DAX
S&P 500
NASDAQ
Dow Jones
MSCI World
Gold
Silber
Brent
BTC
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Alphabet
Meta
Berkshire
Broadcom
Tesla
TSMC
← Zurück zur Übersicht
International
Hormus erneut zu: 50 Nationen planen Marineeinsatz

Hormus erneut zu: 50 Nationen planen Marineeinsatz

Der Iran hat die Straße von Hormus erneut gesperrt, weniger als 24 Stunden nach der kurzen Öffnung. In Paris verständigten sich rund 50 Nationen auf eine Marineschutzmission, die ohne die USA auskommen müsste.

18. April 2026, 10:32 Uhr 722 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Der Iran hat die Straße von Hormus am 18. April erneut gesperrt, keine 24 Stunden nachdem die Revolutionsgarden sie für Handelsschiffe freigegeben hatten. Gleichzeitig trafen sich in Paris rund 50 Nationen, um eine gemeinsame Marineschutzmission zu planen. Das strukturelle Problem trat dabei offen zutage: Die Koalition fordert freie Durchfahrt nach internationalem Seerecht, während Washington gleichzeitig eine eigene Seeblockade iranischer Häfen aufrechthält, die Teheran als Hauptauslöser der erneuten Sperrung nennt.

Die 34 Kilometer, von denen die Welt abhängt

Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel Rohöl die nur 34 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Hinzu kommt ein großer Anteil des globalen Flüssiggastransports. Eine kurze Öffnung am 17. April reichte bereits aus, um den Rohölpreis um 16 Prozent zu drücken. Die Freude dauerte weniger als einen Tag.

Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf begründete die erneute Schließung auf der Plattform X mit der fortgesetzten US-Seeblockade iranischer Häfen: „Die Straße von Hormus wird nicht offen bleiben, solange die Blockade andauert.“ Die Revolutionsgarden weiteten die Drohung umgehend aus: Bei anhaltender US-Blockade könnten auch der Persische Golf, das Oman-Meer und das Rote Meer gesperrt werden.

Die Pariser Koalition und ihr strukturelles Problem

In Paris kamen am 17. April rund 50 Nationen und internationale Organisationen zusammen, darunter mehr als 30 Staatsoberhäupter und Regierungschefs persönlich. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer hatten eingeladen. Starmer warf dem Iran vor, „die Weltwirtschaft als Geisel zu nehmen“. Macron formulierte die Kernforderung: „Die Wiederherstellung der Bedingungen freier Durchfahrt und die uneingeschränkte Einhaltung des Seerechts.“

Die geplante Marineschutzmission soll nach Macrons Worten „streng defensiv“ sein und Minenräumung sowie Begleitschutz für Handelsschiffe umfassen. Mehr als ein Dutzend Länder haben Marinekräfte angeboten. Deutschland erklärte die Bereitschaft, Minenjagdboote und ein Begleitschiff zu entsenden.

Doch ein offener Streit innerhalb der Koalition dämpft die Handlungsfähigkeit: Bundeskanzler Friedrich Merz bestand auf US-amerikanischer Beteiligung und einem UN-Sicherheitsratsmandat als Voraussetzung für deutsches Engagement. Macron hingegen schloss explizit „kriegsführende Länder“ aus seiner Mission aus, womit er sowohl die USA als auch den Iran gemeint haben dürfte. Eine Mission gegen eine von Iran blockierte Meerenge, ohne das Land, das die Gegenblockade betreibt, steht damit vor einer Grundsatzfrage.

Der Knoten: Zwei inkompatible Blockaden

Die eigentliche Ursache der Pattstellung liegt in zwei gleichzeitig laufenden Blockaden. Der Iran sperrt die Straße von Hormus für internationale Schifffahrt. Die USA blockieren ihrerseits iranische Häfen mit einer eigenen Seeblockade, die Washington nach eigener Darstellung bis zur „vollständigen Erfüllung der Abkommen mit Iran“ aufrechterhalten will. Solange Washington die eigene Blockade nicht aufhebt, hat Teheran keinen Anreiz, Hormus dauerhaft zu öffnen.

