
Lungenkrebsstudie: Ivonescimab und Tislelizumab im Vergleich
Quellen (13)
- The Lancet: Ivonescimab plus chemotherapy versus tislelizumab plus chemotherapy in advanced squamous non-small-cell lung cancer (HARMONi-6): interim overall survival analysis of a randomised, double-blind, phase 3 trial in Chinadoi.org
- ClinicalTrials.gov: NCT05840016 – AK112 (Ivonescimab) in Combination With Chemotherapy in Advanced Squamous Non-Small Cell Lung Cancer (HARMONi-6)clinicaltrials.gov
- Akeso, Inc | HARMONi-6 Demonstrates Significant Overall Survival Benefit (HR=0.66): Ivonescimab Plus Chemotherapy Superior to PD-1 Plus Chemotherapy in First-Line sq-NSCLC Landmark Results to Be Preseakesobio.com
- ASCO: Summit Akeso ivonescimab improves survival in Harmoni-6 trialcnbc.com
- ASCO 2026: Ivonescimab may improve overall survival in patients with advanced squamous non-small cell lung cancer - ecancerecancer.org
- Ivonescimab Improves Survival in Advanced Squamous NSCLConcologynewscentral.com
- ASCO 2026: Phase 3 HARMONi-6 Tria Shows OS Benefit With Ivonescimab plus Chemotherapy | Lung Cancers Todaylungcancerstoday.com
- HARMONi-6: Evaluating the Safety and Generalizability of Ivonescimab in NSCLC | CancerNetworkcancernetwork.com
- Akeso, Inc | Ivonescimab Plus Chemotherapy Approved for First-Line Squamous NSCLC; HARMONi-6 Establishes New Gold Standard in Lung Cancer Treatmentakesobio.com
- Plain language summary: comparing ivonescimab plus chemotherapy with tislelizumab plus chemotherapy in people with advanced squamous non-small cell lung cancer in the HARMONi-6 study - PMCpmc.ncbi.nlm.nih.gov
- HARMONi-6 Demonstrates Significant Overall Survival Benefit (HR=0.66): Ivonescimab Plus Chemotherapy Superior to PD-1 Plus Chemotherapy in First-Line sq-NSCLC Landmark Results to Be Presented at ASCO prnewswire.com
- Ivonescimab May Improve Overall Survival in Patients With Advanced Squamous Non-Small Cell Lung Cancer - ASCOasco.org
- HARMONI-6: Ivonescimab Improves OS, PFS in Advanced Squamous NSCLC - Cancer Therapy Advisorcancertherapyadvisor.com
Die am 31. Mai 2026 im Fachblatt The Lancet online veröffentlichte Zwischenanalyse wertete Daten von 532 randomisierten Patienten aus, 266 je Gruppe.
Wie die Studie aufgebaut war
Von August 2023 bis Januar 2025 wurden an 50 Krankenhäusern in China 761 Patienten auf ihre Eignung geprüft, 532 wurden randomisiert und im Verhältnis 1:1 entweder Ivonescimab oder Tislelizumab zugeteilt, jeweils kombiniert mit Paclitaxel und Carboplatin über vier Zyklen. Anschließend folgte eine Erhaltungstherapie mit dem jeweils zugeteilten Wirkstoff als Monotherapie. Die Teilnehmenden waren im Median 64 Jahre alt, 93 Prozent waren Männer. Teilnehmen konnten nur 18- bis 75-Jährige mit ECOG-Leistungsstatus 0 oder 1 und nicht operablem Tumor der Stadien IIIB, IIIC oder IV. Primärer Endpunkt der doppelblinden Studie war das progressionsfreie Überleben nach Beurteilung eines unabhängigen radiologischen Komitees, das Gesamtüberleben galt als wichtiger sekundärer Endpunkt.

Warum die Zwischenanalyse vorgezogen wurde
Die Auswertung des Gesamtüberlebens war eigentlich erst nach rund 225 Todesfällen geplant, sie wurde aber bereits nach 204 Ereignissen ausgelöst, um regulatorische Fristen einzuhalten. Am Datenstichtag 27. Februar 2026 waren in der Ivonescimab-Gruppe 84 von 266 Patienten gestorben (32 Prozent), in der Tislelizumab-Gruppe 120 von 266 (45 Prozent). Nach zwölf Monaten lebten laut Akeso noch 78,9 Prozent der Ivonescimab-Gruppe gegenüber 72,2 Prozent der Kontrollgruppe, nach 24 Monaten 64,7 gegenüber 48,6 Prozent.
