
Pilzböden: Laut Groundwork BioAg erste US-Zertifikate nach VM0042
Quellen (14)
- Groundwork BioAg Issues First Verified Carbon Credits Under Rootella Carbon® Programprnewswire.com
- Verra Releases Revised IALM Methodology (VM0042) | Verraverra.org
- Rootella Carbon Value Proposition - Groundwork BioAggroundworkbioag.com
- Tang et al. (2026), New Phytologist: 'Host-mediated interactions between arbuscular mycorrhizal fungi and saprotrophs drive soil organic carbon dynamics'doi.org
- Australian farmers are betting on fungi to battle climate change - The Japan Timesjapantimes.co.jp
- Australian farming family cracks carbon market with world-first fungal technology – Loam Bio USAloambio.com
- Harnessing Fungi for Carbon Capture | OilPrice.comoilprice.com
- Chapter 6aphis.usda.gov
- Turn climate ambition into measurable, permanent carbon impact | Loam Bio USAloambio.com
- CEFC increases investment in Loam Bio through A$105 million Series B round - Clean Energy Finance Corporationcefc.com.au
- Positive Environmental News and Breakthroughs in 2026wearenotforsale.org
- How This Tech Uses Fungi To Help Farmers Tackle Climate Changegreenqueen.com.hk
- CarbonBuilder™ Inoculum: Build Soil Carbon & Boost Yieldsloambio.com
- Soil Carbon Climate Research & Impact | Loam Bio USAloambio.com
Groundwork BioAg teilte am 25. Juni 2026 mit, im Rahmen seines Kohlenstoffentnahmeprogramms Rootella Carbon 19.568 Verified Carbon Units netto ausgegeben zu haben, unabhängig geprüft von der Prüfstelle SCS Global nach dem Verified Carbon Standard von Verra. Laut Groundwork BioAg handelt es sich dabei um die erste Ausgabe nach der Verra-Methodik VM0042 in den USA. Die am Programm beteiligte Anbaufläche war laut Unternehmen von rund 9.000 acres (3,6 kha) im Jahr 2023 auf über 700.000 acres (280 kha) im US-Mittleren Westen und den kanadischen Prärien gewachsen.
Wie die Pilzbehandlung Kohlenstoff binden soll
Rootella Carbon liefert nach Angaben von Groundwork BioAg ausschließlich Entnahmezertifikate, also Gutschriften für tatsächlich aus der Atmosphäre entferntes CO2 und keine Vermeidungszertifikate für eingesparte Emissionen. Grundlage sind laut Unternehmen Mykorrhizapilze, die nach eigener Darstellung die Bildung mineralassoziierter organischer Substanz fördern, eines Kohlenstoffpools, der dem Unternehmen zufolge über Jahrhunderte bis Jahrtausende stabil bleiben soll, unabhängig von der Bewirtschaftungsmethode. Die Gemeinschaft der eingeschriebenen Landwirte erhält laut Groundwork BioAg bis zu 70 Prozent der Nettoerlöse aus dem Verkauf der Zertifikate.

Was die Prüfung nach VM0042 bedeutet
Der Standardgeber Verra hatte im September 2024 eine überarbeitete Version seiner Methodik VM0042 für verbessertes landwirtschaftliches Flächenmanagement veröffentlicht, die es neuen Projekten erlaubt, zwischen Zertifikaten aus Emissionsminderung und solchen aus Kohlendioxidentnahme zu unterscheiden. Verra-Chefin Mandy Rambharos erklärte, die Methodik solle eine strenge, wissenschaftsbasierte Bilanzierung landwirtschaftlicher Flächenbewirtschaftung ermöglichen; die erste Ausgabe für das inzwischen über 700.000 acres umfassende Programm zeige, dass sie vor Ort wie vorgesehen funktioniere. Für die Kohorte 2023 nennt Groundwork BioAg einen verifizierten durchschnittlichen Nettoeffekt von 2,23 Tonnen CO2-Äquivalent je acre, gemessen auf 8.791 behandelten und anrechenbaren acres im Mittleren Westen und mittleren Süden der USA. Validierung und Verifizierung lagen laut Unternehmen bei SCS Global Services, einer von Verra zertifizierten unabhängigen Prüfstelle.
