Iran fordert Kriegsschadensersatz: Hormus bleibt zu
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Iran fordert Kriegsschadensersatz: Hormus bleibt zu

Wer eine Sechspunktliste mit Kriegsschadensersatz und Garantien gegen künftige Bedrohungen vorlegt, will nicht verhandeln, sondern die eigene Position absichern. Teherans formalisierter Forderungskatalog für Hormus spiegelt eine innenpolitische Logik wider, die jeden Deal unterhalb vollständiger US-Konzessionen als Niederlage darstellt.

Quellen (8)
  1. ZDF Heutezdfheute.de
  2. Handelsblatthandelsblatt.com
  3. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  4. taztaz.de
  5. CNNcnn.com
  6. SWI swissinfoswissinfo.ch
  7. t-onlinet-online.de
  8. Fortune (Araghchi)fortune.com
10. August 2026, 10:09 Uhr820 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Mohammad Bagher Zolghadr, Sekretär von Irans Oberstem Nationalen Sicherheitsrat, hat am Samstag eine formalisierte Liste von sechs Bedingungen für die Öffnung der Straße von Hormus veröffentlicht. Was zwischen dem fünften und dem sechsten Punkt liegt, ist der Abstand zwischen Verhandlung und Maximalposition: Teheran fordert nun auch vollständige Entschädigung für alle Kriegsschäden und die verbindliche Garantie, nie wieder bedroht zu werden. US-Präsident Donald Trump antwortete auf die Frage nach dem Verhandlungsstand mit den Worten: „Es ist wie eine Schachpartie.”

Sechs statt fünf: Was Iran neu verlangt

Bis zuletzt hatte Teheran fünf Bedingungen für eine vollständige Wiederöffnung der Meerenge formuliert: die Einhaltung des Memorandums of Understanding vom Juni 2026, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte, den Abzug der US-Marine aus dem Persischen Golf, ein Ende der israelischen Angriffe auf den Libanon sowie die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Südhäfen. Als sechste Bedingung kommt jetzt ein Komplex hinzu, der die bisherigen Forderungen qualitativ übersteigt: vollständige finanzielle Entschädigung für Kriegsschäden sowie die verbindliche Zusicherung, dass die USA die Islamische Republik nie wieder bedrohen werden.

Zur Höhe der verlangten Summe machte Teheran keine Angaben. In früheren Erklärungen hatte Iran seinen wirtschaftlichen Schaden durch Kriege und Sanktionen auf mehrere Hundert Milliarden Dollar geschätzt. IRGC-Sprecher Hossein Mohebbi ergänzte, die Hormus-Öffnung habe einen „eigenen spezifischen Mechanismus” und sei nicht automatisch an ein bilaterales Abkommen gebunden. Außenminister Abbas Araghchi machte zudem deutlich, dass direkte Gespräche mit Washington derzeit nicht geplant sind: Solange die USA gegen das Übergangsabkommen vom Juni verstießen, werde Teheran keine direkten Verhandlungen führen.

Das Entscheidende ist weniger die neue Forderung selbst als die Tatsache, dass der Sicherheitsrat die Liste formalisiert und verabschiedet hat. Sie ist kein Verhandlungsangebot, sondern ein Dokument. Entschieden hat der gleiche Apparat, der seit Monaten jeden möglichen Deal an eine Maximalbedingung knüpft.

Warum diese Liste keine Verhandlungsbasis bildet

CNN analysierte Irans Vorgehen als Strategie der Verhärtung statt der Annäherung: Teheran erhöhe seine Forderungen, statt den Druck der anhaltenden Blockade durch Konzessionen abzubauen. Die taz bezeichnete die iranischen Bedingungen als „einer Kapitulation gleichkommend”. Der Hintergrund: Iran wirft Washington vor, das 14-Punkte-Memorandum vom 17. Juni 2026 verletzt zu haben. Dieses Dokument, das Trump und Präsident Masoud Pezeshkian fernschriftlich unterzeichnet hatten, enthielt Zusagen zu Sanktionserleichterungen und zur Freigabe von Schiffspassagen. Aus Teherans Sicht blieb Washington die Umsetzung schuldig.