Im Vergleich: Wo ältere Wirkstoffe an Grenzen stießen
Frühere VEGF-Medikamente konnten das Tumorwachstum zwar bremsen, hatten aber Schwierigkeiten, das Überleben der Patienten tatsächlich zu verlängern, berichtete CNBC. Nach Beschreibung von CNBC ist Ivonescimab dagegen ein bispezifischer Antikörper, der PD-1 und VEGF angreift. Auch innerhalb der Studie unterschied sich das Ergebnis unter Tislelizumab plus Chemotherapie nach dem PD-L1-Wert des Tumors: Laut dem Nachrichtenportal ecancer lebten Tislelizumab-Patienten mit einem PD-L1-Wert von mindestens 1 Prozent im Median 27 Monate, bei einem Wert unter 1 Prozent waren es rund 19 Monate. Unter Ivonescimab plus Chemotherapie lebten laut ecancer in beiden PD-L1-Gruppen zum Auswertungszeitpunkt noch so viele Teilnehmende, dass sich ein medianes Gesamtüberleben nicht berechnen ließ. Zum Größenvergleich: Die bisherigen Ergebnisse stammen aus China, während die weltweite Studie HARMONi-3 laut Oncology News Central am 1. Juni 2026 in mehr als 15 Ländern einschließlich der USA rekrutierte, um die Wirkung in anderen Bevölkerungen zu prüfen.
Nebenwirkungen fielen unterschiedlich aus
Laut Oncology News Central traten Nebenwirkungen vom Schweregrad 3 oder höher unter Ivonescimab bei 69,2 Prozent der Behandelten auf, unter Tislelizumab bei 58,9 Prozent. Blutungen jeden Schweregrads kamen laut CNBC unter Ivonescimab doppelt so häufig vor wie unter Tislelizumab. Tumoren bei plattenepithelialem Lungenkrebs liegen häufig nahe großen Blutgefäßen der Lunge, eine Blockade von VEGF kann deren Reparatur verhindern und zu potenziell tödlichen Blutungen führen, erläuterte CNBC. Shun Lu und sein Team bezeichneten das Sicherheitsprofil von Ivonescimab plus Chemotherapie als beherrschbar und mit früheren Berichten übereinstimmend, neue Sicherheitssignale hätten sich nicht gezeigt. Laut CancerNetwork nannte Sivraj Muralikrishnan die Sicherheitsdaten beruhigend und verwies darauf, dass schwere Blutungen vom Grad 3 unter Ivonescimab bei 2,6 Prozent auftraten, im Vergleichsarm bei 0,8 Prozent. Den Anstieg der Nebenwirkungen vom Grad 3 bewertete er angesichts des Ausmaßes des Nutzens als relativ gering.

Zulassung in China, weltweite Prüfung im Juni noch im Gange
Am 12. August 2026 teilte Akeso mit, Chinas Arzneimittelbehörde NMPA habe die ergänzende Zulassung von Ivonescimab plus Chemotherapie als Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen plattenepithelialen Lungenkrebses genehmigt. In den USA war Ivonescimab nach Angaben von Oncology News Central vom 1. Juni 2026 bislang nicht zugelassen.
Suresh Ramalingam, geschäftsführender Direktor des Winship Cancer Institute der Emory University, nannte den Überlebensvorteil ermutigend, mahnte aber, dass die Studie ausschließlich in China lief und die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungen weitere Untersuchungen erfordere. Die Onkologin Deborah Doroshow wies darauf hin, dass die mit Immuntherapie behandelte Kontrollgruppe im Schnitt sechs Monate länger lebte als erwartet, was Fragen zur Repräsentativität der Studienpopulation aufwerfe. Die ASCO-Diskutantin Julie Brahmer betonte, die Ergebnisse zeigten Wirksamkeit bislang nur für chinesische Patienten und wiesen auf den Ausschluss von Patienten über 75 Jahren hin. Der ASCO-Lungenkrebsexperte David R. Spigel bezeichnete die Studie als erste große prospektive Untersuchung, die eine Überlegenheit dieser bispezifischen Therapie plus Chemotherapie gegenüber dem etablierten Standard aus PD-1-Hemmer plus Chemotherapie bei fortgeschrittenem plattenepithelialem Lungenkrebs belegt, verwies aber ebenfalls auf die noch ausstehenden globalen Wirksamkeitsdaten. Finanziert wurde die Studie von Akeso Biopharma; laut der Zusammenfassung waren die Sponsoren auch an Datenerhebung, Analyse und Interpretation beteiligt.
Die weltweite Prüfung: Rekrutierung am 1. Juni 2026 in mehr als 15 Ländern
Die globale Studie HARMONi-3 rekrutierte nach Angaben von Oncology News Central am 1. Juni 2026 in mehr als 15 Ländern, darunter die USA, um Ivonescimab bei metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs mit plattenepithelialer und nichtplattenepithelialer Histologie zu testen. Nach Angaben von CNBC plante der Lizenznehmer Summit Therapeutics, Ergebnisse zum progressionsfreien Überleben bei plattenepithelialen Patienten in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorzulegen, Ergebnisse bei nichtplattenepithelialen Patienten für die erste Hälfte des folgenden Jahres.
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