Portugals Strom kommt zu 80 Prozent aus Wasser und Wind
Im Januar 2026 stammten 80,7 Prozent des portugiesischen Stroms aus erneuerbaren Quellen. In 210 nicht aufeinanderfolgenden Stunden deckten Wasserkraft, Wind und Solar den gesamten Strombedarf des Landes, ohne eine einzige Stunde auf Erdgas angewiesen zu sein. In Europa liegt Portugal damit auf Platz zwei, hinter Norwegen mit 96,3 Prozent und vor Dänemark mit 78,8 Prozent.
Von 2016 bis 2026: Ein Jahrzehnt Aufbauarbeit
Portugals Energiestrategie beginnt nicht mit dem Januar 2026. Bereits im Februar 2016 erzeugte das Land für vier aufeinanderfolgende Tage seinen gesamten Strom aus erneuerbaren Quellen, ein frühes Signal, was möglich wäre. 2020 lag der erneuerbare Anteil noch bei knapp 60 Prozent, 2024 erreichte Portugal im Jahresdurchschnitt bereits 87 Prozent.
Die Basis liefert die Wasserkraft, die im Januar 2026 mit 36,8 Prozent den größten Einzelbeitrag leistete. Windkraft trug 35,2 Prozent bei, Solar 4,4 Prozent. Der Solarsektor hat dabei die stärkste Wachstumskurve: Seit 2017 hat sich die installierte Solarkapazität nach Angaben von The Portugal News um 440 Prozent erhöht, allein zwischen 2020 und 2023 verdreifachte sie sich.
Das ist auch deshalb relevant, weil Portugal traditionell stark von Energieimporten abhängig war. Das Land verfügt weder über nennenswertes Erdöl noch über eigenes Erdgas und importierte bis in die 2000er Jahre nahezu seine gesamte Primärenergie. Die Erneuerbaren sind in diesem Kontext keine Klimapolitik allein, sondern auch Versorgungssicherheitspolitik.
210 Stunden vollständige Versorgung aus erneuerbaren Quellen
Was in der Statistik als Monatsdurchschnitt erscheint, verbirgt ein bemerkenswerteres Einzeldatum: In 210 nicht aufeinanderfolgenden Stunden im Januar 2026 reichte die erneuerbare Erzeugung aus, um den gesamten Landesbedarf zu decken. Euronews und das Energieanalyseportal Noticias Ambientales beziffern die Kosteneinsparung gegenüber einem vollständig gasgestützten Monat auf rund 703 Millionen Euro.
Diese Zahl zeigt den wirtschaftlichen Kern der Energiewende: Portugal spart nicht trotz erneuerbarer Energie, sondern durch sie. Bei den hohen Erdgaspreisen der vergangenen Jahre ist der Abstand zur Ökostromvariante in Wintermonaten mit gutem Regenfall besonders groß, weil Wasserkraft nahezu ohne Betriebskosten Strom liefert.
Im Vergleich: Was 80 Prozent in Europa bedeuten
Der EU-Durchschnitt beim erneuerbaren Stromanteil lag im Dezember 2024 bei etwa 42 Prozent. Portugal erzeugt also fast doppelt so viel Ökostrom wie der europäische Durchschnitt. Deutschland kam im ersten Quartal 2026 nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme auf rund 53 Prozent, bei einem Mix aus Windkraft (27 Prozent) und Solar (18 Prozent).
Der Abstand erklärt sich vor allem aus der Struktur: Portugals Wasserkraft ist eine speicherbare, bedarfsgerecht abrufbare Energiequelle, die auch dann Strom liefert, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Deutschland hat keine vergleichbare Wasserkraftbasis. Wo Portugal auf Reservoire zurückgreift, setzt Deutschland auf Gasspeicher.
Den weiteren Kontext liefert ein Vergleich außerhalb Europas: Costa Rica erzeugte 2025 nach Angaben des Instituto Costarricense de Electricidad 98,6 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen, nahezu ausschließlich Wasserkraft und Geothermie. Das Land belegt seit über einem Jahrzehnt, dass eine fast vollständige Dekarbonisierung des Stromsektors technisch umsetzbar ist, wenn die Geografie mitspielt. Portugal zeigt, dass sich dem auch mit einem Mix aus Wasser, Wind und Solar annähern lässt.
Das 93-Prozent-Ziel und der Ausstieg aus Erdgas bis 2040
Im nationalen Energie- und Klimaplan PNEC 2030 hat Portugal das Ziel von 93 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 verankert. Für den Endenergieverbrauch insgesamt, also inklusive Wärme und Verkehr, liegt das Ziel bei 51 Prozent. Im Transportsektor sollen 29 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen kommen.
Ambitionierter ist der Fahrplan für Erdgas: Bis 2040 will Portugal die gesamte Stromerzeugung aus Erdgas beenden. Das wäre einer der wenigen verbindlichen nationalen Ausstiegspläne für Erdgas in der EU. Bis zur Klimaneutralität sollen dann noch fünf weitere Jahre bis 2045 vergehen. Der Weg von heute 80 Prozent auf 93 Prozent bis 2030 wird vor allem über weiteren Solarausbau führen, das hat die Preisentwicklung bei Solarmodulen in den letzten Jahren zur ökonomisch naheliegendsten Option gemacht.