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Politik
Merz plant Europas stärkste Armee bis 2029

Merz plant Europas stärkste Armee bis 2029

Deutschland will bis 2029 die konventionell stärkste Armee Europas aufbauen. Merz plant 3,5 Prozent des BIP für Verteidigung, sechs Jahre früher als das neue NATO-Ziel. Ukrainische Ausbilder schulen bereits Bundeswehrsoldaten im Häuserkampf.

18. April 2026, 10:25 Uhr 758 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Deutschland will bis 2029 die konventionell stärkste Armee Europas aufbauen. Bundeskanzler Friedrich Merz plant, die Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern, sechs Jahre früher als das neue NATO-Ziel von 2035. Das entspricht rund 162 Milliarden Euro im Haushalt 2029, verglichen mit etwa 95 Milliarden heute. Was diese Rüstungswende antreibt, ist nicht allein der Ukrainekrieg, sondern der fundamentale Zweifel, ob die USA als Sicherheitsgarant noch verlässlich sind.

Von zwei auf dreieinhalb Prozent

Lange war die NATO-Verpflichtung von zwei Prozent das politische Ziel, das Deutschland jahrelang verfehlte. Nach Putins Überfall auf die Ukraine 2022 und dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro begann die Bundeswehr aufzuholen. Merz geht nun weit darüber hinaus: 3,5 Prozent des BIP für Verteidigung, zusätzlich 1,5 Prozent für militärische Infrastruktur. Die angestrebte Gesamtquote von fünf Prozent würde Trumps Forderungen erfüllen und Deutschland zum größten Verteidigungsetat Europas machen.

Finanziert wird das durch eine Reform der Schuldenbremse, die im März 2026 im Bundestag verabschiedet wurde. Bis 2029 kann Deutschland damit insgesamt rund 378 Milliarden Euro für die Verteidigung aufnehmen, ohne gegen die Verfassung zu verstoßen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) signalisierte Bereitschaft, auch Trumps Ziel von fünf Prozent mittelfristig anzusteuern. Konkrete Streichungen an anderer Stelle nannte die Koalition bislang nicht.

Was die Ukraine beibringt

Parallel zur Budgetexpansion verändert sich die inhaltliche Ausrichtung der Bundeswehr grundlegend. Über 25.000 ukrainische Soldaten wurden bislang in Deutschland ausgebildet. Seit Februar 2026 gibt es eine neue bilaterale Vereinbarung: Ukrainische Ausbilder kommen zur Bundeswehr und schulen deutsche Soldaten in modernem Häuserkampf, Drohnenabwehr und urbaner Kriegsführung. Generalinspekteur Carsten Breuer erklärte, die Bundeswehr müsse „möglichst nahe am Kriegsbild“ trainieren. Die Ukraine hat in diesem Bereich mehr Echtzeiterfahrung als jede andere Armee der Welt.

2026 stellt Deutschland zudem 11,5 Milliarden Euro direkt für die Unterstützung der Ukraine bereit. Deutschland ist damit nach den USA der größte staatliche Ukraineunterstützer weltweit. Das US-Außenministerium hat jüngst ein Rüstungspaket für die Bundeswehr im Wert von rund zehn Milliarden Euro genehmigt, das Kampfpanzer, Radarsysteme und Munition umfasst.

Wer profitiert, wer zahlt

Die Rüstungswende schafft klare wirtschaftliche Gewinner. Rheinmetall, ThyssenKrupp Marine Systems, Hensoldt und andere Rüstungskonzerne verzeichnen volle Auftragsbücher. Bereits beim Sondervermögen von 100 Milliarden Euro floss fast die Hälfte an Rheinmetall. Die Grünen als stärkste Oppositionskraft kritisieren „unbremste Rüstungsausgaben“ und fordern parallele Investitionen in Diplomatie und Entwicklungshilfe. Konkrete Zahlen, wieviel mehr Deutschlands Diplomatieetat parallel wächst, nennt die Koalition nicht.

Bezahlt wird durch Schulden, die künftige Generationen tragen. Bei einem deutschen BIP von aktuell rund 4,2 Billionen Euro entsprechen 3,5 Prozent etwa 147 Milliarden Euro. Bei zwei Prozent Wachstum läge das BIP 2029 bei etwa 4,5 Billionen, der Rüstungsetat dann bei rund 157 Milliarden. Die Spanne zwischen Budgetplan und tatsächlicher Auszahlung hängt also auch von der Konjunkturentwicklung ab.

Der Test kommt früher als erwartet

Im größeren NATO-Kontext ist Deutschland Teil einer europäischen Neuordnung der Verteidigung. Frankreich, Polen und die baltischen Staaten bauen ebenfalls massiv auf. Die EU-Kommission plant eine gemeinsame Verteidigungsstruktur unter dem Dach eines neu geschaffenen Europäischen Verteidigungsinvestitionsprogramms. Das entscheidende Signal von Merz' Zeitplan ist nicht die Zahl, sondern die Geschwindigkeit: 2029 statt 2035 bedeutet, Deutschland will handlungsfähig sein, bevor die nächste geopolitische Eskalation eintritt.

Die Rüstungswende trifft dabei auf eine Lage, die sie sofort auf die Probe stellt. Deutschland hat angeboten, Minenjagdboote und ein Begleitschiff für die geplante Marineschutzmission in der Straße von Hormus zu entsenden. Das wäre der erste Auslandseinsatz der neu aufgestellten Bundeswehr in einem aktiven Konfliktkontext. Merz knüpft das deutsche Engagement an eine US-Beteiligung und ein UN-Mandat, beides ist derzeit nicht in Sicht. Der Aufbau der Armee geht damit deutlich schneller voran als die politische Klärung, wofür sie eingesetzt werden soll. Der Bundestag verabschiedet den Haushalt mit den neuen Zahlen im Mai 2026.

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