
Porsche streicht 9.000 Stellen: Jede dritte Stelle weg
Quellen (9)
- ZDF Wirtschaftzdfheute.de
- Handelsblatthandelsblatt.com
- Handelsblatthandelsblatt.com
- Porsche Newsroomnewsroom.porsche.com
- Wirtschaftswochewiwo.de
- Heise Autosheise.de
- Auto Motor Sport (Leiters-Interview FAZ)auto-motor-und-sport.de
- Onvistaonvista.de
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
Porsche streicht bis 2035 insgesamt rund 9.000 Stellen in Deutschland, das entspricht fast jeder dritten Position am Stammwerk Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum Weissach. Das sogenannte Zukunftspaket, auf das sich Vorstand und Gesamtbetriebsrat am 27. Juli einigten, kombiniert den Stellenabbau mit Investitionen von 2,1 Milliarden Euro und einer verlängerten Standortsicherung bis Ende 2035. CEO Michael Leiters nannte das Paket „schmerzhaft, aber gleichermaßen gerecht".
Wie Porsche in die Krise geriet
Der Konzerngewinn von Porsche brach 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Drei Faktoren treffen gleichzeitig zu: Das Chinageschäft ist eingebrochen, weil chinesische Hersteller hochwertige Elektrofahrzeuge zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten. US-Zölle auf europäische Autos treffen das wichtige Nordamerikageschäft. Und die milliardenschweren Investitionen in Elektromodelle wie den Taycan schlagen im Ergebnis durch, ohne dass die erhoffte Absatzdynamik eingesetzt hätte.
CEO Leiters, der seit Januar 2026 das Unternehmen führt, brachte die Lage in einem FAZ-Interview auf eine knappe Formel: „Porsche kann allein nicht überleben." Für 2025 gab es deshalb keine Prämie, die erste Nullrunde beim Stuttgarter Sportwagenbauer seit fast 30 Jahren. In Spitzenjahren hatte Porsche bis zu 9.690 Euro pro Tarifmitarbeiter ausgeschüttet.
Was das Zukunftspaket konkret enthält
Das gemeinsam vereinbarte Paket enthält mehrere Schichten. Die 9.000 gestrichenen Stellen setzen sich aus früheren Vereinbarungen (rund 4.000 Stellen) und den jetzt angekündigten weiteren 5.000 Positionen zusammen. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen: Die Reduzierung soll über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen.
Porsche verpflichtet sich zu Gesamtinvestitionen von 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach, die Standortsicherung wird um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert. Zur Finanzierung werden Beschäftigte und Management belastet: 3,5 Prozent der kollektiven Tariferhöhungen werden bis 2035 temporär einbehalten, das Weihnachtsgeld wird gekürzt und Mitarbeiterprämien stärker an den Unternehmenserfolg geknüpft. Das Homeoffice-Kontingent sinkt von bisher maximal zwölf auf acht Tage pro Monat.
Dass Vorstand und Betriebsrat das Paket gemeinsam vereinbarten, ist strukturell bedeutsam. Es zeigt, dass die Arbeitnehmerseite die Tiefe der Krise anerkennt und eine ungeordnete Eskalation durch drohende Werksschließungen oder Insolvenzen stärker fürchtet als den kontrollierten Abbau mit Beschäftigungsgarantien.
Was Beschäftigte verlieren und was sie behalten
Für die rund 27.000 Mitarbeitenden von Porsche in Deutschland bedeutet das Paket einen Tauschhandel: Jobsicherheit bis Ende 2035 gegen reale Einkommensverluste. Wer bis 2035 bleibt, hat kein betriebsbedingtes Kündigungsrisiko, zahlt aber über eingefrorene Lohnbestandteile, weniger Weihnachtsgeld und geringere Prämien einen Beitrag zur Sanierung.
Für diejenigen, die freiwillig ausscheiden, stehen Aufhebungsverträge bereit. Die konkreten Konditionen verhandeln Betriebsrat und Management für jede Berufsgruppe separat. Der Druck auf ältere Beschäftigte, von Altersteilzeitprogrammen Gebrauch zu machen, dürfte zunehmen, auch wenn das Unternehmen beteuert, keinerlei Zwang auszuüben.
Unklar bleibt, wie viele der rund 5.000 neuen Stellen bis 2035 realistisch durch freiwillige Abgänge eingespart werden können. Sollte die Fluktuation hinter den internen Planungen zurückbleiben, könnte das den Druck auf das Paket erhöhen, lange bevor 2035 erreicht ist.
Einordnung im VW-Konzern
Porsche nimmt im Volkswagen-Konzern eine besondere Stellung ein: Als Marke mit historisch außergewöhnlichen Margen, die in Spitzenjahren bei über 17 Prozent lagen, hat sie überproportional zur Konzernrendite beigetragen. Der Konzernchef Oliver Blume, der bis Ende 2025 selbst Porsche-CEO war, steht mit dem VW-Gesamtkonzern unter eigenem Spardruck. VW will die Modellpalette bis 2030 halbieren, für vier deutsche Werke ist die Zukunft ungeklärt.
Im Vergleich zu VW hat Porsche den Vorteil einer klarer definierten Marke und eines Premiumsegments mit höheren Margen. Der Nachteil: Genau dieses Premiumsegment ist in China besonders hart umkämpft, weil chinesische Marken gezielt in das obere Preissegment vordringen. Leiters' Aussage im FAZ-Interview, Porsche könne allein nicht überleben, deutet darauf hin, dass er auch die Konzernunterstützung durch VW für unabdingbar hält.
Halbjahreszahlen entscheiden über den nächsten Schritt
Porsche wird in den kommenden Wochen die Halbjahreszahlen für 2026 vorlegen. Sie werden zeigen, ob das Chinageschäft weiter schrumpft oder sich stabilisiert und ob die US-Zölle die erwarteten Folgen auf das Nordamerikageschäft entfalten. Leiters hat für 2026 eine Konzernumsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent angepeilt, deutlich unterhalb historischer Porsche-Niveaus, aber ausreichend für ein profitables Unternehmen.
Das Zukunftspaket schafft die Rahmenbedingungen für neun Jahre. Ob das reicht, entscheidet sich nicht in Stuttgart, sondern in Peking, Washington und in den Entwicklungslabors, wo die nächste Elektrofahrzeuggeneration entsteht. Für die 28.000 Mitarbeitenden in Deutschland ist das Paket zunächst das, was es dem Namen nach ist: ein Versprechen auf die Zukunft, mit einem erheblichen Preis im Hier und Jetzt.
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