Iran bietet Hormus-Öffnung: Trump skeptisch
Der Iran hat den USA über pakistanische Vermittler ein neues Angebot unterbreitet: Teheran ist bereit, die Straße von Hormus zu öffnen und den Krieg formal zu beenden, wenn Washington die Seeblockade iranischer Häfen aufhebt. Irans Atomwaffenprogramm soll ausgeklammert werden, die Nuklearfrage käme in separate, spätere Verhandlungen. Für Trump, der einen Deal erst als „100% complete” akzeptiert, ist das bisher zu wenig. Doch am 1. Mai läuft die War Powers Resolution ab und der US-Kongress ist bereit, die Grenze durchzusetzen.
Das Angebot: Entkoppelung von Hormus und Atomfrage
Das Angebot, das Pakistan vergangenes Wochenende an die USA übermittelt hat, ist strategisch durchdacht. Teheran bietet an, die Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr zu öffnen und einem formellen Kriegsende zuzustimmen, sofern Washington die Seeblockade iranischer Häfen aufhebt. Die Urananreicherung, bisher der zentrale Streitpunkt aller Verhandlungen, wäre ausgeklammert und in eine spätere Verhandlungsrunde verschoben.
Das ist ein grundlegender Kurswechsel in Teherans Verhandlungslogik. In allen bisherigen Runden hatten die USA darauf bestanden, Atomfrage und Hormus gemeinsam zu verhandeln. Irans rote Linie war stets das Recht auf Urananreicherung. Indem Teheran nun Hormus vom Atomstreit trennt, umgeht es die härteste Auseinandersetzung und schafft dennoch einen kurzfristigen Durchbruch. Durch die Meerenge fließen in Friedenszeiten rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels. Brent-Rohöl notiert derzeit bei 106 bis 108 Dollar pro Barrel, mehr als 45 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar 2026.
Trumps Skepsis und die War Powers-Frist
Trump bezeichnete das iranische Angebot nach einem Gespräch mit Außenminister Marco Rubio als unzureichend. Der Präsident hat wiederholt erklärt, die Seeblockade erst aufzuheben, wenn ein Deal „100% COMPLETE” sei. Ein Abkommen, das die Atomfrage ausklammert, erfüllt diese Bedingung nach seiner Logik nicht.
Der Zeitdruck wächst jedoch von einer anderen Seite. Am 1. Mai erreicht der Konflikt den 60. Tag seit Kriegsbeginn, womit die War Powers Resolution greift. Das Gesetz verpflichtet den Präsidenten, die Zustimmung des Kongresses einzuholen, wenn Militäroperationen länger als 60 Tage dauern. Senate-Demokratenführer Chuck Schumer kündigte an, am 1. Mai eine sechste Abstimmung über eine War Powers Resolution zu erzwingen, die Trump befehlen würde, die Operationen gegen Iran einzustellen. Trump erklärte dazu, er sei „nicht in Eile”, eine Frist zu setzen, eine Formulierung, die als Signal gewertet wird, dass er keine Kongressgenehmigung beantragen will.
Sollte der Kongress die Operationen per Resolution beenden, käme Teheran in den Genuss des größten amerikanischen Zugeständnisses, ohne ein einziges eigenes gemacht zu haben.
Merz: „Die USA werden gedemütigt”
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich in ungewöhnlich scharfer Form über einen verbündeten Staat. Bei einer Diskussion mit Schülerinnen und Schülern im sauerländischen Marsberg sagte Merz, die USA seien „ganz offensichtlich ohne jegliche Strategie in diesen Krieg gegangen”. In einer CDU/CSU-Fraktionssitzung sagte er, er sei inzwischen „desillusioniert”: Iran demütige die USA, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht”. Deutschland und Europa seien vor den Angriffen auf den Iran nicht einbezogen worden, er habe Trump seine Skepsis zweimal persönlich mitgeteilt.
Merz zog einen Vergleich zu früheren westlichen Militäreinsätzen: „Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Man muss nicht nur rein, man muss auch wieder raus. Wir haben das sehr schmerzhaft in Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben es im Irak gesehen.” Bundesaußenminister Johann Wadephul, der derzeit in New York an der NVV-Überprüfungskonferenz teilnimmt, forderte mehr Engagement der Vereinten Nationen für eine diplomatische Lösung.
Was für Ölversorgung und Wirtschaft auf dem Spiel steht
Irans Angebot würde, wenn Trump es annähme, den Ölpreis unmittelbar senken. Brent notiert aktuell bei 106 bis 108 Dollar und liegt damit weit über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Für Deutschland hat die andauernde Blockade konkrete Folgen: Eine DIHK-Umfrage unter 2.400 deutschen Betrieben zeigte, dass 87 Prozent der Industrieunternehmen direkte Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten melden. Das ifo-Institut hat die Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent gesenkt.
Die Trennung von Hormus und Atomprogramm birgt für Trump politische Risiken. Israel, das die ursprünglichen Angriffe gemeinsam mit den USA durchgeführt hatte, besteht auf einem umfassenden Abkommen, das Irans Nuklearkapazitäten dauerhaft begrenzt. Ein Deal, der nur Hormus öffnet, würde Teheran Zeit geben, sein Atomprogramm fortzusetzen, ohne dass Inspektoren Zugang erhalten.
Was am 1. Mai entscheidet
Drei Szenarien stehen nach dem 1. Mai zur Wahl: Trump akzeptiert Irans Teilangebot und hebt die Seeblockade auf, um den Ölpreis zu senken und eine War Powers-Niederlage zu vermeiden. Oder er lehnt ab, beantragt die Kongressgenehmigung für die Fortführung der Operationen und riskiert eine parlamentarische Niederlage. Oder er ignoriert die Frist, was einen Verfassungsstreit auslösen würde, der die Kriegsführung juristisch blockieren könnte.
Für Teheran wären alle drei Varianten günstiger als die bisherige Lage. Irans Angebot ist daher weniger ein Kompromissvorschlag als ein taktischer Schritt: Es zeigt Verhandlungsbereitschaft gegenüber der Weltöffentlichkeit, zieht keine roten Linien beim Atomprogramm zurück und setzt darauf, dass der amerikanische Verfassungsstreit mehr Druck erzeugt als alle diplomatischen Kanäle zusammen.