Organhandel: Frau aus Franken verurteilt
Investigativ

Organhandel: Frau aus Franken verurteilt

Das Amtsgericht Weißenburg hat eine Frau aus Gunzenhausen wegen Organhandels zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie sich Anfang 2025 in Kenia eine Niere transplantieren ließ. Vermittelt hatte das nach Angaben der Frau eine Firma mit Sitz in Polen. Die Verteidigung hat inzwischen Berufung eingelegt.

Quellen (13)
  1. Niere aus Afrika: Frau aus Franken wegen Organhandels verurteilt | BR24br.de
  2. Organhandels-Prozess: Anwalt der verurteilten Gunzenhäuserin hat über Berufung entschiedennn.de
  3. Dubiose Firma vermittelt Nieren-Transplantationen in Keniazdfheute.de
  4. השתלת כליה בחו"ל ✅ מעל 20 שנות ליווי וניסיון בתחום | Medleadmedlead.co.il
  5. Mediheal denies organ trafficking claims following expose - The Standardstandardmedia.co.ke
  6. MINISTRY OF HEALTH OFFICE OF THE CABINET SECRETARY PRESS RELEASEhealth.go.ke
  7. Duale Addresses Senate on Organ Transplant Oversight and Blood Safety Claims | Ministry of Healthhealth.go.ke
  8. IMMC.COM%282026%29557%20final.ENG.xhtml.1_EN_ACT_part1_v5.docxpublications.europa.eu
  9. Tätigkeitsbericht 2024/2025 von Überwachungskommission und Prüfungskommissionbundesaerztekammer.de
  10. Die Schweiz engagiert sich gegen den Organhandelbag.admin.ch
  11. Ramaekers, Staring, Hesselink und Ambagtsheer: Kidney sales by migrants: experiences, knowledge, and responses of medical professionals across the euro-mediterranean borderdoi.org
  12. § 5 StGB - Einzelnormgesetze-im-internet.de
  13. Ein Service des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des Bundesamts für Justiz ‒ www.gesetze-im-internet.de Gesetz über die Spende, Entngesetze-im-internet.de
4. November 2026, 6:41 Uhr1079 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Die 59-Jährige wurde Ende Juni zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt.

Eine Vermittlungsfirma mit Sitz in Polen

Wie sie zu der Operation kam, zeigt eine monatelange Recherche von Frontal, Spiegel und Deutscher Welle, die auch in die kenianische Provinzhauptstadt Eldoret führte, wo in den vergangenen Jahren deutsche Kunden der Firma Medlead operiert wurden, darunter Fischer-Kugler. Medlead warb auf seiner Webseite offen damit, die Wartezeit auf eine Transplantation im Ausland von vielen Jahren auf wenige Wochen zu verkürzen und das im Einklang mit dem Organspende-Gesetz. Nach Medleads eigener Darstellung aus dem Jahr 2020 wandten sich die mit dem Unternehmen kooperierenden Transplantationszentren an Dutzende bis Hunderte Vereine, die nach altruistischen Organspendern suchten. Fischer-Kugler zahlte nach eigenen Angaben rund 150.000 Euro an die Firma mit Hauptsitz in Polen; im Preis enthalten waren Hotelaufenthalte, medizinische Voruntersuchungen, die Transplantation und die Nachsorge. Im Vertrag mit ihr heißt es, Medlead stelle auf Bitten des Kunden lediglich private Krankenhäuser zur Verfügung, die mit altruistischen Spendern in Kontakt stünden; das Unternehmen habe keine Beziehung zu den Spendern. CEO von Medlead war laut einem Bericht vom April 2025 der israelische Staatsbürger Robert Shpolanski. An der im Handelsregister angegebenen Firmenadresse in Warschau stellten die Reporter fest, dass das frühere Bürohochhaus bereits 2023 abgerissen worden war; an einer weiteren Adresse aus dem Vertrag fanden sie eine Pizzeria, von einem Büro habe dort niemand etwas gehört. Medlead erklärte dazu, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Webseite ein virtuelles Büro genutzt zu haben. Shpolanski wies den Vorwurf des Organhandels zurück: Medlead sei keine medizinische Einrichtung, sondern biete nur administrative und logistische Dienstleistungen an, alles laufe nach Recht und Gesetz. Über einen Informanten im Krankenhaus erhielten die Reporter die Operationsliste: Der Spender für Fischer-Kugler war demnach kein Verwandter, sondern ein junger Mann aus Aserbaidschan.

