
Frankreich: Fast 1.000 Festnahmen bei Protesten
Quellen (9)
- Hunderttausende protestieren in Frankreich - neue Unruhen | tagesschau.detagesschau.de
- Landesweite Proteste - Erneut Ausschreitungen in Frankreich - laut Innenministerium fast 1.000 Festnahmendeutschlandfunk.de
- Manifestations du 24 octobre : "Le niveau de menace reste élevé", affirme Sébastien Lecornu, qui cible "l'ultragauche" et "la délinquance" – franceinfofranceinfo.fr
- Demonstrationen in Frankreich: Rund eine halbe Million Demonstranten, Zusammenstöße in mehreren Städten - Politik - SZ.desueddeutsche.de
- Frankreich: Hunderttausende demonstrieren - Gewalt am Abendberliner-zeitung.de
- CGT Finances publiques | 24 octobre 2026 : On continue !cgtfinancespubliques.fr
- Manifestations du 24 octobre : "Les cortèges se sont bien passés", estime le ministre de l'Intérieur, qui dénonce néanmoins la présence de "casseurs" – franceinfofranceinfo.fr
- Aktuelle Proteste in Frankreich: Lage verschärft sich am Abendzdfheute.de
- