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International
Iran-Deal fast fertig: US-Navy beschießt Tanker

Iran-Deal fast fertig: US-Navy beschießt Tanker

Ein US-Kampfjet hat am 6. Mai den iranischen Tanker M/T Hasna im Golf von Oman beschossen und manövrierunfähig gemacht. Gleichzeitig verhandeln Washington und Teheran über eine Absichtserklärung zum Kriegsende, deren Kern ein Moratorium auf iranische Urananreicherung ist.

6. Mai 2026, 22:37 Uhr 808 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am 6. Mai feuerte ein US-Kampfjet Kanonenmunition auf den iranischen Tanker M/T Hasna im Golf von Oman und machte das Schiff manövrierunfähig. Zur gleichen Zeit berichten CNN und Axios, USA und Iran seien so nah an einer gemeinsamen Absichtserklärung zum Kriegsende wie seit dem 28. Februar nicht mehr. Im Zentrum steht ein Moratorium auf iranische Urananreicherung, über dessen Laufzeit beide Seiten noch verhandeln.

Das Papier auf einem Blatt

Laut Axios bereitet Washington ein einseitiges Memorandum of Understanding vor, das den Krieg formell beendet und eine dreißigtägige Verhandlungsphase eröffnet. In diesem Zeitfenster würde die Blockade der Straße von Hormus schrittweise aufgehoben. Das Dokument ist bewusst kurz gehalten: kein Friedensvertrag, keine Garantien, sondern eine Willenserklärung, die beide Seiten zum Verhandeln verpflichtet, ohne sie an ein Ergebnis zu binden.

Im Kern des Entwurfs steht ein Moratorium auf die Anreicherung von Uran. Iran hat nach Angaben der IAEA derzeit rund 408 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran gelagert. Das JCPOA-Abkommen von 2015 hatte den Vorrat auf 300 Kilogramm begrenzt und die Anreicherungsobergrenze auf 3,67 Prozent gesetzt. Trumps Forderung geht deutlich weiter: ein Moratorium von zwanzig Jahren. Teheran bietet fünf Jahre. CNN berichtet, zwölf bis fünfzehn Jahre seien aktuell im Gespräch.

Der zweite Tanker in der Blockade

Die M/T Hasna ist nicht der erste Fall. Seit die USA am 13. April die Blockade iranischer Häfen erklärten, versuchten einzelne Schiffe, die Kontrolle zu umgehen. Am 6. Mai gegen 14 Uhr UTC unternahm die M/T Hasna einen solchen Versuch im Golf von Oman, dem Gewässer östlich der Straße von Hormus. Nach wiederholten Funkwarnungen folgte ein F/A-18-Super-Hornet vom Träger USS Abraham Lincoln dem Tanker und beschoss dessen Ruderanlage mit 20-Millimeter-Kanone. Das Schiff blieb treiben; die Besatzung blieb nach verfügbaren Angaben unverletzt. Es war der zweite Fall, in dem die US-Marine einen Blockadeversuch durch Waffeneinsatz stoppte.

Die Aktion zeigt, dass die US-Marine auch während laufender Verhandlungen keine Ausnahmen macht. Trump äußerte sich nach dem Vorfall nicht spezifisch zur M/T Hasna, sprach aber weiter von "sehr guten Gesprächen" und "großartigen Fortschritten" mit Teheran.

Wie groß die Verhandlungslücke ist

Fünf gegen zwanzig Jahre: Dieser Unterschied ist mehr als eine Verhandlungsposition. Ein fünfjähriges Moratorium würde Iran erlauben, spätestens 2031 Anreicherungskapazitäten wieder aufzubauen, bevor die US-Regierung eine weitere vollständige Amtszeit abgehalten hätte. Ein zwanzigjähriges Moratorium würde die technische Infrastruktur so lange stilllegen, dass ein Wiederaufbau nahezu von Grund auf nötig wäre.

Offen ist zudem, was mit den 408 Kilogramm vorhandenen, auf 60 Prozent angereicherten Urans geschieht. Beim JCPOA 2015 hatte Washington darauf bestanden, den iranischen Vorrat auf 300 Kilogramm zu begrenzen und den Überschuss unter IAEA-Aufsicht ins Ausland zu überführen. Ob eine solche Bedingung im aktuellen Entwurf enthalten ist, haben weder Washington noch Teheran bestätigt. Ohne eine klare Regelung bliebe selbst bei Einigung ein erheblicher nuklearer Puffer in iranischer Hand.

Irans doppelspurige Kommunikation

Teherans Reaktionen verlaufen seit Wochen auf zwei parallelen Spuren. Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Iran sei bereit, seine Verteidigungsoperationen einzustellen, sobald die USA das Gleiche täten. Die Revolutionsgarden (IRGC) erklärten am 6. Mai, Schiffe könnten die Meerenge wieder passieren; konkrete Bedingungen nannten sie nicht. Trump bezeichnete das als "möglicherweise große Annahme", verwies aber auf das Ausbleiben formaler Zusagen.

Die eigentliche Entscheidungsgewalt liegt nicht bei Araghchi, sondern beim Obersten Führer Ali Khamenei. Dieser hat sich in den zurückliegenden Wochen nicht öffentlich zu den Verhandlungen geäußert. Westliche Analysten werten das als Signal, dass Khamenei die Gespräche nicht aktiv abbricht, aber auch keine Zusagen macht, die er öffentlich verantworten müsste.

Frist 7. Mai, Überprüfung 8. Mai

Trump hatte Teheran 48 Stunden für eine Antwort auf den US-Vorschlag eingeräumt; diese Frist läuft am 7. Mai ab. Am 8. Mai ist die formale Überprüfung der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe geplant.

Wenn Iran bis zum 7. Mai antwortet und die Laufzeit des Moratoriums hinreichend annähert, könnte das Memorandum noch diese Woche unterzeichnet werden. Die dreißigtägige Verhandlungsphase würde beginnen, die Blockade bliebe formal zunächst bestehen, würde aber schrittweise geöffnet. Für die rund 800 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten, die seit Wochen in Hormus festsitzen, wäre das eine erste Veränderung ohne Abschluss.

Kommt keine ausreichende iranische Antwort, hat Trump die Wiederaufnahme von Project Freedom angekündigt. Wie schnell die Lage dann wieder kippen würde, zeigte die Woche ab dem 4. Mai: vom Operationsstart über den Angriff auf die CMA CGM San Antonio bis zur Pause vergingen weniger als 48 Stunden.

Quellen (7)