Hormus erneut zu: 50 Nationen planen Marineeinsatz
Der Iran hat die Straße von Hormus am 18. April erneut gesperrt, keine 24 Stunden nachdem die Revolutionsgarden sie für Handelsschiffe freigegeben hatten. Gleichzeitig trafen sich in Paris rund 50 Nationen, um eine gemeinsame Marineschutzmission zu planen. Das strukturelle Problem trat dabei offen zutage: Die Koalition fordert freie Durchfahrt nach internationalem Seerecht, während Washington gleichzeitig eine eigene Seeblockade iranischer Häfen aufrechthält, die Teheran als Hauptauslöser der erneuten Sperrung nennt.
Die 34 Kilometer, von denen die Welt abhängt
Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel Rohöl die nur 34 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Hinzu kommt ein großer Anteil des globalen Flüssiggastransports. Eine kurze Öffnung am 17. April reichte bereits aus, um den Rohölpreis um 16 Prozent zu drücken. Die Freude dauerte weniger als einen Tag.
Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf begründete die erneute Schließung auf der Plattform X mit der fortgesetzten US-Seeblockade iranischer Häfen: „Die Straße von Hormus wird nicht offen bleiben, solange die Blockade andauert.“ Die Revolutionsgarden weiteten die Drohung umgehend aus: Bei anhaltender US-Blockade könnten auch der Persische Golf, das Oman-Meer und das Rote Meer gesperrt werden.
Die Pariser Koalition und ihr strukturelles Problem
In Paris kamen am 17. April rund 50 Nationen und internationale Organisationen zusammen, darunter mehr als 30 Staatsoberhäupter und Regierungschefs persönlich. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer hatten eingeladen. Starmer warf dem Iran vor, „die Weltwirtschaft als Geisel zu nehmen“. Macron formulierte die Kernforderung: „Die Wiederherstellung der Bedingungen freier Durchfahrt und die uneingeschränkte Einhaltung des Seerechts.“
Die geplante Marineschutzmission soll nach Macrons Worten „streng defensiv“ sein und Minenräumung sowie Begleitschutz für Handelsschiffe umfassen. Mehr als ein Dutzend Länder haben Marinekräfte angeboten. Deutschland erklärte die Bereitschaft, Minenjagdboote und ein Begleitschiff zu entsenden.
Doch ein offener Streit innerhalb der Koalition dämpft die Handlungsfähigkeit: Bundeskanzler Friedrich Merz bestand auf US-amerikanischer Beteiligung und einem UN-Sicherheitsratsmandat als Voraussetzung für deutsches Engagement. Macron hingegen schloss explizit „kriegsführende Länder“ aus seiner Mission aus, womit er sowohl die USA als auch den Iran gemeint haben dürfte. Eine Mission gegen eine von Iran blockierte Meerenge, ohne das Land, das die Gegenblockade betreibt, steht damit vor einer Grundsatzfrage.
Der Knoten: Zwei inkompatible Blockaden
Die eigentliche Ursache der Pattstellung liegt in zwei gleichzeitig laufenden Blockaden. Der Iran sperrt die Straße von Hormus für internationale Schifffahrt. Die USA blockieren ihrerseits iranische Häfen mit einer eigenen Seeblockade, die Washington nach eigener Darstellung bis zur „vollständigen Erfüllung der Abkommen mit Iran“ aufrechterhalten will. Solange Washington die eigene Blockade nicht aufhebt, hat Teheran keinen Anreiz, Hormus dauerhaft zu öffnen.
US-Außenminister Marco Rubio forderte Europa gleichzeitig auf, „sofort Entscheidungen über zusätzliche Iransanktionen zu treffen“, weil Teheran nach US-Einschätzung einer Atomwaffenfähigkeit näherkäme. Damit entsteht ein Widerspruch: Die europäischen Länder sollen einerseits eine Marineschutzmission ohne die USA betreiben und andererseits die US-Sanktionspolitik verlängern. Wie das zusammengehen soll, blieb in Paris offen.
Drei Tage bis zum Ablauf der Waffenruhe
Die aktuelle Situation hängt an einem engen Zeitfenster. Die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran, auf der die kurzfristige Öffnung am 17. April basierte, läuft am 21. April aus. Eine zweite Verhandlungsrunde in Islamabad unter pakistanischer Vermittlung hat noch keinen bestätigten Termin. Der Grundstreit bleibt ungelöst: Die USA fordern ein 20-jähriges Moratorium für Irans Atomprogramm, Teheran bietet maximal fünf Jahre.
Für die globalen Energiemärkte bedeutet diese Instabilität extreme Preisschwankungen. Brent-Rohöl pendelt seit Wochen zwischen 100 und 120 US-Dollar pro Barrel. Jede Einigung in Islamabad könnte den Preis erneut um zweistellige Prozentsätze drücken. Bei einem Scheitern der Gespräche und einer dauerhaften Schließung der Meerenge rechnen Analysten mit Preisen von über 150 Dollar pro Barrel. Die Internationale Energieagentur hat bereits vor Kerosinrationierungen an europäischen Flughäfen gewarnt. Drei Tage bleiben bis zur nächsten Zäsur.