Tankrabatt kaum weitergegeben: Kartellamt prüft
Der April 2026 war der teuerste Tankmonat in der deutschen Geschichte: Super E10 kostete im Schnitt 2,109 Euro pro Liter, getrieben vom Irankrieg und dem blockierten Ölmarkt. Seit dem 1. Mai gilt ein staatlicher Tankrabatt, der die Steuerbelastung um 16,7 Cent pro Liter senkt. Doch wer seitdem an die Zapfsäule fährt, bemerkt davon wenig. ADAC und Ifo-Institut haben nachgemessen. Die Zahlen zeigen: Die Entlastung kommt vor allem bei den Ölkonzernen an, nicht bei den Autofahrern.
Der Rabatt und die Realität
Der staatliche Tankrabatt setzt sich zusammen aus einer Senkung der Energiesteuer um 14,04 Cent pro Liter sowie dem Wegfall der darauf erhobenen Mehrwertsteuer. Zusammen ergibt das eine gesetzliche Entlastung von 16,7 Cent pro Liter. Am 4. Mai, also vier Tage nach Inkrafttreten, lag der ADAC-Tagesdurchschnitt für Super E10 bei 2,02 Euro pro Liter. Würden die vollen 16,7 Cent weitergegeben, müsste der Preis bei rund 1,94 Euro liegen. Tatsächlich hat der ADAC eine Weitergabe von etwa 10,7 bis 12 Cent gemessen. Das Ifo-Institut kommt zu ähnlichen Zahlen und liefert beim Diesel einen noch deutlicheren Befund: Dort wurden von den ebenfalls 17 Cent Entlastung lediglich rund fünf Cent an die Kunden weitergegeben.
Das Muster ist nicht neu. Beim Tankrabatt von 2022 hatte eine Studie des Ifo-Instituts nachgewiesen, dass die damalige Steuersenkung ähnlich unvollständig weitergegeben worden war und dass die Preise nach Ablauf der Maßnahme sofort wieder stiegen. Der Einfluss schwankender Rohstoffpreise erklärt einen Teil der Abweichung, aber nicht den gesamten.
Das Kartellamt schaut hin
Bundeskartellamt-Präsident Andreas Mundt erklärte, sein Haus werde die Weitergabe der Steuersenkung genau beobachten. Eine rechtliche Verpflichtung zur vollständigen Weitergabe gibt es nicht. Mineralölkonzerne dürfen Margen einbehalten. Das Kartellamt kann aber dann einschreiten, wenn Unternehmen Preise koordinieren oder missbräuchliche Marktmacht ausüben. Mundt ließ offen, ob das der Fall ist.
Der Markt selbst ist durch den Irankrieg fundamental verändert. Brent Crude notiert am 5. Mai bei 116,55 US-Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag der Preis bei rund 60 Dollar. Die Straße von Hormuz, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Öltransporte laufen, ist seit dem Ausbruch des Konflikts Ende Februar 2026 ein dauerhafter Engpass. Am 3. Mai hat die OPEC+ beschlossen, die Produktion im Juni um weitere 188.000 Barrel pro Tag auszuweiten, nach 206.000 Barrel im Vormonat. Die Vereinigten Arabischen Emirate waren bei dieser Sitzung erstmals nicht mehr dabei: Sie hatten das Kartell vor zwei Wochen verlassen, ein Schritt, der den internen Zusammenhalt der OPEC+ weiter schwächt.
Der politische Streit ums nächste Instrument
In der Koalition ist die Diskussion darüber entbrannt, was nach dem Tankrabatt kommt oder ihn ergänzen soll. Bundeskanzler Friedrich Merz brachte eine Anhebung der Pendlerpauschale auf 45 Cent pro Kilometer ins Gespräch. Die SPD-Fraktion lehnte das umgehend ab: Es handele sich um eine "Subvention für Besserverdienende", da Besserverdiener mit langen Pendlerwegen und hohem Einkommenssteuersatz überproportional profitieren würden. Eine einkommensneutrale Entlastung sei das nicht.
Das Argument ist nicht unbegründet. Die Pendlerpauschale wirkt als Steuervorteil, der proportional mit dem Grenzsteuersatz wächst. Ein Manager, der täglich 50 Kilometer pendelt, würde deutlich stärker entlastet als eine Supermarktkassiererin auf der gleichen Strecke. Gleichzeitig treffen die hohen Spritpreise Geringverdiener ohne Homeoffice-Möglichkeit besonders hart, weil Fahrtkosten bei niedrigerem Einkommen einen größeren Teil des Haushaltsbudgets ausmachen.
Was Autofahrer im Juni noch zahlen
Der Tankrabatt gilt vorerst bis Ende Juni 2026. Danach entscheidet die Koalition über eine Verlängerung. Die Bundesregierung will abwarten, wie sich die Iranverhandlungen entwickeln und ob Hormuz zugänglicher wird. Solange das nicht der Fall ist, dürfte der Brent-Preis auf dem erhöhten Niveau bleiben. Vollständig weitergegeben würde ein Liter Super E10 dann Ende Mai bei rund 1,94 Euro liegen. Tatsächlich liegt er bei 2,02 Euro. Die Differenz von acht Cent entspricht bei einem 50-Liter-Tank vier Euro, pro Tankvorgang, die an der Zapfsäule hängen bleiben.