Allen wegen Mordversuchs an Trump angeklagt
Cole Thomas Allen, der Schütze vom White House Correspondents' Dinner, steht nun wegen versuchten Mordes am Präsidenten der Vereinigten Staaten vor Gericht. Die Bundesstaatsanwaltschaft hat die Anklage um drei Punkte erweitert und stuft die Tat offiziell als Terrorismus ein. Bei einer Verurteilung ist lebenslange Haft möglich.
Von Waffendelikt zu Attentatsverdacht
Am 25. April hatte Cole Thomas Allen im Eingangsbereich des Washington Hilton das Feuer auf Sicherheitsbeamte eröffnet, während im Ballsaal das White House Correspondents' Dinner stattfand. Präsident Trump, First Lady Melania Trump und Vizepräsident JD Vance wurden evakuiert. Ein Bundesbeamter überlebte einen Treffer dank Schutzweste. Der Vorfall war das erste Mal in der 105-jährigen Geschichte des Dinners, dass ein Bewaffneter in die Sicherheitszone eindrang.
Die ersten Anklagen lauteten auf Waffengebrauch bei einem Gewaltvergehen und tätlichen Angriff auf einen Bundesbeamten. Jetzt kommen drei neue Punkte hinzu: versuchtes Attentat auf den Präsidenten nach 18 U.S.C. § 1751, Transport von Schusswaffen und Munition über Staatsgrenzen mit krimineller Absicht sowie Abfeuern einer Schusswaffe bei einem Bundesverbrechen. Allein der letzte Punkt trägt ein gesetzliches Mindestmaß von zehn Jahren. Die Staatsanwaltschaft stuft die Tat als "enumerated crime of terrorism" nach US-Bundesrecht ein: ein Verbrechen, das gezielt politisch motivierte Gewalt gegen staatliche Repräsentanten unter einen besonderen Strafrahmen stellt.
Das Manifest: Eine Zielliste mit einer Ausnahme
Kurz vor dem Anschlag schickte Allen einen rund 1.000 Wörter langen Brief an Familienmitglieder. Darin bezeichnete er sich als "Cole 'coldForce' 'Friendly Federal Assassin' Allen" und listete ranghohe Mitglieder der Trump-Regierung als Ziele auf. Als Motiv nannte er Trumps Außenpolitik, konkret den Einsatz der US-Marine gegen Drogenschmugglerboote im östlichen Pazifik.
Das Manifest enthält eine auffällige Ausnahme: FBI-Direktor Kash Patel werde er nicht töten, schrieb Allen. Eine Begründung fehlt. Für Ermittler ist das kein Detail am Rande: Die gezielte Auswahl von Zielen und die explizite Verschonung einer Person signalisieren planvolles Vorgehen, nicht impulsiven Aktionismus. Die Staatsanwaltschaft stützt die Terrorismusklassifizierung maßgeblich auf dieses Dokument. Der Brief belege eine ideologisch motivierte Tat gegen staatliche Vertreter, was das gesetzliche Kriterium für Bundesterrorismus erfüllt.
Allen führte beim Anschlag eine Schrotflinte, eine Pistole und mehrere Messer mit. Er war eigens aus Torrance im südlichen Kalifornien nach Washington gereist. Spontantat und planloser Angriff scheiden als Erklärung aus.
Ein ungewöhnliches Täterprofil
Allen fällt aus dem Bild spontan handelnder Einzeltäter heraus. Der 31-Jährige erwarb 2017 einen Abschluss in Maschinenbau am California Institute of Technology (Caltech) und 2025 einen Master in Informatik an der California State University Dominguez Hills. Er war als Tutor tätig. Sein akademischer Hintergrund ist in der Geschichte der Attentatsversuche auf amerikanische Präsidenten ungewöhnlich: Die meisten historisch dokumentierten Fälle zeigen psychisch instabile Einzeltäter oder fanatisch motivierte Personen ohne akademische Ausbildung.
Das FBI untersucht, ob Allen allein handelte oder Verbindungen zu Netzwerken hatte. Bislang gibt es keine öffentlich bekannten Hinweise auf Mittäter. Das Manifest, der allein vollzogene Angriff und die sorgfältige Zielauswahl deuten auf einen Einzeltäter mit politisch formulierter Motivation hin.
Eine Sicherheitslücke mit Folgen
Das Correspondents' Dinner versammelt alljährlich Präsident, Vizepräsident und das gesamte Kabinett an einem kommerziell zugänglichen Ort im Washington Hilton. Staatsakte sehen seit Jahrzehnten einen "Designated Survivor" vor: ein Kabinettsmitglied, das der Veranstaltung fernbleibt, um die Regierungskontinuität zu sichern. Für das Pressedinner gibt es keine solche Vorkehrung. Der Anschlag zeigt, welche Konstellationsgefahr das Format birgt: Im Ballsaal saßen gleichzeitig Präsident, Vizepräsident und Kabinett.
Der Secret Service steht unter Druck. Nach zwei Attentatsversuchen auf Trump im Jahr 2024 hatte die Behörde ihre Schutzkonzepte überarbeitet. Wie Allen dennoch in den Sicherheitsbereich gelangen konnte, ist Gegenstand einer internen Revision. Der Secret Service und das FBI ermitteln gemeinsam. Die White House Correspondents' Association hat angekündigt, das Dinner innerhalb von 30 Tagen nachzuholen.
Was als Nächstes folgt
Das Strafverfahren gegen Allen wird vor einem US-Bundesgericht in Washington geführt. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft kann die Anklageschrift noch erweitern, sofern weitere Ermittlungsergebnisse das stützen. Die Terrorismusklassifizierung eröffnet erweiterte Ermittlungsbefugnisse und beeinflusst den Strafrahmen bei einem Schuldspruch.
Die politische Debatte läuft auf zwei Spuren. Erstens: Welche Sicherheitsstandards braucht ein Format, das die gesamte Spitze der Exekutive an einem Ort versammelt, der nicht für Staatsschutz konzipiert ist? Zweitens: Was sagt das Profil eines hochgebildeten, politisch motivierten Täters, der unmittelbar nach seinem Masterabschluss ein Attentat plante, über das Niveau der Radikalisierung in der amerikanischen Gesellschaft aus? Diese Fragen werden die Debatte weit über den Prozess hinaus bestimmen.