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International
Trumps Kabinettskrise: Drei Frauen weg, Vance rückt vor

Trumps Kabinettskrise: Drei Frauen weg, Vance rückt vor

Innerhalb von fünf Wochen hat Trump drei Kabinettsmitglieder verloren, alle drei Frauen. Während seine Zustimmungswerte auf 35 Prozent sinken und Teile der eigenen Partei seine Iran-Kriegsfinanzierung ablehnen, konsolidiert Vizepräsident JD Vance seinen Einfluss als faktischer Außenpolitikchef.

23. April 2026, 10:34 Uhr 758 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Innerhalb von fünf Wochen hat Donald Trump drei Kabinettsmitglieder verloren. Alle drei sind Frauen. Der Rücktritt von Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer am 20. April wegen Betrugsvorwürfen und Missbrauchsvorwürfen ist das sichtbarste Zeichen einer Regierung, die nach innen bröckelt. Während Trumps Zustimmungswerte auf 35 Prozent gesunken sind und erstmals seit 2017 Teile der eigenen Partei eine Kernforderung des Weißen Hauses öffentlich ablehnen, konsolidiert Vizepräsident JD Vance seinen Einfluss als faktischer Außenpolitikchef und führt die Umfragen für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2028 klar an.

Drei Ministerinnen in fünf Wochen

Den Anfang machte Kristi Noem, Ministerin für Homeland Security, die Trump Anfang März entließ. Nach monatelangen Auseinandersetzungen über die Finanzierung ihres Ministeriums hatte Noems Einwanderungspolitik einen öffentlichen Tiefpunkt erreicht, als Bundesbeamte ihrer Behörde zwei Zivilisten in Minneapolis erschossen. Anfang April folgte Justizministerin Pam Bondi. Trump war zunehmend frustriert über ihre Behandlung der Epstein-Akten und darüber, dass sie zu wenig politische Gegner des Präsidenten verfolgt hatte.

Den vorläufigen Abschluss bildete Lori Chavez-DeRemer, die am 20. April ihren Rücktritt einreichte. Ein Whistleblower hatte dem Inspector General des Arbeitsministeriums vorgeworfen, sie unterhalte eine Affäre mit ihrem Sicherheitsbeamten, trinke am Arbeitsplatz und setze Mitarbeiter für persönliche Besorgungen und fingierte Dienstreisen auf Steuerzahlerkosten ein. Als kommissarischer Nachfolger übernimmt Keith Sonderling. Alle drei Ausgeschiedenen sind Frauen: In weniger als zwei Monaten hat Trump sämtliche Frauen aus seinem Kabinett verloren. Das wird in Washington als auffälliges Muster wahrgenommen, das Fragen über Personalauswahl und Führungskultur im Weißen Haus aufwirft.

Zustimmungswerte auf historischem Tief

Die Kabinettsverluste treffen auf einen Präsidenten, dessen Rückhalt in der Bevölkerung auf dem niedrigsten Stand seines zweiten Mandats angekommen ist. 35 Prozent der Erwachsenen billigen Trumps Amtsführung, 61 Prozent lehnen sie ab, wie eine Erhebung von Mitte April zeigt. Sein wirtschaftliches Zustimmungsrating ist im April auf 30 Prozent gesunken, ein Rückgang von 8 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. Eine Umfrage von Reuters und Ipsos ergab, dass 61 Prozent der Befragten finden, Trump sei mit dem Alter unberechenbarer geworden. 30 Prozent der Republikaner teilen diese Einschätzung.

Die innenpolitische Erosion spiegelt sich auch im Kongress. Trumps ursprüngliche Forderung, 200 Milliarden Dollar für den Irankrieg zu bewilligen, stieß auf offenen Widerstand aus den eigenen Reihen. Senator Rand Paul sagte: "Ich bin nicht für den Krieg, also bin ich nicht für mehr Kriegsfinanzierung." Lisa Murkowski (Alaska) verweigerte ihre Zustimmung, bis das Weiße Haus einen Strategieplan vorlegt. John Curtis (Utah) kündigte an, militärische Operationen ohne Kongressgenehmigung nicht über 60 Tage hinaus zu finanzieren. Das Weiße Haus hat die Forderung inzwischen auf 80 bis 100 Milliarden Dollar reduziert. Es ist das erste Mal seit 2017, dass sich organisierter innerparteilicher Widerstand gegen eine zentrale Haushaltsforderung des Weißen Hauses formiert.

Lutnick und der nächste Schatten

Handelsminister Howard Lutnick ist noch im Amt, steht aber unter wachsendem Druck. Gerichtsdokumente und Akten des Justizministeriums belegen, dass er bis 2018 engen Kontakt mit Jeffrey Epstein unterhielt und ihn 2012 auf dessen Privatinsel in der Karibik besuchte. Das ist mehr als vier Jahre nach Epsteins erster Verurteilung wegen Prostitution mit Minderjährigen. Am 6. Mai muss Lutnick vor dem Oversight-Ausschuss des Repräsentantenhauses erscheinen und seine Beziehung zu Epstein erklären. Drei Kongressmitglieder haben seine Entlassung gefordert. Das Weiße Haus stellte sich bisher hinter ihn.

Vance: Der ruhige Gegenpol

Während Trumps Umgebung turbulent bleibt, fällt auf, wie systematisch Vizepräsident JD Vance seinen Einfluss ausbaut. Er leitet die Iranfriedensverhandlungen und gilt im Weißen Haus als faktischer Außenpolitikchef, seit Trumps Aufmerksamkeit zwischen innenpolitischen Krisen wechselt. In CPAC-Umfragen erhält Vance 53 Prozent der Stimmen als bevorzugter GOP-Kandidat für 2028, in breiteren Umfragen liegen seine Werte zwischen 36 und 43 Prozent. Sein Vorsprung vor Außenminister Marco Rubio (17 Prozent) ist erheblich.

Der Kontrast zwischen Trump und Vance ist auch stilistischer Natur. Während Trump öffentlich zwischen Bombardierungsdrohungen gegen Iran und Friedensangeboten schwankt, präsentiert Vance sich als konsistente strategische Kraft. Das beschreibt nicht nur seine Positionierung für 2028, sondern die aktuelle Realität: In einer Regierung, die drei Kabinettsmitglieder verloren hat und deren Präsident historisch niedrige Zustimmungswerte verzeichnet, ist Vance die Figur, um die sich ein zukunftsorientierter Republikanismus organisieren kann.

Was als Nächstes kommt

Am 6. Mai erscheint Lutnick vor dem Oversight-Ausschuss. Wie er auf die Epstein-Fragen antwortet, wird darüber entscheiden, ob der Druck auf das Weiße Haus weiter wächst. Auf außenpolitischer Ebene beginnen am 26. April neue Iranfriedensverhandlungen unter Vances Leitung. Ein Scheitern würde Trump erneut vor die Frage stellen, ob er seine Bombardierungsdrohungen umsetzt oder einlenkt. Die entscheidende innenpolitische Bewährungsprobe sind die Midterm-Wahlen im Herbst 2026. Verliert die GOP ihre knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus, wäre Trumps gesetzgeberische Handlungsfähigkeit für den Rest seiner Amtszeit weitgehend gelähmt.

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