Das Krankenhaus in Eldoret

Lokaler Geschäftspartner von Medlead ist offenbar das Mediheal-Krankenhaus in Eldoret; auf der dortigen Dialysestation trafen die Reporter einen russischen und einen israelischen Patienten, die auf ihre Transplantation warteten. Der israelische Patient sagte, er kenne den Spender nicht, bezahle ihn aber; offiziell habe er erklärt, der Spender sei sein Cousin und zur gleichen Zeit mit ihm nach Ostafrika gekommen. Fragen zu einer möglicherweise vorgetäuschten Verwandtschaft und zu Geldzahlungen beantwortete die Klinik nicht. Am Rand der Kleinstadt Oyugis berichtete Kevin Otieno Werie, er habe im Dezember zuvor eine Niere an einen somalischen Patienten verkauft; vor der Operation hätten Krankenhausmitarbeiter ihn Personaldokumente unterzeichnen lassen. Beim Verlassen des Krankenhauses in Eldoret habe er die versprochenen 2.000 Euro erhalten, zu Hause habe ihm eine Bande Jugendlicher 800 Euro abgenommen.

Untersuchungen zum Organhandelsverdacht

Anlass einer Untersuchung des kenianischen Gesundheitsministeriums war ein Schreiben der Transplantation Society vom 20. Juli 2023, das vor einer steigenden Zahl israelischer Patienten, die in Kenia Nierentransplantationen erhielten, warnte und den Verdacht auf ein organisiertes Syndikat äußerte, das bestehende Vorschriften umgehe. Die Gesellschaft verwies laut Ministerium zudem auf israelische Quellen, wonach mehrere Transplantationen mit gehandelten ausländischen Nierenspendern speziell am Mediheal Hospital in Eldoret stattgefunden hätten. Ein Untersuchungsteam reiste vom 5. bis 8. Dezember 2023 nach Eldoret, um die Vorwürfe zu prüfen, die Transplantationsdienste zu auditieren und Empfehlungen vorzulegen. Der Bericht blieb zunächst unveröffentlicht, lag aber den Reportern von Frontal, Spiegel und Deutscher Welle vor; er hielt fest, es gebe verdächtige Aktivitäten, die auf Organhandel hinweisen, aber keine ausreichenden Beweise. Festgestellt wurden darin zudem Hochrisikotransplantationen bei alten und krebskranken Patienten, nicht übersetzte Dokumente, die Spender und Empfänger unterschreiben mussten, fehlende Todesfallstatistiken und Langzeitnachsorge sowie Zahlungen in bar.

Am 7. Mai 2026 erschien Gesundheitsminister Aden Duale vor dem Gesundheitsausschuss des kenianischen Senats, um zu Bedenken bei Organtransplantationsdiensten sowie zu aus Sicht des Ministeriums irreführenden Berichten über einen angeblichen Export von Blutprodukten aus Kenia Stellung zu nehmen. In der von Senator Jackson Mandago geleiteten Sitzung wurden auch Ergebnisse und Empfehlungen aus Untersuchungen zu Vorwürfen illegalen Organhandels besprochen. Duale skizzierte laufende Reformen: die geplante Einrichtung einer National Organ Transplant Authority, eine umfassende Transplantationsgesetzgebung und verstärkte Aufsichtsmechanismen. Mediheal wies nach einem investigativen Bericht des Senders Deutsche Welle, der die Klinik in Eldoret ins Zentrum verdächtiger Nierentransplantationsverfahren rückte, jede Beteiligung an einem weltweiten Organhandelsring zurück.

