
Audi-Gewinn bricht im dritten Quartal um 87 Prozent ein
Quellen (11)
- Audi-Gewinn bricht drastisch ein - Wirtschaft - SZ.desueddeutsche.de
- Audi-Gewinn bricht drastisch einfr.de
- Herausfordernde erste neun Monate: Audi verschärft Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit | audi.comaudi.com
- Audi Konzern hält operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 trotz schwieriger Märkte stabil | audi.comaudi.com
- BMW-Gewinn bricht ein: Die Krise der deutschen Autobauer | tagesschau.detagesschau.de
- Automobilbranche - Audi rutscht fast in die roten Zahlendeutschlandfunk.de
- Autohersteller: Audi schreibt Verluste im dritten Quartalhandelsblatt.com
- Stellenabbau in der Automobilindustrie: 42 300 weniger Beschäftigte zum Ende des 1. Halbjahres 2026 als ein Jahr zuvor - Statistisches Bundesamtdestatis.de
- IG Metall bei Audi: „Wir verteidigen Arbeit – und...ingolstadt.igmetall.de
- Kritik an Konzernchef Döllner: Audi-Gewinn bricht drastisch ein - n-tv.den-tv.de
- Jobbörse: Audi-Ingenieure interessiert an Rüstungsindustrie | BR24br.de
Über den Gewinneinbruch berichten die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf Unternehmensangaben. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch bei 718 Millionen Euro gelegen. Der neue Ausblick sieht Umsatzerlöse von 55 bis 59 Milliarden Euro und eine operative Umsatzrendite von 3 bis 5 Prozent vor. Beim Netto-Cashflow rechnet Audi nun mit 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro. Die aktualisierte Prognose berücksichtigt laut Audi keine potenziellen Restrukturierungsaufwendungen, die über die im Jahr 2025 getroffenen Vereinbarungen hinausgehen.
Neun Monate mit deutlichem Rückgang
In den ersten neun Monaten 2026 sank das Ergebnis nach Steuern des Audi-Konzerns auf 1.218 Millionen Euro, nach 2.064 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Umsatzerlöse fielen von 48.380 auf 42.063 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sank von 1.555 auf 1.150 Millionen Euro. Die Markengruppe lieferte 1.056.103 Fahrzeuge aus, nach 1.191.141 im Vorjahreszeitraum. Weltweit gingen die Auslieferungen der Marke Audi um 11,4 Prozent zurück, während sich die Märkte Deutschland und Europa positiv entwickelten und die Plug-in-Hybridmodelle weltweit um 103 Prozent zulegten. Bei den vollelektrischen Modellen der Marke sanken die weltweiten Auslieferungen um 12 Prozent auf 143.748 Fahrzeuge, obwohl Deutschland und China hier zulegten.
Audi nennt China, Zölle und Wettbewerbsdruck als Gründe
Die Geschäftsentwicklung sei vor allem durch den Markteinbruch in China belastet worden, insbesondere bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, durch steigende Wettbewerbsintensität und zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt, erklärte Audi. Der Hochlauf der Elektromobilität in Europa habe den Wettbewerbsdruck und den Transformationsdruck zusätzlich erhöht. Hinzu kämen Unsicherheiten durch die Lage im Nahen Osten mit steigenden Energiekosten, US-Zölle und die laufende Umstellung der Einstiegsmodelle von Audi A1 und Q2 auf den vollelektrischen Audi A2 e-tron. Finanzvorstand Jürgen Rittersberger erklärte, vor allem im dritten Quartal habe sich das Umfeld erheblich verschärft; die Maßnahmen wirkten, müssten aber wegen des enormen Wettbewerbsdrucks verstärkt werden. Audi reduziert laut eigenen Angaben Kosten und Komplexität, erhöht die Effizienz seiner Strukturen und investiert gezielt in Software, Künstliche Intelligenz und Fahrerassistenzsysteme. Noch in diesem Jahr sollen der Audi Q9 Anfang November in Europa und im Dezember der A2 e-tron in den Handel kommen.
