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International
Sudan am dritten Jahrestag: Berlin versucht Ausweg aus weltweiter Hungerkrise

Sudan am dritten Jahrestag: Berlin versucht Ausweg aus weltweiter Hungerkrise

Die dritte internationale Sudankonferenz in Berlin hat mehr als 1,3 Milliarden Euro an humanitären Zusagen erbracht. 33,7 Millionen Sudanesen brauchen Hilfe; die Finanzierungslücke wird kleiner, bleibt aber erheblich.

15. April 2026, 6:31 Uhr 825 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Genau drei Jahre nachdem der Krieg im Sudan begann, versammeln sich heute in Berlin Außenminister aus mehr als 30 Ländern und Vertreter von UN, Afrikanischer Union und Zivilgesellschaft zur dritten internationalen Sudan-Konferenz. 33,7 Millionen Menschen, mehr als zwei Drittel der sudanesischen Bevölkerung, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Von den rund 2,8 Milliarden Dollar, die Hilfsorganisationen für 2026 benötigen, sind bislang nur 16 Prozent gesichert. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte den Konflikt die „größte humanitäre Krise der Gegenwart".

Wie der Krieg begann und eskalierte

Am 15. April 2023 brachen in Khartum Kämpfe zwischen dem sudanesischen Militär unter General Abdel Fattah al-Burhan und den Rapid Support Forces (RSF) unter General Mohamed Hamdan Dagalo aus. Was als Machtkampf zweier ehemaliger Verbündeter begann, die gemeinsam den Übergang zur Demokratie blockiert hatten, hat sich zu einem der schwersten Bürgerkriege der Welt entwickelt. Die RSF übernahmen weite Teile Khartums sowie Gebiete in Darfur und Kordofan. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren gezielte Massaker an der Zivilbevölkerung, Vergewaltigungen als Kriegswaffe und ethnische Verfolgung in Darfur. Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

14 Millionen Menschen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben: rund neun Millionen als Binnenvertriebene, 4,4 Millionen als Flüchtlinge in Nachbarstaaten. Der Tschad beherbergt inzwischen mehr als eine Million sudanesischer Flüchtlinge, ein Fünftel davon Kinder. Südsudan, selbst eines der ärmsten Länder der Welt, hat rund 600.000 Aufgenommen. UNHCR bezeichnet die Sudankrise als die größte Vertreibungskrise weltweit.

Was die Konferenz leisten soll und woran sie scheitern könnte

Die Berliner Konferenz vereint drei Formate: ein Außenministertreffen zur Friedenspolitik, eine humanitäre Geberkonferenz mit Finanzzusagen und, zum ersten Mal, eine Zusammenkunft sudanesischer Zivilgesellschaftler, die eine Friedensroadmap erarbeiten sollen. Weder das sudanesische Militär noch die RSF wurden eingeladen. Das hat einen strategischen Grund: Die internationale Gemeinschaft will einen politischen Übergang ohne die Kriegsparteien vorbereiten. Die Sudan National Forces Alliance boykottiert die Konferenz dennoch und kritisiert, dass keine der Berliner Initiativen bislang zu einem Waffenstillstand geführt hat.

Die beiden Vorläufer, die Londoner und die Pariser Sudan-Konferenz, haben kaum messbare Fortschritte beim Schutz der Zivilbevölkerung erzielt. Von früheren finanziellen Zusagen wurden nach Angaben von Beobachtern nur rund 30 Prozent tatsächlich ausgezahlt. Welthungerhilfe-Sprecherin Miriam Wendt forderte in Berlin „verbindliche Zusagen statt Absichtserklärungen" und nannte die bisherige Unterfin­anzierung eine politische Entscheidung, keine logistische. Amnesty International und Human Rights Watch verlangen von den Konferenzteilnehmern konkrete Maßnahmen gegen anhaltende Kriegsverbrechen, darunter gezielte Sanktionen gegen RSF-Führungspersonen.

Deutschland gehört zu den größten humanitären Gebern: 2024 stellte die Bundesregierung 325 Millionen Euro für Sudan bereit, 2025 waren es nach Angaben des Auswärtigen Amts rund 157 Millionen Euro. Für 2026 werden weitere Zusagen erwartet, deren Höhe bei Redaktionsschluss noch nicht offiziell bestätigt war.

Warum diese Krise kaum Aufmerksamkeit bekommt

Trotz ihrer Dimension ist die Sudankrise in der europäischen Öffentlichkeit wenig präsent. Ein struktureller Grund: Im Unterschied zu Kriegen in der Ukraine oder im Nahen Osten gibt es keine starke sudanesische Diaspora in Deutschland oder Frankreich, die als Resonanzverstärker wirkt. Auch fehlen direkte europäische Sicherheitsinteressen, wie sie etwa den Fokus auf die Straße von Hormus erklären. Hinzu kommt, dass beide Kriegsparteien westliche Berichterstattung zu erschweren suchen: Journalisten berichten unter erheblichen Risiken, verlässliche Bilder aus dem Kriegsgebiet sind selten.

Ausgerechnet die Hormus-Blockade, die Weltöffentlichkeit gerade in Atem hält, verschärft Sudans Lage zusätzlich. Das Land importiert Treibstoff und Getreide über das Rote Meer, dessen Verbindungen mit dem Persischen Golf von der US-Blockade in Mitleidenschaft gezogen werden. Steigende Treibstoffpreise treffen Hilfsorganisationen doppelt: Die Logistikkosten für Hilfsgütertransporte in einem Land ohne funktionsfähige Infrastruktur steigen, während die Kaufkraft der betroffenen Bevölkerung weiter sinkt.

Was nach der Konferenz kommt

Konkrete Ergebnisse der Berliner Konferenz werden noch im Laufe des heutigen Tages erwartet. Entscheidend ist, ob die Geberländer die Finanzierungslücke substanziell schließen und ob der Zivilforum-Prozess als Ausgangspunkt für Waffenstillstandsverhandlungen genutzt werden kann. Ein konkreter Verhandlungstermin für Friedensgespräche zwischen Militär und RSF existiert derzeit nicht. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher hatte vor der Konferenz erklärt, die Welt versage Sudan gegenüber, während der Krieg in sein viertes Jahr gehe. Die Berliner Konferenz ist die bislang ambitionierteste internationale Antwort auf diese Krise, jedoch auch die dritte in zwei Jahren ohne dauerhaftes Ergebnis.

Update 15. April, 18:40 Uhr: Die Berliner Konferenz hat nach Angaben von Bundesaußenminister Johann Wadephul mehr als 1,3 Milliarden Euro an humanitären Zusagen erbracht. Deutschland trägt davon rund 232 Millionen Euro bei, aufgeteilt auf 212 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und 20 Millionen Euro aus dem Entwicklungsministerium unter Reem Alabali-Radovan. Gemessen an den rund 2,8 Milliarden Dollar, die Hilfsorganisationen für 2026 benötigen, verringert die Berliner Konferenz die Finanzierungslücke deutlich, schließt sie aber nicht. Entscheidend bleibt, ob die zugesagten Mittel auch tatsächlich fließen: Bei den Vorgängerkonferenzen in London und Paris wurden nach Beobachterangaben nur rund 30 Prozent der Zusagen tatsächlich ausgezahlt.

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