König Charles in Washington: Heikle Mission
König Charles III. ist am Montag mit Königin Camilla in Washington eingetroffen, für den ersten Staatsbesuch eines britischen Monarchen in den USA seit 2007. Die Kulisse ist ungewöhnlich belastet: London verweigerte Washington den Zugang zu britischen Militärbasen für den Irankrieg, Trump droht mit Strafzöllen wegen einer britischen Abgabe auf US-Techkonzerne und der König selbst steht für ein jahrzehntelanges Klimaengagement, das dem energiepolitischen Kurs seines Gastgebers grundsätzlich widerspricht. Dennoch nannte Trump seinen Gast im Oval Office "einen großartigen Mann".
Ein Besuch mit symbolischem Rahmen
Die vier Tage in den USA vom 27. bis 30. April sind offiziell dem 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit gewidmet. Am 28. April wird Charles vor dem gemeinsamen Kongress sprechen, als erster britischer Monarch seit Königin Elizabeth II. im Jahr 1991. Für die Rede sind 30 Minuten eingeplant; seine Mutter hatte damals 12 Minuten gesprochen. Das Programm folgt einem bewussten historischen Bogen: Großbritannien als ehemaliges Mutterland, das der früheren Kolonie zum 250-jährigen Bestehen gratuliert.
Neben Washington stehen Stationen in Virginia und New York auf dem Programm. Virginia steht für die frühe britische Besiedlung Nordamerikas, New York für das Mahnmal des 11. September. Das Weiße Haus hat den Besuch als Feier der "besonderen Beziehung" zwischen beiden Ländern inszeniert.
Die Spannungen im Detail
Die "besondere Beziehung" steckt in einer tiefgreifenden Krise. Erstens: Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer verweigerte den USA den Zugang zu britischen Militärstützpunkten für den Irankrieg und verfolgte eine rein defensive Haltung. Trump erklärte öffentlich, diese Entscheidung habe amerikanischen Streitkräften entscheidende Zeit gekostet. London begründete seine Position mit dem Wunsch, keine direkte Kriegspartei zu werden.
Zweitens: Großbritannien erhebt eine Digitalabgabe von zwei Prozent auf die britischen Umsätze amerikanischer Techkonzerne wie Google, Meta und Apple. Die Steuer bringt dem britischen Fiskus rund 500 Millionen Pfund jährlich. Trump hat mit einem "großen Zoll" auf britische Waren gedroht, sollte London die Abgabe nicht abschaffen. Das britische Finanzministerium bezeichnet die Steuer als legitim und international üblich; Washington sieht darin eine gezielte Diskriminierung amerikanischer Unternehmen.
Drittens steht Charles persönlich in einer philosophischen Spannung zu seinem Gastgeber. Der König ist seit Jahrzehnten für sein Klimaengagement bekannt und hatte das Thema noch als Prinz von Wales auf die internationale politische Agenda gesetzt. Trump hat die Ausweitung der Öl- und Gasförderung zum Kernpunkt seiner Wirtschaftspolitik gemacht. Als Staatsoberhaupt ist Charles zum Schweigen über politische Kontroversen verpflichtet. Sein Gesprächspartner dürfte wissen, was er denkt.
Warum Großbritannien auf diesen Besuch angewiesen ist
Für London steht das Freihandelsabkommen mit den USA auf dem Spiel, das 2025 in Kraft getreten war. Nach dem Brexit ist die amerikanische Wirtschaft der wichtigste außereuropäische Handelspartner Großbritanniens. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei rund 300 Milliarden Pfund jährlich. Neue Zölle würden britische Exporte erheblich verteuern und den ohnehin fragilen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Brexit weiter belasten.
Starmer hat den Besuch bewusst unterstützt, weil er die Handelsgespräche stabilisieren will. Die Frage ist, ob ein Staatsbesuch des Königs leisten kann, was politische Verhandlungen bislang nicht erreichten. Trump antwortete auf die direkte Frage, ob der Besuch die Beziehungen verbessern könne, mit: "Absolut, ja." Eine belastbare Zusage, die Zolldrohung zurückzunehmen, enthielt diese Antwort nicht.
Die Kongressrede als Gradmesser
Die Adresse vor dem gemeinsamen Kongress am 28. April ist in diplomatischen Kategorien ein seltenes Privileg, das einer kleinen Gruppe staatlicher Gäste mit historisch einzigartigen Beziehungen zu den USA vorbehalten ist. Elizabeth II. hatte 1991, unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges, einen leidenschaftlichen Aufruf zur transatlantischen Partnerschaft gehalten. Charles trifft auf einen fundamental gespaltenen Kongress, in dem die Bereitschaft zur historischen Einigkeit nicht vorausgesetzt werden kann.
Der genaue Inhalt der Rede ist nicht vorab bekannt gegeben worden. Aus dem Buckingham-Palast verlautet, Charles werde die historischen Verbindungen und die zeitgenössischen Gemeinsamkeiten beider Länder würdigen. Eine direkte Bezugnahme auf Irankrieg oder Handelskonflikte wäre für einen Monarchen unüblich. Erwartet werden Signale ohne Konfrontation.
Was realistisch möglich ist
Das Staatsbankett im East Room des Weißen Hauses am 28. April und die weiteren Stationen bis zum 30. April geben Charles Gelegenheit, jenseits der Kameras zu sondieren. Ein Erfolg für Großbritannien wäre es, wenn Trump nach dem Besuch die Zolldrohung mäßigte oder die britische Digitalabgabe als verhandelbar einstufte. Konkrete Abkommen erwarten Beobachter nicht.
Was der Besuch realistisch leisten kann: zeigen, dass die institutionellen Bande zwischen beiden Ländern tiefer reichen als die politischen Differenzen eines einzelnen Regierungswechsels. Das ist nicht wenig, aber es löst keine der strittigen Sachfragen. Die Kongressrede am Dienstag wird zeigen, ob Charles der Spagat zwischen diplomatischer Zurückhaltung und dem Anspruch gelingt, für ein Land zu sprechen, das Trump gerade zu einem Rivalen erklärt hat.