Berlin gedenkt des 7. Oktober, Protest aufgelöst
Politik

Berlin gedenkt des 7. Oktober, Protest aufgelöst

Bei der Gedenkfeier für die Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 forderten Bundesinnenminister Dobrindt und Israels Botschafter Prosor entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus. Dobrindt bezeichnete Antisemitismus als „abscheuliches Gift“, das auch Teile der Gesellschaft zu vergiften drohe, Prosor verlangte eine Brandmauer gegen Antisemiten in Parlamenten. Parallel löste die Polizei in Berlin-Kreuzberg einen Demonstrationszug auf, nachdem es wiederholt zu Straftaten gekommen war.

Quellen (13)
  1. Jahrestag des Hamas-Überfalls: Berlin gedenkt der Opferzdfheute.de
  2. Berlin erinnert an den 7. Oktober: Kerzen, Stille - Streitdw.com
  3. Berlin erinnert an den Hamas-Terror: Dobrindt geißelt Antisemitismus als „abscheuliches Gift“ – Kerzen für Opfer des 7. Oktobertagesspiegel.de
  4. 7. Oktober in Berlin: Demonstranten rufen „Kindermörder Israel“ – Festnahmen, Polizei löst Protest auftagesspiegel.de
  5. Jahrestag des Hamas-Massakers: Islamisten und Linke marschieren durch Berlinberliner-zeitung.de
  6. Jahrestag 7. Oktober in Berlin: Gedenken, Gebete, Demonstrationen | taz.detaz.de
  7. Antiimperialistische Demo in Berlin: Terror-Glorifizierung auf den Straßen | taz.detaz.de
  8. Israels Botschafter sieht nach Berlin-Wahl Gefahr für Judent-online.de
  9. Zum Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel – Brandenburger Tor wird illuminiert - Berlin.deberlin.de
  10. Bilanzmeldung zur Versammlungslage zum 2. Jahrestag des 7. Oktober 2023 - Berlin.deberlin.de
  11. Aufruf zur Demonstration am 7. Oktober: Hemmungslose Hamas-Huldigung | taz.detaz.de
  12. Drei Jahre nach den Hamas-Massakern: Gedenkveranstaltungen in Berlin | Jüdische Allgemeinejuedische-allgemeine.de
  13. Nach israelfeindlichen Aufrufen: Start von umstrittener Demo am 7. Oktober an den Berliner Oranienplatz verlegttagesspiegel.de
8. Oktober 2026, 3:53 Uhr817 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Die zentrale Gedenkfeier auf dem Bebelplatz am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, stand unter dem Motto „Nie vergessen. Niemals schweigen“. Zu den Rednern zählten Israels Botschafter Ron Prosor und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Am 7. Oktober 2023 hatten Kämpfer der Hamas und anderer extremistischer Organisationen rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt; der Angriff löste den Gaza-Krieg aus.

Dobrindt und Prosor fordern entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus

Dobrindt sagte auf dem Bebelplatz, der 7. Oktober habe tiefe Wunden in den Herzen geschaffen, er habe die grausamen Bilder des Terrors im Kopf und spüre, dass der Schmerz für immer bleiben werde. Bei einem früheren Besuch im Kibbuz Be’eri habe er Videobilder aus den Bodycams der Täter gesehen, sagte er. Er bezeichnete Antisemitismus als „abscheuliches Gift“, das auch Teile der Gesellschaft zu vergiften drohe; er sagte, jeder einzelne antisemitische Angriff sei für ihn ein zusätzlicher Auftrag, weiter offensiv für Jüdinnen und Juden in Deutschland und für den Staat Israel Partei zu ergreifen. Er sagte, man müsse alarmiert sein, wenn Rechtsextreme in Sachsen-Anhalt ein deutsches Landesparlament anführten und wenn in Berlin eine Partei über eine mögliche Regierungsbeteiligung spreche, die offen Antisemiten in ihrem Umfeld dulde. Prosor bezeichnete den 7. Oktober als „Genozid an Juden und Israelis“ und sagte, jeder in Israel kenne jemanden, der verschleppt oder ermordet worden sei. Er forderte statt „Sonntagsreden über tote Juden“ eine Offensive gegen Antisemitismus und eine Brandmauer, die unabhängig von links oder rechts gelten müsse, damit Antisemiten nie wieder in Parlamente einziehen könnten. Auch Noga Friedmann, Witwe des beim Verteidigen des Kibbuz Be’eri gefallenen israelischen Soldaten Ido Rosenthal, sprach und sagte, sie habe vor drei Jahren die Liebe ihres Lebens und den Vater ihrer drei Kinder zum letzten Mal im Arm gehalten. Im Anschluss zündeten unter anderem Friedmann, Dobrindt, Berlins Finanzsenator Stefan Evers und Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger Kerzen für die Opfer an.

