mRNA-Impfstoff halbiert das Rückfallrisiko beim Melanom
Fünf Jahre nach der Impfung ist der Körper noch immer geschützt: Neue Langzeitdaten zeigen, dass Melanompatienten, die mit dem personalisierten mRNA-Impfstoff Intismeran Autogene behandelt wurden, ein um 49 Prozent geringeres Rückfallrisiko haben als die Vergleichsgruppe. Es ist das erste Mal, dass eine individuell zugeschnittene mRNA-Krebsvakzine diesen Schutz über einen so langen Zeitraum belegt. Damit rückt ein völlig neues Behandlungsprinzip für eine der tödlichsten Krebsarten der Welt in greifbare Nähe.
Was der Impfstoff leistet
Schwarzer Hautkrebs, medizinisch Melanom, ist für rund neun von zehn Hautkrebstodesfällen verantwortlich. Im Stadium III oder IV, also wenn der Tumor bereits in Lymphknoten oder andere Organe gestreut hat, liegt die Fünfjahres-Überlebensrate selbst mit der besten verfügbaren Immuntherapie bei unter 50 Prozent. Genau für diese Hochrisikogruppe nach operativer Entfernung des Tumors ist der neue Impfstoff entwickelt worden.
Intismeran Autogene, früher unter dem Kürzel mRNA-4157 bekannt, ist kein herkömmlicher Impfstoff: Er wird für jeden Patienten individuell hergestellt. Aus dem entnommenen Tumormaterial sequenzieren Wissenschaftler die DNA-Mutationen des Krebses und kodieren bis zu 34 davon in einer synthetischen mRNA-Sequenz. Diese mRNA bringt das Immunsystem dazu, genau jene Proteine zu erkennen, die den Krebs des jeweiligen Patienten ausmachen. Verabreicht wird die Vakzine zusammen mit Pembrolizumab, dem Immuntherapeutikum unter dem Handelsnamen KEYTRUDA, das bei Melanom bereits als Standardbehandlung gilt.
Was die Daten zeigen
Die Langzeitdaten stammen aus der Studie KEYNOTE-942 der Phase 2b, die Moderna und Merck gemeinsam durchgeführt haben. Von 107 Teilnehmern erhielt ein Teil die Kombination aus Intismeran Autogene und Pembrolizumab, der andere Teil nur Pembrolizumab. Nach fünf Jahren hatten Patienten in der Kombinationsgruppe ein um 49 Prozent geringeres Risiko, dass der Krebs zurückkehrte oder sie starben (Hazard Ratio 0,51). Bei Patienten mit den riskantesten Stadien IIIB bis IV fiel der Unterschied sogar noch deutlicher aus.
„Diese Daten bestätigen die Dauerhaftigkeit des Signals“, sagte Eliav Barr, Entwicklungschef für Impfstoffe bei Merck, nach der Präsentation der Ergebnisse. Für eine abschließende Wirksamkeitsbewertung ist die Studie zu klein, weshalb nun die Folgestudie INTerpath-001 läuft, in der die Daten auf breiter Basis bestätigt werden sollen.
Der Durchbruch im Kontext
Intismeran Autogene ist Teil eines grundlegenden Paradigmenwechsels in der Krebsbehandlung. Anders als klassische Chemotherapien, die alle schnell wachsenden Zellen angreifen, zielt dieser Ansatz auf die spezifischen Schwachstellen des individuellen Tumors. Das Prinzip ist nicht neu, aber die mRNA-Technologie hat die Herstellung solcher individualisierten Vakzine erstmals praktikabel gemacht: Die Produktionszeit liegt mittlerweile bei rund sechs Wochen pro Patient.
Nicht zu verwechseln ist Intismeran Autogene mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech und Genentech, der seit 2023 bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erprobt wird. Beide nutzen das gleiche mRNA-Grundprinzip, stammen aber von verschiedenen Unternehmen und richten sich gegen unterschiedliche Krebsarten. Moderna und Merck testen Intismeran Autogene inzwischen auch bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in Phase 3 sowie bei Blasenkrebs und Nierenzellkarzinom in Phase 2. Die Idee des personalisierten mRNA-Impfstoffs taugt damit möglicherweise als Plattform gegen viele Krebsarten.
Was als Nächstes kommt
Die Studie INTerpath-001 (Phase 3) hat rund 1.089 Patienten mit Melanom der Stadien IIB bis IV eingeschlossen und ist laut ClinicalTrials.gov voll rekrutiert. Primäre Daten werden 2029 erwartet. Parallel dazu haben Moderna und Merck angekündigt, auf Grundlage der bisherigen Daten aus Phase 2b eine beschleunigte Zulassung anzustreben. Als Zieldatum für die Markteinführung nennen die Unternehmen das zweite Quartal 2027.
Für Betroffene bedeutet das: Wenn die Zulassungsbehörden FDA und EMA die bisherige Evidenz als ausreichend anerkennen, könnte ein personalisierter mRNA-Impfstoff gegen Melanom bereits in weniger als zwei Jahren routinemäßig verfügbar sein. Die entscheidende Frage, die INTerpath-001 beantworten muss, lautet dann nicht mehr, ob das Prinzip funktioniert, sondern für wen es am meisten nützt.