Die Erweiterung der Forderungsliste hat auch eine innenpolitische Funktion. Hardliner um Revolutionsgardenchef Hossein Salami hatten jede Einigung unterhalb vollständiger US-Konzessionen stets als Niederlage bezeichnet. Die Sechspunktliste bedient diese Linie und sichert Pezeshkians Regierung gegen Angriffe von rechts ab. Teheran beabsichtigt damit keine Rückkehr zu den ursprünglichen Verhandlungspositionen. Für Iran hat der Kurs einen rationalen Kern: Solange Hormus faktisch gesperrt bleibt, ist Teheran im Besitz des stärksten Druckmittels. Jede Konzession kostet diesen Hebel.

Trumps Gelassenheit und das Schweigen des Weißen Hauses

Die US-Regierung ließ die sechs Bedingungen zunächst unkommentiert. Trump selbst beantwortete Fragen nach dem Stand der Iran-Verhandlungen mit ungewöhnlicher Gelassenheit. „Es wird sich regeln. Es regelt sich immer. Es ist wie eine Schachpartie”, sagte er. Vizepräsident JD Vance, der im April die US-Delegation bei den gescheiterten Verhandlungen in Islamabad leitete, äußerte sich nicht öffentlich.

Für die Energiemärkte ist das keine Entwarnung. Die Straße von Hormus ist mit einer Engstelle von rund 34 Kilometern die kritischste Schifffahrtsroute der Welt für Energieträger. Etwa ein Fünftel des globalen Ölexports läuft durch diese Meerenge. Eine anhaltende Schließung trifft Europa, Asien und die Golfstaaten gleichzeitig. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, beide auf die Route angewiesen, drängen Washington auf eine schnelle Lösung, ohne jedoch öffentlich Druck auf Teheran auszuüben.

Muskat als letzter offener Kanal

Dass Iran direkte Gespräche ablehnt, wirft die Frage auf, über welchen Weg eine Einigung noch möglich ist. Oman hat in der Vergangenheit als diskreter Vermittler zwischen Washington und Teheran gedient und bleibt der bevorzugte Kanal. Araghchi hatte am Freitag erklärt, die Gespräche mit Maskat über Schiffsrouten durch die Meerenge seien „sehr nah” an einem Teilabschluss. Ein solches Teilabkommen würde den kommerziellen Verkehr wieder erlauben, ohne die grundsätzliche politische Auseinandersetzung zu lösen.

Ob Iran diesen Ansatz zulässt, ist offen. Die Hardliner in der Islamischen Republik lehnen jede Trennung zwischen Hormus und dem größeren Forderungspaket ab, weil eine Teilöffnung Teherans stärkstes Druckmittel nähme. Solange Washington weder den Kriegsschadensersatz noch die Sicherheitsgarantie diskutiert, bleibt die Straße von Hormus für den normalen Handelsverkehr faktisch gesperrt. Der nächste Schritt liegt bei den Omani-Vermittlern. Konkrete Verhandlungstermine sind nicht angekündigt.

Update 12. August, 03:12 Uhr: Araghchi bekräftigte am 11. August mit noch schärferer Formulierung, dass direkte Gespräche mit Washington nicht möglich seien, solange die USA das Memorandum of Understanding vom Juni verletzten. Oman rief alle Parteien auf, Aktionen in der Straße von Hormus einzustellen, um Raum für Diplomatie zu schaffen. Die Gespräche zwischen Iran und Oman über Schiffsrouten sind nach Omans Angaben in einer positiven und konstruktiven Atmosphäre, ein Durchbruch gilt jedoch als kurzfristig unwahrscheinlich.

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