Sonnenfinsternis am 12. August: 89 Prozent Abdunklung
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Sonnenfinsternis am 12. August: 89 Prozent Abdunklung

Am 12. August 2026 verdunkelt sich der Himmel über Deutschland, wenn der Mond bis zu 89 Prozent der Sonne verdeckt. Eine totale Finsternis bleibt auf Spanien und Island beschränkt, doch ESA und NASA nutzen das Ereignis für Experimente, die seit Jahrzehnten offen sind.

Quellen (9)
  1. Sonntagsblatt Sonnenfinsternissonntagsblatt.de
  2. DLR Blog Sonnenfinsternis 2026dlr.de
  3. ESA Sonnenfinsternis 12. Augustesa.int
  4. heise Sonnenfinsternis Europaheise.de
  5. Wikipedia Sonnenfinsternis 2026de.wikipedia.org
  6. t-online ESA NASA Forschungt-online.de
  7. Spektrum der Wissenschaftspektrum.de
  8. Bundesamt für Strahlenschutzbfs.de
  9. VOL.AT Korona-Forschungvol.at
11. August 2026, 0:42 Uhr671 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am 12. August 2026 beginnt gegen 17:30 Uhr in Deutschland ein seltenes Schauspiel: Der Mond schiebt sich vor die Sonne. Um etwa 18:30 Uhr ist die Bedeckung am stärksten, im Südwesten, entlang des Bodensees und um Freiburg, werden bis zu 89 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt sein. In Berlin sind es rund 84 Prozent. Der Himmel wird merklich dunkler, die Luft kühler. Eine totale Sonnenfinsternis ist es trotzdem nicht. Wer das erleben will, muss reisen.

Was am 12. August passiert und wo

Der Kernschatten des Mondes zieht an diesem Dienstag von Grönland und Island über den Nordatlantik nach Nordspanien. In Reykjavík dauert die vollständige Verdunkelung, die sogenannte Totalität, knapp eine Minute. Auf Mallorca sind es rund eine Minute und 36 Sekunden. Auf dem spanischen Festland ist es das erste Mal seit 1905, dass eine totale Sonnenfinsternis zu sehen ist.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz bleibt es bei einer partiellen Finsternis. Allerdings einer bemerkenswert tiefen: 89 Prozent Bedeckung bedeuten, dass nur noch ein schmaler Sichelrest der Sonne zu sehen ist. Die Helligkeit fällt merklich, im Westen rötlich gefärbt durch die tief stehende Sonne. Kroatien und die nördliche Adria, wo viele Sommerurlauber unterwegs sind, liegen in einer ähnlichen Bedeckungszone wie der Süden Deutschlands.

Der zeitliche Ablauf in Deutschland: Erstkontakt des Mondschattens gegen 17:30 Uhr Ortszeit, maximale Bedeckung um etwa 18:30 Uhr, Ende der Finsternis kurz vor Sonnenuntergang. Wer uneingeschränkte Sicht nach Westen hat, erlebt das Spektakel im dramatischsten möglichen Licht.

Ein offenes wissenschaftliches Rätsel

Für die Forschung ist die Finsternis ein seltenes Zeitfenster. Das zentrale Ziel von ESA und NASA: die Sonnenkorona. Normalerweise überstrahlt das Licht der Sonnenscheibe die heiße Gashülle so vollständig, dass sie selbst mit modernen Teleskopen kaum beobachtbar ist. Eine totale Sonnenfinsternis löscht dieses Streulicht für Minuten aus.

Was Wissenschaftler dabei untersuchen, ist eine physikalische Anomalie: Die Oberfläche der Sonne hat eine Temperatur von rund 6.000 Grad Celsius. Die Korona darüber erreicht Temperaturen von mehreren Millionen Grad. Warum ein Gas weiter von der Wärmequelle entfernt heißer ist als nah daran, widerspricht physikalischen Grundsätzen. Dieses Koronaheizungsproblem ist seit Jahrzehnten ungeklärt.

Die NASA schickt für die Beobachtung ein speziell ausgestattetes Flugzeug, das dem Kernschatten mit rund 2.500 Kilometern pro Stunde folgt, um die Beobachtungszeit zu verlängern. Die Kamera an Bord macht 20 hochauflösende Koronabilder pro Sekunde. Gleichzeitig beobachtet der ESA-Satellit Solar Orbiter von einem Winkel aus, der etwa 90 Grad von der Erdperspektive abweicht. In Kombination mit der Erdbeobachtung entstehen stereoskopische, dreidimensionale Bilder von Strukturen in der Korona, eine Methode, die bisher nicht möglich war.

ESA-Projektwissenschaftler Daniel Müller beschreibt den Wert dieser seltenen Gelegenheit: Eine totale Sonnenfinsternis sei einer jener Momente, in denen Millionen Menschen gleichzeitig den Blick nach oben richten und Staunen mit Neugier verbinden. Die wissenschaftliche Hoffnung dahinter ist konkreter: Bessere Koronamodelle könnten die Vorhersage von Sonnenstürmen und Weltraumwetter verbessern und damit den Schutz von Satelliten, Stromnetzen und Kommunikationsinfrastruktur.

Wie man es sicher beobachtet

Wer die Finsternis mit bloßem Auge verfolgen will, braucht zertifizierte Schutzbrille. Die relevante Norm ist ISO 12312-2 in Verbindung mit der CE-Kennzeichnung. Alltagsmaterialien schützen nicht ausreichend: Alufolie, CDs, Notraumdecken oder herkömmliche Sonnenbrillen können schwere Netzhautschäden bis zur Erblindung verursachen, auch dann, wenn sie das Licht scheinbar dämpfen. Zertifizierte Brillen sind in Apotheken und Optikern erhältlich.

Smartphones und Kameras sind ohne entsprechende Filteraufsätze ebenfalls gefährdet. Die NASA warnt ausdrücklich vor dem Risiko eines beschädigten Kamerasensors, der beim direkten Fotografieren ohne Filter entsteht. Wer fotografieren will, benötigt Filterfolie vor dem Objektiv.

Totale Finsternis: Nur für Reisende erreichbar

Wer Totalität erleben will, muss in den nächsten zwei Tagen handeln. Mallorca und die spanische Nordküste liegen im Kern des Schattens. Islands Hauptstadt Reykjavík ebenfalls, wenn auch mit kürzerer Totalphase.

Für alle anderen in Mitteleuropa gilt: 84 bis 89 Prozent Bedeckung sind mehr, als bei einer gewöhnlichen Himmelsbeobachtung zusammenkommt. Der Mond schiebt sich so weit vor die Sonne, dass die Dämmerung merklich früher eintritt als der Kalender erwarten lässt. Wer eine zertifizierte Schutzbrille hat und klaren Himmel, erlebt ein Ereignis, das so in Spanien zuletzt vor über 120 Jahren und in Mitteleuropa so tief in der Abendstunde selten zu sehen ist.

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