Schüsse beim Korrespondenten-Dinner: Trump evakuiert
Um etwa 20:40 Uhr Ortszeit eröffnete am Samstag ein bewaffneter Mann im Eingangsbereich des Washington Hilton das Feuer auf Sicherheitsbeamte. Präsident Donald Trump, First Lady Melania Trump und Vizepräsident JD Vance wurden binnen Sekunden aus dem Ballsaal evakuiert, in dem das jährliche White House Correspondents' Dinner stattfand. Es ist das erste Mal in der 105-jährigen Geschichte der Veranstaltung, dass ein Schütze in den Sicherheitsbereich eindrang.
Eine Institution seit 1921
Das White House Correspondents' Dinner ist eine der ältesten Institutionen der amerikanischen Pressekultur. Seit 1921 lädt die White House Correspondents' Association einmal jährlich Journalisten, Politiker und Prominente zu einem Abendessen ein; das Geld aus Sponsoring und Eintrittspreisen fließt in Journalistenstipendien. Rund 2.600 Gäste fanden sich am Samstagabend im Washington Hilton ein, darunter nahezu das gesamte Kabinett, mehrere Senatoren sowie Vertreter der größten amerikanischen Medien.
Trump hatte das Dinner in seiner ersten Amtszeit wiederholt gemieden. In seiner zweiten Amtszeit erschien er zum ersten Mal wieder, sprach vor dem Publikum und nahm am Abendessen teil. Es war einer der wenigen Abende, an denen Präsident, Vizepräsident und Kabinett gemeinsam an einem öffentlich zugänglichen Veranstaltungsort versammelt waren.
Was geschah
Der Zwischenfall ereignete sich nahe dem Sicherheitskontrollbereich am Eingang des Ballsaals. Ein 31-jähriger Mann aus dem kalifornischen Torrance versuchte, durch die Sicherheitszone zu gelangen und eröffnete dabei das Feuer. CNN-Korrespondent Wolf Blitzer, der sich zum Zeitpunkt des Vorfalls außerhalb des Ballsaals befand, berichtete live, er habe mindestens sechs Schüsse aus einer sehr ernsthaften Waffe gehört, bevor der Schütze von Beamten zu Boden gebracht wurde. Ein Strafverfolgungsbeamter wurde von einem Projektil in die schusssichere Weste getroffen und ins Krankenhaus gebracht; er soll sich erholen. Im Ballsaal selbst suchten Gäste Deckung unter den Tischen.
Trump schrieb kurz danach auf Truth Social, Secret Service und Law Enforcement hätten hervorragende Arbeit geleistet und seien schnell und mutig gehandelt. Er bestätigte, dass First Lady, Vizepräsident und alle Kabinettsmitglieder wohlauf seien. Die White House Correspondents' Association sagte die Veranstaltung noch für denselben Abend ab. Trump kündigte an, das Dinner innerhalb von 30 Tagen nachzuholen.
Wer der Tatverdächtige ist
Amerikanische Medien identifizierten den Tatverdächtigen als einen 31-jährigen Mann aus Torrance in Südkalifornien. Er soll ein Ingenieurstudium am California Institute of Technology (Caltech) absolviert und später einen Masterabschluss in Informatik an der California State University Dominguez Hills erworben haben. Offizielle Behörden äußerten sich zunächst nicht zu seiner Identität. Ein konkretes Tatmotiv war am Sonntag noch nicht bekannt; FBI, Metropolitan Police und Secret Service ermitteln gemeinsam. Trump gab an, der Tatverdächtige sei in Gewahrsam genommen worden und die Bundesbehörden untersuchten sein Wohnhaus in Kalifornien.
Eine Sicherheitslücke mit Konsequenzen
Für den Secret Service ist der Vorfall politisch heikel. In Trumps erster Amtszeit gab es 2024 zwei öffentlich bekannte Attentatsversuche, die tiefgreifende Reformen des Sicherheitsapparats ausgelöst hatten. Nun gelangte erneut ein Bewaffneter in unmittelbare Nähe eines Ortes, an dem der komplette obere Bestand der amerikanischen Exekutive versammelt war.
Das White House Correspondents' Dinner stellt aus Sicherheitsperspektive eine besondere Herausforderung dar: Anders als offizielle Staatsakte findet die Veranstaltung in einem kommerziellen Hotelkomplex statt und versammelt gleichzeitig Präsident, Vizepräsident und Kabinett an einem Tisch. Die Frage, wie der Tatverdächtige in den unmittelbaren Bereich der Sicherheitskontrolle gelangen konnte, wird im Mittelpunkt der internen Untersuchung stehen.
Ein erfolgreicher Angriff hätte die komplette Führungsstruktur der Exekutive getroffen: Präsident, Vizepräsident und Kabinett befanden sich in einem Raum. Das ist eine Konstellation, die in der amerikanischen Verfassungsordnung eigentlich vermieden wird. Staatsakte wie die Rede zur Lage der Nation haben deswegen seit Jahrzehnten einen sogenannten Designated Survivor vorgesehen, der Veranstaltung fernbleibt. Für das Pressedinner gab es keine solche Vorkehrung.
Ausblick
Das FBI wird in den kommenden Tagen mit weiteren Details zu Täteridentität und Motiv an die Öffentlichkeit treten. Das Weiße Haus hat angekündigt, das Dinner innerhalb von 30 Tagen nachzuholen, vermutlich mit verschärftem Sicherheitskonzept. Für den Secret Service beginnt eine interne Revision der Sicherheitsstandards bei Großveranstaltungen, deren Ergebnis auch das Protokoll künftiger Formate des Dinners prägen wird.
Aktualisierungen
Update 26. April, 15:01 Uhr: Die Bundesbehörden haben den Schützen offiziell als Cole Thomas Allen identifiziert, 31 Jahre alt, wohnhaft in Torrance, Südkalifornien. Allen soll neben einer Pistole auch eine Schrotflinte und mehrere Messer mitgeführt haben. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Bundesanklagen erhoben: Waffengebrauch bei einem Gewaltvergehen nach 18 U.S.C. § 924(c) sowie tätlicher Angriff auf einen Bundesbeamten mit einer gefährlichen Waffe nach 18 U.S.C. § 111. Am Montag, dem 27. April, soll Allen erstmals dem Bundesgericht vorgeführt werden. Ein Tatmotiv ist weiterhin nicht bekannt.