Weltweiter Trachom-Maßnahmenbedarf sinkt auf 92 Millionen Menschen
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Weltweiter Trachom-Maßnahmenbedarf sinkt auf 92 Millionen Menschen

Laut einem auf WHO-Daten gestützten ICTC-Bericht ist die Zahl der Menschen, die Maßnahmen gegen die Augenkrankheit Trachom benötigen, binnen eines Jahres von 103 auf 92 Millionen gesunken, ein Fortschritt auf dem Weg zur weltweiten Eliminierung der Krankheit als Problem der öffentlichen Gesundheit.

Quellen (9)
  1. Trachomawho.int
  2. Trachomawho.int
  3. Wittberg et al. / Tropical Medicine & International Health: The Effect of a Water, Sanitation, and Hygiene Intervention on Clinical Trachoma: A Cluster-Randomised Trialdoi.org
  4. Last et al. / The Lancet Infectious Diseases: Double-dose azithromycin mass drug administration, facial cleanliness, and fly control measures for trachoma control in Oromia, Ethiopia (Stronger SAFE): a cluster-randomised controlled trialdoi.org
  5. Double-dose azithromycin mass drug administration, facial cleanliness, and fly control measures for trachoma control in Oromia, Ethiopia (Stronger SAFE): a cluster-randomised controlled trial - PubMedpubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  6. ‘Some of these diseases are in the Bible’: despair as cuts halt progress on age-old tropical illnesses | Global development | The Guardiantheguardian.com
  7. Controlling and Eliminating Neglected Tropical Diseases - Helen Keller Intlhelenkellerintl.org
  8. Global progress towards trachoma elimination continues, WHO reports | International Coalition for Trachoma Controltrachomacoalition.org
  9. WER101-28who.int
30. Oktober 2026, 6:48 Uhr733 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Trachom ist laut dem WHO-Faktenblatt vom 7. September 2026 weltweit die führende infektiöse Ursache von Blindheit; die Krankheit entsteht durch eine Augeninfektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis, das über Hände, Kleidung oder Fliegen verbreitet wird.

Der Rückgang seit 2010

Laut der WHO-Übersicht zu Trachom sank die geschätzte Zahl der Menschen, die in endemischen Bezirken leben und durch eine Trachomerblindung gefährdet sind, von mehr als 250 Millionen im Jahr 2010 auf 101,5 Millionen im Jahr 2025. Die WHO führt dies auf verbesserte Daten und die SAFE-Strategie zurück, die Operationen gegen Trichiasis, bei der sich die Wimpern nach innen ziehen und die Hornhaut schädigen können, Antibiotika sowie Gesichtsreinlichkeit und Umweltverbesserungen umfasst. Nach Abschluss des Global Trachoma Mapping Project bezifferte die ICTC die gefährdete Bevölkerung 2016 auf 190,2 Millionen Menschen und den Bedarf an Trichiasisoperationen auf 2,8 Millionen; bis März 2026 seien beide Werte auf 92 Millionen beziehungsweise 1,2 Millionen gesunken.

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Behandlungen im Jahr 2025

Nach Angaben der WHO erhielten 2025 insgesamt 98.829 Menschen mit Trichiasis eine korrigierende Operation, 47,4 Millionen Menschen wurden mit Antibiotika behandelt. Das sind laut ICTC 13 Prozent mehr Trichiasisfälle als die 87.349 im Jahr zuvor. Die weltweite Antibiotikaabdeckung lag 2025 laut WHO bei 47 Prozent. Rund 80 Prozent der Trichiasisoperationen fanden laut ICTC in Äthiopien statt, dem Land mit der größten Trachomlast von 66 Millionen Menschen. Die meisten Antibiotika spendete laut ICTC Pfizer über die International Trachoma Initiative, rund 82 Prozent der Behandlungen erfolgten in Äthiopien. Unter den 2025 wegen Trichiasis operierten Menschen mit nach Geschlecht aufgeschlüsselten Daten waren laut ICTC 69 Prozent Frauen, unter den entsprechend erfassten Antibiotikaempfängern 52 Prozent; Frauen benötigen laut ICTC 1,8-mal so häufig wie Männer eine TT-Behandlung. Seit dem vorherigen Bericht im Juli 2025 habe die WHO laut ICTC in sechs weiteren Ländern die Eliminierung von Trachom als Problem der öffentlichen Gesundheit bestätigt, insgesamt gelten damit 32 Länder als bestätigt; in der eigenen Aufzählung nennt ICTC dafür jedoch sieben Länder. Nach dem bereits zitierten WHO-Faktenblatt vom 7. September 2026 waren zum 4. September 2026 bereits 33 Länder einschließlich Timor-Leste als Länder bestätigt, die Trachom als Problem der öffentlichen Gesundheit eliminiert haben. ICTC-Vorsitzende Michaela Kelly erklärte, die Daten bestärkten die Einschätzung, dass die weltweite Eliminierung erreichbar sei; sie verwies auf 14 Länder, deren Eliminierung als Problem der öffentlichen Gesundheit in den vergangenen zwei Jahren bestätigt worden sei.

