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Stammzellen heilen Spina bifida noch im Mutterleib

Stammzellen heilen Spina bifida noch im Mutterleib

Forscher der UC Davis haben erstmals Stammzellen während einer fetalen Operation in den Rückenmarkdefekt bei Spina bifida eingebettet. Die erste klinische Studie belegt die Sicherheit des Eingriffs und zeigt bei allen sechs behandelten Kindern die Rückbildung einer gefürchteten Hirnstammkomplikation.

23. April 2026, 9:34 Uhr 690 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Eine Stammzelltherapie noch vor der Geburt könnte Kindern mit Spina bifida dauerhaft schwere Lähmungen ersparen. Forscher der University of California Davis haben erste klinische Ergebnisse veröffentlicht: Bei sechs Föten verlief der kombinierte Eingriff sicher und bei allen bildete sich eine gefürchtete Hirnstammkomplikation vollständig zurück.

Eine unheilbare Diagnose vor der Geburt

Spina bifida, medizinisch Myelomeningozele, ist einer der häufigsten angeborenen Defekte des Zentralnervensystems. Das Rückenmark schließt sich nicht vollständig, Nervengewebe liegt offen und wird durch den Kontakt mit dem Fruchtwasser über Monate hinweg geschädigt. Die Folgen reichen von Lähmungen beider Beine über Blasen und Darmprobleme bis zu schweren Hirnentwicklungsstörungen; viele betroffene Kinder sind auf Rollstühle angewiesen.

Die bisherige Standardbehandlung ist eine Operation nach der Geburt. Seit einer wegweisenden Studie aus dem Jahr 2011, der sogenannten MOMS-Studie, weiß man, dass eine Reparatur noch im Mutterleib deutlich bessere neurologische Ergebnisse liefert als der postnatale Eingriff: weniger Hydrozephalus, bessere Motorik. Aber selbst bei dieser früheren Reparatur bleibt das Nervengewebe während der gesamten Schwangerschaft dem schädigenden Fruchtwasserkontakt ausgesetzt.

Die Forschungsgruppe um Diana Farmer, Kinderschirurgin und Stammzellforscherin an der UC Davis, wollte einen weiteren Schritt gehen. Ihre Idee: Während der fetalen Operation wird der Rückenmarkdefekt nicht nur genäht, sondern mit einer Schicht menschlicher Stammzellen bedeckt, die aus gespendeten Plazenten gewonnen wird.

Sechs Fälle, keine einzige schwerwiegende Komplikation

Die Ergebnisse der ersten klinischen Phase wurden im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht. Sechs Föten erhielten den kombinierten Eingriff zwischen der 23. und 25. Schwangerschaftswoche. Die Sicherheitsdaten sind eindeutig: kein einziger Fall von Infektion an der Operationsstelle, kein Austritt von Nervenwasser, keine abnormale Gewebewucherung und keine Tumorbildung. Die Stammzellschicht ließ sich bei allen sechs Eingriffen vollständig und lagerichtig platzieren, alle Wunden heilten vollständig ab.

Besonders bemerkenswert ist ein neurologischer Befund: Bei allen sechs Kindern bildete sich die sogenannte Hindbrain-Herniation vollständig zurück. Diese Komplikation, bei der Hirnstamm und Kleinhirnteile durch den Druck in den Wirbelkanal gedrückt werden, gilt als Hauptursache für Wasseransammlungen im Gehirn. Sie macht häufig das Legen eines Shunts notwendig. Tatsächlich brauchte keines der sechs Kinder vor der Klinikentlassung einen solchen Shunt.

Was Phase 1 beweist und was noch offen bleibt

Die Sicherheitsergebnisse sind stark, aber sie beantworten noch nicht die entscheidende Frage: Verbessern die Stammzellen tatsächlich die neurologische Entwicklung der Kinder? Phase 1 klinischer Studien prüft ausschließlich, ob ein Eingriff ohne schwerwiegende Nebenwirkungen durchführbar ist. Ob die behandelten Kinder besser laufen, die Blase besser kontrollieren oder seltener Shunts benötigen als Kinder mit klassischer fetaler Chirurgie, wird erst Phase 2 zeigen.

Für diese zweite Phase, die 29 weitere Patienten umfassen soll, erteilten die US-Arzneimittelbehörde FDA und ein unabhängiges Kontrollgremium ihre Genehmigung. Der Nachbeobachtungszeitraum ist bis zum Alter von zwei Jahren geplant. Die Fetal Health Foundation stellte 15 Millionen Dollar für die Ausweitung der Studie bereit.

Ein Konzept für die pränatale Medizin

Das CuRe-Konzept steht für einen breiteren Ansatz in der Fetalmedizin: nicht mehr nur anatomische Reparatur, sondern gezielte biologische Unterstützung des sich entwickelnden Gewebes. Stammzellen aus der Plazenta haben den Vorteil, dass sie immunologisch toleriert werden, reichlich verfügbar sind und kein ethisches Problem aufwerfen, das embryonale Stammzellen mit sich brächten.

Für die Einordnung der Ergebnisse ist wichtig: Sechs Fälle sind eine sehr kleine Fallzahl. Die Rückbildung der Hindbrain-Herniation zeigt chirurgischen Erfolg, nicht zwingend den spezifischen Effekt der Stammzellen. Genau das soll Phase 2 klären: mit einer Kontrollgruppe, die nur die fetale Chirurgie ohne Stammzellen erhält.

Erste Wirksamkeitsdaten frühestens in zwei Jahren

Wenn die Kinder aus Phase 2 das Alter von zwei Jahren erreichen, werden standardisierte motorische Tests und Entwicklungsbeurteilungen zeigen, ob der Stammzellzusatz tatsächlich etwas bewirkt. Die Forscher planen dann eine Veröffentlichung der primären Wirksamkeitsdaten. Falls sich der Effekt bestätigt, wäre der nächste Schritt eine Phase-3-Studie in mehreren weltweit verteilten Kliniken, die Grundlage für eine behördliche Zulassung bilden würde.

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