US-Außenminister Marco Rubio forderte Europa gleichzeitig auf, „sofort Entscheidungen über zusätzliche Iransanktionen zu treffen“, weil Teheran nach US-Einschätzung einer Atomwaffenfähigkeit näherkäme. Damit entsteht ein Widerspruch: Die europäischen Länder sollen einerseits eine Marineschutzmission ohne die USA betreiben und andererseits die US-Sanktionspolitik verlängern. Wie das zusammengehen soll, blieb in Paris offen.

Drei Tage bis zum Ablauf der Waffenruhe

Die aktuelle Situation hängt an einem engen Zeitfenster. Die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran, auf der die kurzfristige Öffnung am 17. April basierte, läuft am 21. April aus. Eine zweite Verhandlungsrunde in Islamabad unter pakistanischer Vermittlung hat noch keinen bestätigten Termin. Der Grundstreit bleibt ungelöst: Die USA fordern ein 20-jähriges Moratorium für Irans Atomprogramm, Teheran bietet maximal fünf Jahre.

Für die globalen Energiemärkte bedeutet diese Instabilität extreme Preisschwankungen. Brent-Rohöl pendelt seit Wochen zwischen 100 und 120 US-Dollar pro Barrel. Jede Einigung in Islamabad könnte den Preis erneut um zweistellige Prozentsätze drücken. Bei einem Scheitern der Gespräche und einer dauerhaften Schließung der Meerenge rechnen Analysten mit Preisen von über 150 Dollar pro Barrel. Die Internationale Energieagentur hat bereits vor Kerosinrationierungen an europäischen Flughäfen gewarnt. Drei Tage bleiben bis zur nächsten Zäsur.

Weitere Artikel

International

Iran rüstet auf, Waffenruhe endet Mittwoch

Noch während die USA und Iran verhandelten, hat Teheran seine Raketenlager aufgefüllt und droht mit einer zweiten Front über die Houthi-Miliz im Jemen. Am Mittwochabend läuft die Waffenruhe aus, ohne dass eine Einigung in Sicht ist.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
International

EU-Kredit für Ukraine: Ungarn fordert Ölfluss

Neunzig Milliarden Euro für die Ukraine stecken im Patt zwischen Budapest und Kiew. Ungarn will das Veto erst aufheben, wenn die Druschba-Pipeline wieder Öl liefert. Die Ukraine will das Öl erst liefern, wenn das Veto fällt. Die EU will am Mittwoch abstimmen.

8 Quellen 5 Min. Lesezeit
Politik

Merz: Gesetzliche Rente reicht für Lebensstandard nicht

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte heute beim Jahresempfang der deutschen Banken, die gesetzliche Rente werde nur noch Basisabsicherung sein und nicht mehr ausreichen, den Lebensstandard zu sichern. Das Rentenniveau von 48 Prozent ist bis 2031 gesetzlich garantiert. Danach ist offen, ob es fällt.

9 Quellen 4 Min. Lesezeit
Gesellschaft

PKS 2024: 13.320 Vergewaltigungen und Rekordhoch bei politischer Gewalt

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 zeigt zwei Rekordwerte: Sexualübergriffe erreichten mit 13.320 erfassten Fällen den sechsten Höchststand in Folge, politisch motivierte Straftaten stiegen um 40 Prozent auf den höchsten Stand seit 2001. Die angekündigten Gesetze greifen an anderer Stelle als die größten Problemfelder.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Israel-Libanon: Trumps Waffenruhe auf wackeligem Boden

Trump verkündete eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon, die um 23 Uhr MESZ beginnen sollte. Netanyahus Sicherheitskabinett erfuhr davon, während es noch über den Schritt beriet. Die Hisbollah hat der Waffenruhe nicht zugestimmt.

15 Quellen 5 Min. Lesezeit
Unterstütze uns!