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Eine im Januar 2026 veröffentlichte, clusterrandomisierte Studie von Wittberg und Kollegen in 40 äthiopischen Gemeinden fand, dass eine Intervention zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene ohne Antibiotikamassenbehandlung die klinischen Trachomwerte in einem hyperendemischen Gebiet nicht verringerte. Die mittlere Follikelzahl bei den untersuchten Kindern stieg nach drei Jahren in beiden Gruppen ähnlich an, von 3,8 auf 5,9 im Interventionsarm und von 3,7 auf 5,4 in der Kontrollgruppe. Nachdem die verstärkten Antibiotika-, Gesichtsreinlichkeits- und Umweltmaßnahmen der separaten Stronger-SAFE-Studie nach drei Jahren im Vergleich zur Standardversorgung keinen zusätzlichen Effekt auf die Infektionsprävalenz zeigten, halten deren Autoren es für unwahrscheinlich, dass solche verstärkten Maßnahmen die Elimination gegenüber gut umgesetzten Einzeldosis-Massenbehandlungen mit hoher Abdeckung als Teil der Standard-SAFE-Strategie beschleunigen. Zugleich berichtete der Guardian im April 2025, dass USAID ihre Arbeit gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten einschließlich Trachom eingestellt hatte. Die Organisation Helen Keller Intl, die das betroffene USAID-Programm 2018 bis 2025 in sechs westafrikanischen Ländern leitete, hatte ihre Arbeit dort laut Guardian ausgesetzt. Pharmaunternehmen hatten laut Berechnungen von Nichtregierungsorganisationen für 2025 Medikamentenspenden im Wert von 975 Millionen Dollar zugesagt; laut Weaver wurden Lieferungen teils gestoppt. Helen Keller Intl erklärte, mit Unterstützung der eigenen Fördergemeinschaft die Medikamentenverteilung in den sechs Ländern wieder aufzunehmen. Der zeitliche Bezug dieser Angaben von Helen Keller Intl bleibt unklar, da das angegebene Veröffentlichungsdatum neben Textpassagen zu späteren Ereignissen steht. Eine Stellungnahme der für die Kürzungen verantwortlichen Stelle zu diesen Folgen liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor.

Von mehr als 250 Millionen auf 92 Millionen: anderthalb Jahrzehnte Rückgang

Zusammengenommen ergibt sich eine Chronologie geschätzter Werte: 2010 lag die weltweit von Trachom gefährdete Bevölkerung laut WHO schätzungsweise bei mehr als 250 Millionen Menschen, 2016 laut ICTC bei geschätzt 190,2 Millionen, 2025 bei geschätzt 101,5 Millionen und nach dem Datenstand vom März 2026 bei 92 Millionen. Diese Werte beruhen teils auf unterschiedlichen Berechnungen: Die Zahl für 2025 bezeichnet laut WHO einen potenziellen Jahresbedarf anhand rollierender Spitzenprävalenzen, während sich die 92 Millionen auf eine Momentaufnahme der GET2020-Datenbank zum 20. März 2026 beziehen. Offen bleibt laut WHO, ob in den insgesamt zwölf Ländern Maßnahmen benötigt werden, in denen die Untersuchungen auf Trachomendemie noch nicht abgeschlossen sind.

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