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International
Iran sperrt Hormustraße: Schiff getroffen

Iran sperrt Hormustraße: Schiff getroffen

Die Islamische Revolutionsgarde hat das Containerschiff CMA CGM Everglade beschossen und die Straße von Hormus für gesperrt erklärt, obwohl die US-Iran-Waffenruhe offiziell noch galt. Täglich werden durch die Meerenge rund 20 Millionen Barrel Öl transportiert.

22. April 2026, 10:20 Uhr 1020 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Die Waffenruhe zwischen den USA und Iran war offiziell noch in Kraft, als die Islamische Revolutionsgarde am 18. April das Containerschiff CMA CGM Everglade 25 Seemeilen vor der omanischen Küste mit einem Projektil traf. Das Schiff unter maltesischer Flagge wurde an mehreren Containerreihen beschädigt, niemand kam zu Schaden. Gleichzeitig erklärte die IRGC die Straße von Hormus für gesperrt: Jedes Schiff, das die Enge zu passieren versuche, werde als Feind betrachtet und angegriffen. Die Straße von Hormus ist das engste Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer, täglich passieren hier rund 20 Millionen Barrel Öl. Sie ist damit ein aktiver Kriegsschauplatz geworden, auch wenn Washington und Teheran offiziell noch eine Feuerpause behaupten.

Der Angriff und die Sperrungserklärung

Die CMA CGM Everglade befand sich am Morgen des 18. April im Golf von Oman, als sie kurz nach 11 Uhr UTC getroffen wurde. Schäden blieben auf Containerreihen beschränkt, weder Feuer noch Ölverschmutzung wurden gemeldet, kein Besatzungsmitglied verletzt. Noch am selben Tag gab die IRGC eine formelle Schließungserklärung heraus: Die Straße von Hormus bleibe geschlossen, bis die US-Marine ihre Blockade iranischer Schiffe und Häfen aufhebe. "Jedes Schiff, das die Meerenge zu passieren versucht, wird als Unterstützer des Feindes betrachtet und angegriffen", heißt es in der IRGC-Erklärung. Ein zweites Schiff wurde noch am selben Tag in der Region beschossen, ebenfalls ohne versenkt zu werden.

Der Angriff auf die Everglade war kein Zufallstreffer. Er folgt auf eine Serie von IRGC-Aktionen seit Beginn des Konflikts im Februar 2026 und ist Teil einer koordinierten Abschreckungsstrategie: Wer durch Hormus will, riskiert einen Treffer. Die Revolutionsgarde hat diesen Kurs beibehalten, auch nachdem Trump die Waffenruhe mehrfach verlängerte.

Eine Waffenruhe, die keine ist

Die Feuerpause, die USA und Iran am 12. April vereinbart hatten, gilt auf dem Papier noch. Am 22. April verlängerte Trump sie erneut auf Bitten des pakistanischen Armeechefs Field Marshal Asim Munir. Doch beide Seiten halten sie faktisch nicht ein und werfen sich gegenseitig den Bruch vor.

Irans Position: Die US-Marine blockiert weiterhin iranische Schiffe und Häfen, was Teheran als schwerwiegende Verletzung der Waffenruhe wertet. Washington hält dagegen, die Blockade sei keine Kriegshandlung, sondern Sanktionsdurchsetzung. Die IRGC erkennt diese Unterscheidung nicht an. Mahdi Mohammadi, Sicherheitsberater von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, erklärte die jüngste Verlängerung öffentlich als bedeutungslos: Die Revolutionsgarde handele nach eigenem militärischen Ermessen, unabhängig von Waffenruhebeschlüssen.

Das verweist auf ein strukturelles Problem: Die IRGC untersteht formal nicht dem Präsidenten oder den Verhandlungsführern, sondern dem Obersten Führer. Nach dem Tod Khameneis zu Beginn des Konflikts ist die Kommandostruktur in Teheran ungeklärt. Wer in Iran tatsächlich über Feuer und Feuerpause entscheidet, kann Washington nicht mit Sicherheit beantworten.

