch in Konfliktgebieten, ohne das könnten die jüngsten Fortschritte wieder verloren gehen. Laut Health Policy Watch beschloss der Gavi-Vorstand im Dezember 2025 eine neue Gavi-Strategie 2026 bis 2030, die Finanzierung von WHO und UNICEF um etwa 30 Prozent senkt, während die Unterstützung für fragile und von Konflikten betroffene Länder um 15 Prozent steigen soll. Laut UNICEF sind anhaltender humanitärer Zugang und weitere Investitionen wesentlich, um die Fortschritte zu sichern; laut MSF werden die Erfolge der Impfkampagnen ohne den Wiederaufbau der Routineversorgung nicht von Dauer sein.
Kommentare