Woran Wissenschaftler zweifeln
Eine im April 2026 in der Fachzeitschrift New Phytologist veröffentlichte Studie von Tang und Kollegen testete mit einer sogenannten Einwuchskern-Methode verschiedene Gräser in Monokultur, darunter Leymus chinensis und Stipa grandis: Die Anwesenheit arbuskulärer Mykorrhizapilzhyphen veränderte dabei den gesamten Vorrat an organischem Bodenkohlenstoff nicht, auch wenn sich die Anteile von leicht abbaubarem und beständigem Kohlenstoff signifikant unterschieden. Die Autoren folgerten, dass der Effekt der Pilzhyphen von der jeweiligen Wirtspflanze abhängt und Veränderungen der Pflanzengemeinschaft die Kohlenstoffdynamik in Grasländern deshalb stark beeinflussen könnten. Der Stanford-Klimawissenschaftler Rob Jackson äußerte bereits 2024 gegenüber der Zeitung Zweifel, ob der in Feldversuchen versprochene Effekt von Loams Pilzzusätzen auf bewirtschafteten Höfen statistisch nachweisbar sein könne. Der CSIRO-Bodenbiologe Alan Richardson hielt im selben Bericht über Loam Bio das Grundprinzip für plausibel, nannte eine jährliche Anwendung über viele Jahre jedoch als Voraussetzung und erklärte, ob sich das Prinzip tatsächlich in die Praxis übertragen lasse, sei unbekannt. Laut The Japan Times vom 12. August 2024 hatten Kritiker zudem bemängelt, dass frühere Bodenkohlenstoffgutschriften teils für saisonale Wetterschwankungen statt für substanzielle Veränderungen vergeben worden seien: In ungewöhnlich nassen Jahren habe sich Kohlenstoff angesammelt, der in trockenen Jahren wieder verschwunden sei.

Im Vergleich
Auch in Australien wird das Prinzip bereits kommerziell genutzt: Laut einer Mitteilung von Loam Bio erzeugte das Nicholson Carbon Project im zentralen New South Wales 4.867 Australian Carbon Credit Units auf 2.177 acres, wobei jede Gutschrift für eine metrische Tonne aus der Atmosphäre entfernten und im Boden gespeicherten CO2-Äquivalents steht. Die Familie Nicholson hatte laut Loam Bio bereits mehr als ein Jahrzehnt lang reduzierte Bodenbearbeitung, vielfältigere Fruchtfolgen und verbessertes Management von Ernterückständen praktiziert, bevor sie die Pilzbehandlung CarbonBuilder 2024 in ihren Betrieb integrierte. Zum Größenverhältnis: Der gesamte globale Markt für Kohlendioxidentnahme lieferte nach Angaben von Groundwork-BioAg-Chef Alon Werber im Jahr zuvor insgesamt 2 Megatonnen CO2-Äquivalent. Werber kündigte zugleich an, allein mit Rootella Carbon in den kommenden zwei Jahren die Hälfte dieser vorjährigen globalen Liefermenge erreichen zu wollen. Eine noch größere Größenordnung nennt der Weltklimarat laut einem Bericht von OilPrice.com vom 17. August 2024: Böden könnten demnach jährlich über 5 Gigatonnen Kohlendioxid aufnehmen, umgerechnet ein Siebtel der von Menschen verursachten CO2-Emissionen.
Auf Projektebene ist die Dauerhaftigkeit laut Groundwork BioAg in der Verra-Methodik verankert, einschließlich eines Pufferpools von 21 Prozent. Die Anwendung des Pilzpräparats ist dabei laut Unternehmen die einzige gemessene Änderung der Bewirtschaftung; die meisten teilnehmenden Betriebe nutzen zugleich reduzierte Bodenbearbeitung, wodurch sich die Mykorrhiza über mehrere Anbauperioden hinweg regenerieren kann. Die Ausgabe der ersten US-Zertifikate nach VM0042 ist nach eigener Einschätzung von Groundwork BioAg der Übergang von der Projektentwicklung zur aktiven Lieferung im freiwilligen Kohlenstoffmarkt.
Kommentare