Was die Aufdeckung erschwert

Als Gründe für Schwierigkeiten bei der Aufdeckung nennt die Kommission geringe Melderaten, die ärztliche Schweigepflicht und Schwierigkeiten, den Missbrauch einer schutzbedürftigen Lage nachzuweisen. In Deutschland kontrollieren Überwachungs- und Prüfungskommission vor allem die Gewinnung postmortaler Spenderorgane und die reguläre Vermittlung durch die Stiftung Eurotransplant. Seit Einführung der Meldepflicht für die ärztliche Nachbetreuung nach Auslandstransplantationen in der Schweiz gingen beim Schweizer Bundesamt für Gesundheit 18 Meldungen über im Ausland transplantierte Nieren ein, die Eingriffe fanden unter anderem in Ägypten, Indien, Kenia und der Türkei statt; bei acht der 16 gemeldeten Lebendspenden war die Beziehung zwischen Spender und Empfänger unbekannt oder bestand keine. Vier der gemeldeten Patienten mussten nach ihrer Rückkehr wegen einer Komplikation ins Krankenhaus. Laut dem Bundesamt für Gesundheit ist nicht jede Auslandstransplantation rechtswidrig: Wird jemand aus der Schweiz ins Heimatland überwiesen, um dort regulär ein Organ eines Verwandten zu erhalten, ist das beispielsweise legal. Eine Studie mit 45 Transplantations- und Migrationsfachkräften aus den Niederlanden, Bulgarien, der Türkei, Italien und Griechenland kam 2026 zu dem Schluss, dass Nierenverkäufe durch Migranten in der medizinischen Praxis weitgehend verborgen bleiben, weil sie unzureichend erkannt und selten offengelegt werden. Von den 28 befragten Transplantationsfachkräften berichteten zwei von direkten Begegnungen mit solchen Fällen und zwar aus ehrenamtlicher Arbeit in der Migrationsversorgung, nicht aus ihrer Tätigkeit in Transplantationseinrichtungen.

Warum deutsche Gerichte zuständig sind

Das deutsche Strafrecht gilt unabhängig vom Recht des Tatorts auch für Organ- und Gewebehandel nach Paragraf 18 des Transplantationsgesetzes, wenn der Täter zur Zeit der Tat Deutscher ist. Das Transplantationsgesetz selbst regelt die Spende und Entnahme menschlicher Organe sowie das Verbot des Handels mit menschlichen Organen; erlaubt sind nur Spenden etwa von Verwandten oder Verstorbenen. Wer ein Organ verkauft oder sich ein gekauftes Organ einsetzen lässt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft. In ihrem letzten Wort kritisierte Fischer-Kugler die deutsche Gesetzgebung: Weil Spenderorgane nur zur Verfügung stünden, wenn sich Spender zu Lebzeiten aktiv dazu bereit erklärten, gebe es zu wenig Organe. Tatsächlich wurden 2023 in Deutschland 2.122 Nieren transplantiert, während 2.617 Patienten neu auf die Warteliste kamen und insgesamt mehr als 10.000 Menschen auf eine Spenderniere warteten. Der Amtsrichter glaubte Fischer-Kuglers Behauptung nicht, sie sei von einer legalen Transplantation ausgegangen: Sie habe kritische Medienberichte über die Vermittlungsfirma nachweislich gekannt und sich trotzdem auf das Vorgehen eingelassen; mehrere Medien hatten zuvor über den organisierten Organhandel berichtet.

Berufung eingelegt

Laut dem kenianischen Gesundheitsministerium befand sich die umfassende Transplantationsgesetzgebung am 7. Mai 2026 in Entwicklung.

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