
Grönlands Arktis-Deal: Was die USA wirklich bekommen
Quellen (9)
- 20 Minuten – USA erhalten dauerhafte Militärrechte in Grönland20min.ch
- tagesschau – Abkommen USA Dänemark Grönlandtagesschau.de
- SRF – Streit um Grönland beendetsrf.ch
- Tages-Anzeiger – Durchbruch im Grönland-Streittagesanzeiger.ch
- Land der Dänen – Sicherheitsabkommen Grönland USAlandderdaenen.de
- Rhein-Zeitung – Durchbruch im Grönland-Streitrhein-zeitung.de
- FAZ – Dänemark und USA verkünden Durchbruchfaz.net
- t-online – Dänemark und USA einigen sich im Grönland-Streitt-online.de
- ZDF Heute – USA, Dänemark, Grönland: Abkommenzdfheute.de
Trump drohte monatelang, Grönland zu kaufen, zu annektieren oder es als „schlecht verwaltetes Eismassiv" zu beschreiben. Jetzt hat er bekommen, was er strategisch wollte: dauerhaften US-Militärzugang zur Arktis-Insel, ohne die formale Annexion, die international unmöglich gewesen wäre. Am 18. September 2026 verkündeten die USA, Dänemark und Grönland ein Sicherheitsabkommen. Unterzeichnet werden soll es in der kommenden Woche im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York. Zwei Parlamente müssen noch zustimmen.
Was das Abkommen Washington gibt
Das Abkommen gewährt den USA unbefristeten Zugang zu Grönland, Stationierungsrechte und Überflugrechte sowie das Recht, weitere Militäreinrichtungen zu errichten. China, Russland und Staaten außerhalb der NATO werden ausdrücklich von militärischen Aktivitäten auf der Insel ausgeschlossen. Die USA erhalten außerdem Mitsprache bei sicherheitsrelevanten Investitionen aus Drittstaaten.
Was das Abkommen nicht enthält: eine Übertragung der Souveränität an die USA. Grönland bleibt Teil des dänischen Königreichs und behält das Recht auf Selbstbestimmung. Besonders aufschlussreich ist eine Klausel, die Washingtons Interesse an dauerhafter Kontrolle dokumentiert: Das Abkommen soll auch dann in Kraft bleiben, wenn Grönland in Zukunft unabhängig wird.
US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete das Ergebnis als „historischen Erfolg" und betonte, das Abkommen koste US-Steuerzahler nichts. Dänische Premierministerin Mette Frederiksen sprach von einem Ergebnis, „das gut für die NATO und Europa" sei und das Souveränitätsrecht des grönländischen Volkes ausdrücklich anerkenne. Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen erklärte, das Abkommen „anerkenne Grönlands Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit".
Warum Washington Grönland nie loslässt
Grönland ist für die USA mehr als ein abgelegenes Polargebiet. Die Insel liegt an der Schnittstelle von Nordatlantik und Arktischem Ozean. Auf ihr befindet sich bereits die Pituffik Space Base, ein unverzichtbarer Bestandteil des amerikanischen Raketenfrühwarnsystems. Der Klimawandel öffnet arktische Seewege, die für Handelsschifffahrt und Militärschifffahrt zunehmend nutzbar werden.
China und Russland investieren massiv in arktische Infrastruktur. Für Washington ist Grönland eine strategische Position, keine Insel. Das erklärt, warum Trump trotz der international unmöglichen Annexionsdrohungen seit 2025 nicht nachließ: Die strategischen Ziele konnten durch ein Abkommen weitgehend erreicht werden, ohne Verfassungsbruch und ohne NATO-Krise.
Im Hintergrund steht auch die Rohstofffrage. Grönland verfügt über erhebliche Vorkommen an Seltenen Erden, die für Halbleiter und Rüstungstechnologie benötigt werden. Das Abkommen regelt das nicht explizit, aber Washington weiß, dass militärische Präsenz auch wirtschaftliche Einflussmöglichkeiten sichert.
Grönland zwischen Unabhängigkeit und Abhängigkeit
Das Abkommen spiegelt das Dilemma, in dem Grönland seit Beginn der Trump-Krise steckte. Die Insel will Unabhängigkeit von Dänemark, aber nicht als 51. US-Territorium. Nielsens Regierung hatte diesen Unterschied von Beginn an betont. Noch im Mai 2026 hatte sein Vorgänger als klare Position formuliert: Grönland stehe nicht zum Verkauf. Die Unterzeichnung eines dauerhaften Militärabkommens ist das Gegenteil dieser Position, wenn auch kein formaler Eigentumstransfer.
Der Unterschied zwischen dem, was Trump ursprünglich forderte und dem, was er bekommt, ist juristisch bedeutsam. Strategisch ist er kleiner als er klingt. Die USA können dauerhaft Truppen stationieren, Flugzeuge überfliegen lassen, neue Einrichtungen bauen und Investitionen aus China oder Russland blockieren. Das ist operative Kontrolle, auch ohne Souveränitätstransfer.
Grönland erkauft sich mit dem Abkommen das Ende der Annexionsdrohungen. Zum Preis: Dauerhafte US-Militärrechte, die laut Vertragstext auch nach einer grönländischen Unabhängigkeitserklärung weitergelten. Eine zukünftige grönländische Regierung, die diese Rechte zurückfordern will, hätte keine einfache Vertragsgrundlage dafür. Dabei ist Grönland wirtschaftlich noch auf den dänischen Blockzuschuss von jährlich rund 3,4 Milliarden dänischen Kronen (etwa 450 Millionen Euro) angewiesen. Das Verhandlungsgewicht gegenüber Washington war begrenzt.
Unterzeichnung nächste Woche, dann zwei Parlamente
Die Unterzeichnung ist für die letzte Septemberwoche 2026 geplant, am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Bevor das Abkommen rechtlich bindend wird, müssen sowohl das dänische Folketing als auch das grönländische Inatsisartut zustimmen. In Kopenhagen gilt die Mehrheit als wahrscheinlich. Im Inatsisartut ist das Abstimmungsergebnis offener.
Trump hat mit diesem Abkommen seine wichtigste außenpolitische Drohung der zweiten Amtszeit ohne formale Annexion in eine dauerhafte strategische Position umgemünzt. Die Frage, wie Kopenhagen und Nuuk mit diesem Ergebnis langfristig leben, ist eine offene, für die nächsten Regierungen auf beiden Seiten des Atlantiks.
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