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International
Iran droht Unterwasserkabeln: Gespräche gescheitert

Iran droht Unterwasserkabeln: Gespräche gescheitert

Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran sind nach dem dritten Fehlschlag in Islamabad am Ende: Washington sagte die Pakistan-Reise seiner Sondergesandten ab, Teheran verweigert Gespräche unter der anhaltenden US-Seeblockade. Parallel kartografiert das revolutionsgardenahe Medium Tasnim die Unterwasserkabel im Persischen Golf.

26. April 2026, 12:58 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Die Feuerpause zwischen den USA und Iran läuft innerhalb der nächsten 24 Stunden ab und neue Verhandlungen sind nicht vereinbart. Beide Seiten stehen auf ihren Positionen: Washington fordert die Aufgabe des iranischen Urananreicherungsprogramms und die Öffnung der Straße von Hormus, Teheran verweigert Gespräche unter anhaltender US-Seeblockade. Parallel haben revolutionsgardenahe iranische Medien die Unterseekabel im Persischen Golf kartografiert und damit ein unausgesprochenes Signal gesetzt: Teheran besitzt weitere Eskalationsoptionen, die das digitale Rückgrat der Golfstaaten treffen könnten.

Das Ende der dritten Verhandlungsrunde

Die dritte Verhandlungsrunde in Islamabad scheiterte Mitte vergangener Woche ohne direkte Kontakte zwischen den amerikanischen und iranischen Delegationen. Irans Außenminister Abbas Araghtschi reiste nach Pakistan und beschrieb seinen Besuch als «sehr fruchtbar». Die US-Seite bewertete das vorgelegte Papier anders: Präsident Donald Trump sagte die geplante Reise seiner Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff nach Pakistan ab, weil Iran kein ausreichendes Angebot gemacht habe. Trump berichtete von einem eigenartigen Ablauf: Nachdem er das erste iranische Papier abgelehnt hatte, habe Teheran «innerhalb von zehn Minuten» ein überarbeitetes, deutlich besseres Papier vorgelegt. Trotzdem blieb die Reise abgesagt.

Iran reagierte mit einer offiziellen Erklärung: Verhandlungen unter US-Belagerung seien «keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Gespräche». Außenminister Araghtschi berief sich auf drei konkrete Hindernisse: übertriebene Forderungen der USA, deren ständige Kurswechsel und die fortgesetzte Seeblockade iranischer Häfen. ZDF-Berichte vom Wochenende bestätigen, dass Teheran eine Verhandlungsteilnahme vorerst ausgeschlossen hat.

Unterwasserkabel als neue Druckoption

Was die aktuelle Lage von früheren Eskalationsphasen unterscheidet: Das revolutionsgardenahe iranische Medium Tasnim hat in dieser Woche öffentlich detaillierte Karten der Unterseekabel im Persischen Golf veröffentlicht. Die Kabel verlaufen durch oder nahe der Straße von Hormus und verbinden die Golfstaaten Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien mit der globalen Internetinfrastruktur. Das Stimson Center in Washington hat bereits analysiert, dass ein Angriff auf diese Kabel Datenzentren und Cloud-Infrastruktur großer US-Technologiekonzerne in der Region treffen würde. Gleichzeitig legte Irans Revolutionsgarde nach Informationen der Nachrichtenplattform Axios in der gleichen Woche weitere Seeminen in der Straße von Hormus aus.

Die Botschaft dieser Schritte ist eindeutig: Teheran kann nicht nur Öl blockieren, sondern auch Datenleitungen, auf die Saudi-Arabien und die Emirate für ihren Finanzsektor, ihre Logistik und ihre Cloudrechenzentren angewiesen sind. Diese Eskalationsoption wäre neu und würde einen Waffenstillstand erheblich teurer machen als bisher angenommen.

Wer entscheidet in Teheran?

Die Verhandlungsführung auf iranischer Seite ist aus einem weiteren Grund erschwert: Der neue Oberste Führer Mojtaba Khamenei, beim US-israelischen Angriff vom 28. Februar schwer verletzt, kommuniziert derzeit ausschließlich schriftlich. Er wartet auf eine Beinprothese und kann wegen Verbrennungen im Gesicht kaum sprechen. Laut einem Bericht der New York Times vom 24. April trifft de facto ein Führungskreis der Revolutionsgarde die Sicherheits- und Diplomatieentscheidungen. Das bedeutet: Es gibt keinen einzigen Entscheider, der einen Kompromiss autorisieren könnte, selbst wenn er es wollte.

Trump versucht aus dieser Schwäche Kapital zu schlagen. «Wir haben alle Karten, sie keine», schrieb er auf Truth Social. Er fordert Iran auf, «einfach anzurufen», wenn Teheran verhandeln wolle. Faktisch stimmt das nur teilweise: Die USA kontrollieren den Luftraum über dem Persischen Golf. Doch Iran kontrolliert die Wasserstraße, durch die täglich etwa 20 Prozent des global gehandelten Öls fließen und nun potenziell auch die digitale Infrastruktur darunter.

Das wirtschaftliche Paradox

Das eigentliche Paradox des Konflikts: Irans Öleinnahmen sind seit Kriegsbeginn gestiegen, nicht gefallen. Die Hormusblockade trifft Irans Verbündete im Persischen Golf härter als Iran selbst, das weiterhin über alternative Exportrouten verfügt. Eine DIHK-Umfrage unter 2.400 deutschen Unternehmen vom 22. April ergab, dass 83 Prozent negative Auswirkungen auf ihr Geschäft verzeichnen. 43 Prozent der deutschen Industriebetriebe verlagern Investitionen ins Ausland, der höchste Wert seit der Strukturkrise 2003. Die DIHK hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2026 faktisch halbiert.

Was in den kommenden Stunden entscheidet

Die Feuerpause ist derzeit das einzige Element, das eine direkte militärische Konfrontation verhindert. Trump hatte erklärt, eine weitere Verlängerung halte er für «höchst unwahrscheinlich», sollte kein Verhandlungsfortschritt erzielt werden. Stand Sonntag, 26. April, läuft die verlängerte Waffenruhe ohne vereinbarte Folgeverhandlungen aus. Ob Trump seine Ankündigung umsetzt oder erneut verlängert, entscheidet sich in den kommenden 24 bis 48 Stunden. Eine Rückkehr zu aktiven Kampfhandlungen würde die Ölpreise unmittelbar treiben und die Hormusblockade unter gänzlich anderen Bedingungen fortsetzen.

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