Was auf dem Spiel steht

Die Straße von Hormus ist für die Golfstaaten ohne Alternative. Saudi-Arabien, Kuwait, der Irak, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben keinen anderen Seeweg zu den Weltmärkten. Täglich passieren im Normalbetrieb rund 55 bis 60 Schiffe die Enge, darunter Rohöltanker, Flüssiggastanker und Containerschiffe. Etwa 20 Millionen Barrel Öl täglich werden hier durchgeleitet, dazu ein erheblicher Anteil des weltweit gehandelten Flüssiggases.

Reedereien reagieren unterschiedlich. Einige schicken Schiffe weiter durch den Golf, kalkulieren das Kriegsrisiko ein und verhandeln mit Versicherern über Deckungsklauseln, die im regulären Vertrag nicht enthalten sind. Andere meiden die Route und wählen den Weg um das Kap der Guten Hoffnung, was Fahrtzeiten um bis zu drei Wochen verlängert. Die Lloyd's Market Association hat die Risikoklassifikation für Schiffe im Persischen Golf nach dem 18. April auf Rekordhöhen gesetzt. Europäische und asiatische Raffinerien berichten von schrumpfenden Lagerbeständen, weil Lieferungen ausbleiben oder umgeleitet werden.

Nächster kritischer Termin: offen

Nach der Verlängerung am 22. April hat Washington keinen neuen Ablauftermin kommuniziert. Washington macht eine weitere Verlängerung davon abhängig, dass Iran eine konkrete Verhandlungsposition vorlegt, am besten in Form einer Delegation nach Islamabad. Teheran hat bislang keine entsandt. Die IRGC hat die Sperrung der Hormusstraße nicht zurückgenommen. Für Schifffahrtsunternehmen und Ölhändler bedeutet das: Morgen entscheidet sich, ob der Angriff auf die Everglade ein isolierter Vorfall bleibt oder der Beginn einer langen Serie war.

Update 22. April, 15:05 Uhr: Am 20. April eskalierte die IRGC weiter. Zwei Revolutionsgarden-Schnellboote griffen den Tanker Sanmar Herald unter indischer Flagge an: Sie feuerten ohne Vorwarnung, Treffer beschädigten die Brückenfront, die Besatzung blieb unverletzt. Gleichzeitig versuchten die deutschen TUI-Kreuzfahrtschiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 ohne Passagiere die Straße von Hormus zu passieren. Die IRGC funkte die Brücke der Mein Schiff 4 an: 'Wir führen eine Operation durch, wir werden euch zerstören und versenken.' Der Kapitän blieb auf Kurs, beide Schiffe passierten die Meerenge erfolgreich. Die Vorfälle zeigen: Der Treffer auf die Everglade war kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer systematischen IRGC-Abschreckungsstrategie.

Update 22. April, 19:00 Uhr: Die Islamische Revolutionsgarde hat am Mittwochnachmittag zwei weitere Schiffe in der Straße von Hormus gekapert: die MSC Francesca, ein unter panamaischer Flagge fahrendes Containerschiff, das die IRGC als mit Israel verbunden bezeichnet, sowie die Epaminondas, ein liberianisches Frachtschiff auf dem Weg nach Indien. Die IRGC begründete die Beschlagnahmungen damit, beide Schiffe hätten gegen Seefahrtsregeln verstoßen und Navigationssysteme manipuliert. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO berichtete dagegen, die Schiffe seien ohne Vorwarnung unter Feuer genommen worden. Die Epaminondas hatte sogar zuvor ausdrücklich die Freigabe zur Durchfahrt erhalten. Ein drittes Schiff wurde in derselben Operation angegriffen und ist manövrierunfähig vor der iranischen Küste. Die Aktionen folgten unmittelbar nach Trumps Waffenruheverlängerung vom Vorabend und zeigen: Die IRGC betrachtet die Feuerpause nicht als Einschränkung ihrer Operationen in der Meerenge.

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