Vom operativ stabilen Halbjahr zum schwachen Quartal
Noch im Juli hatte Audi sein operatives Ergebnis im ersten Halbjahr für stabil erklärt: Das Ergebnis nach Steuern lag dagegen bei 1.123 Millionen Euro, nach 1.346 Millionen Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis stieg sogar leicht auf 1.122 Millionen Euro, nach 1.087 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Schon damals hatte der Konzern seine Jahresprognose wegen eines verschärften Marktumfelds in China und der Eskalation im Nahen Osten angepasst, auf Umsatzerlöse von 58 bis 63 Milliarden Euro und eine operative Rendite von 5 bis 7 Prozent. Zuvor hatte Audi laut tagesschau.de noch Umsatzerlöse von 63 bis 68 Milliarden Euro und eine Rendite von sechs bis acht Prozent erwartet. Die Prognose für die operative Jahresrendite sank nun weiter, auf den neuen Zielkorridor von 3 bis 5 Prozent. Deutlich dramatischer traf es den Mutterkonzern Volkswagen: Er meldete für das dritte Quartal einen Fehlbetrag von 5,82 Milliarden Euro, nach rund 1,07 Milliarden Euro im Vorjahresquartal, wie der Deutschlandfunk berichtet. Besonders stark schlug dabei eine Abschreibung von 6,4 Milliarden Euro auf die Tochter Porsche zu Buche, die schon länger unter dem Einbruch im Geschäft in China und der US-Zollpolitik leidet. Nach einem Bericht des Handelsblatts geriet allein die Kernmarke Audi im dritten Quartal bei 11,6 Milliarden Euro Umsatz mit 174 Millionen Euro in die Verlustzone. Nur dank der zur Markengruppe zählenden Lamborghini, Bentley und Ducati stand am Ende ein Gewinn von 28 Millionen Euro. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinterlässt die Branche Spuren: Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten zum Ende des ersten Halbjahres 2026 insgesamt 42.300 Menschen weniger in der Automobilindustrie als ein Jahr zuvor, ein Rückgang von 5,8 Prozent. Das war der stärkste Rückgang unter allen großen Industriebranchen mit mehr als 200.000 Beschäftigten. Mit 691.500 Beschäftigten erreichte die Branche den niedrigsten Stand seit 2005. Die IG Metall bei Audi forderte bereits am 17. Oktober von Politik und Unternehmen Investitionen statt bloßer Kürzungsprogramme sowie belastbare Zusagen für Standorte, Produkte und Qualifizierung. Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer erklärte damals, die Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 bleibe bestehen, forderte aber konkrete Perspektiven für Ingolstadt und Neckarsulm, darunter neue Produkte, ausreichende Auslastung und frühzeitige Qualifizierung. Die bereits 2025 geschlossene Zukunftsvereinbarung sah schon den Abbau Tausender Jobs in Deutschland vor; weitere Maßnahmen sollen laut Audi erst gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat entwickelt werden. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sagte, die Beschäftigten in der Autoindustrie hätten zurecht die Nase voll davon, ständig mit einer Drohkulisse von Verlagerung und Abbau konfrontiert zu sein. Anfang Oktober hatte Audi laut Süddeutscher Zeitung bereits angekündigt, die sogenannte Schlechtwetterklausel zu ziehen, eine Vereinbarung aus dem Jahr 2019, die Geschäftsführung und Betriebsrat zu Verhandlungen über Sparmaßnahmen verpflichtet, wenn sich die wesentlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.
Aufsichtsrat tagt wohl auch über Döllners Auftritt mit Trump
Am Nachmittag trifft sich der Audi-Aufsichtsrat zu einer außerplanmäßigen Sitzung; als voraussichtliches Thema nennt der Deutschlandfunk den umstrittenen Auftritt von Audi-Vorstandschef Gernot Döllner auf einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump. Döllner trat laut ntv am Rande von Verhandlungen über ein geplantes Audi-Werk im US-Bundesstaat Georgia überraschend gemeinsam mit Trump auf, der dort die Werkspläne verkündete und ihn auf die Bühne rief, wo Döllner ihm für seine Unterstützung dankte. Seither reicht die Kritik an Döllner bis zu Rücktrittsforderungen; Kritiker werfen ihm vor, gegen unternehmenseigene Regeln verstoßen zu haben, die solche Auftritte ausschließen. Döllner verteidigte seinen Auftritt als im Interesse des Unternehmens: Audi sei gebeten worden, seine Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten öffentlich vorzustellen, eine solche Einladung lehne man aus Respekt vor dem Amt nicht ab. Ob die Vereinbarung über das Werk noch vor Produktionsstart Auswirkungen auf die von Audi zu zahlenden US-Zölle haben wird, ließ Rittersberger nach Angaben von ntv offen.
Audi-Beschäftigte könnten ab 2027 leihweise zur Rüstungsindustrie wechseln
Parallel sucht Audi für einen Teil seiner Beschäftigten neue Wege: Mehr als 2.000 Mitarbeiter meldeten sich für eine Jobbörse auf dem Audi-Gelände in Ingolstadt an, wie BR24 berichtet, um Kontakt zu bayerischen Rüstungsfirmen aufzunehmen und möglicherweise ab 2027 dort zu arbeiten. Recruiting-Leiter Andreas Zelzer rechnet damit, dass rund 400 Beschäftigte für zwei, maximal drei Jahre an Rüstungsunternehmen wie Diehl Defence, KNDS und MBDA ausgeliehen werden; Audi garantiert ihnen die Rückkehr. Personalvorstand Xavier Ros erklärte, an der Vergütung ändere sich dabei nichts; der Austausch solle im kommenden Jahr beginnen. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung sieht in dem Modell für Autobauer eine Möglichkeit, Personal zu reduzieren. Für Beschäftigte sei es eine Chance, die Arbeit in der Rüstungsindustrie auszuprobieren. Ob die ausgeliehenen Beschäftigten zu Audi zurückkehren oder ganz in die Rüstungsindustrie wechseln, bleibt nach Angaben von BR24 ihre individuelle Entscheidung, deren Ergebnis sich erst in den kommenden Jahren zeigen wird.
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