Gedenken in Synagoge und Kirche

Den Tag hatte am Morgen ein Gedenk- und Toleranzgebet bei Rabbiner Yehuda Teichtal in der Chabad-Synagoge eröffnet, an dem führende Berliner Landespolitiker von SPD, Linke und CDU sowie der israelische Botschafter teilnahmen. Teichtal forderte dort konkrete Unterstützung statt bloßer Solidaritätsworte. Am Abend gedachten in einem interreligiösen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche die evangelischen und katholischen Bischöfe Berlins gemeinsam mit einem Rabbiner und einem Imam der Opfer. Der evangelische Bischof Christian Stäblein sprach vom „hasserfüllten Foltern und Morden der Hamas“ und rief dazu auf, gemeinsam gegen Antisemitismus zu kämpfen. Für den Gottesdienst waren 300 Menschen angemeldet, darunter Bundestagsabgeordnete; auch die Spitzen von Linke, Grünen und SPD, die am selben Tag Vorgespräche zur Berliner Regierungsbildung geführt hatten, erschienen.

Ein aufgelöster Demonstrationszug in Kreuzberg

Parallel zu den Gedenkveranstaltungen zogen am Abend unter dem Titel „Down with Colonialism“ Demonstranten vom Oranienplatz durch Kreuzberg; die Polizei zählte laut Berliner Zeitung in der Spitze 850 Teilnehmer, der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dieselbe Quelle von rund 700. Ursprünglich war der Start am Schlesischen Tor vorgesehen, die Polizei verlegte ihn auf den Oranienplatz, um nach eigenen Angaben eine örtliche Distanz zu möglichen Teilnehmern herzustellen. Die Polizei stoppte den Zug mehrfach, etwa wegen verbotenerweise verknoteter Transparente und Angriffen auf Beamte, und löste ihn gegen 21 Uhr auf dem Kottbusser Damm wegen wiederholter Straftaten und Auflagenverstöße auf. Nach Polizeiangaben gab es rund 30 vorläufige Festnahmen und mindestens fünf verletzte Beamte, unter anderem durch Schläge; der Tagesspiegel schätzte die Gesamtzahl der Festnahmen inzwischen als zweistellig ein. Mehrere Festnahmen erfolgten laut Polizei wegen des Verwendens verbotener Kennzeichen, darunter Symbole der Hamas.

Ein umstrittener Demonstrationsaufruf

Im Vorfeld kursierte im Internet ein Aufruf zur Demonstration, der den Terrorangriff der Hamas als „Leuchtfeuer der Standhaftigkeit“ bezeichnete und ein Plakat mit einem Bulldozer zeigte, der einen Zaun durchbricht. Die Darstellung ähnelt laut Berliner Zeitung stark einer 2023 verbreiteten Reuters-Aufnahme vom Durchbrechen der israelischen Grenzanlage nahe den Kibbuzim Nirim und Nir Oz; wegen der Bezeichnung des Angriffs als „Leuchtfeuer der Standhaftigkeit“ ermittelte der Staatsschutz. Anders als 2025, als die Polizei eine Demonstration mit ähnlichem Aufruf untersagt hatte und das Berliner Verwaltungsgericht das Verbot bestätigte, sprach die Polizei 2026 kein Verbot aus; ein Polizeisprecher begründete dies mit fehlenden substanziierten Verbotsgründen. Der Sprecher erklärte zudem, der Plakatslogan „Until total liberation“ sei nicht der offizielle Slogan gewesen, angemeldet worden sei die Demonstration mit „Down with Colonialism!“ und der Anmelder habe versichert, nichts mit dem Plakat zu tun zu haben. Auf dem Protest selbst wollte laut taz niemand mit der Zeitung sprechen.

Vorwürfe gegen die Linke reichen bis in den September zurück

Die Berliner Landesvorsitzende Kerstin Wolter wies den Vorwurf laut dpa zurück und erklärte, das Existenzrecht Israels und der Schutz jüdischen Lebens seien klare Beschlusslage der Linken, während sie Kritik an der israelischen Regierungspolitik als Teil der Demokratie verteidigte. Die Antisemitismusforscherin Stefanie Schüler-Springorum von der Technischen Universität Berlin nannte die Debatte überzogen und sah darin auch einen Versuch, die Berliner Regierungsbildung zu beeinflussen; sie forderte, zwischen Judenhass und Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterscheiden.

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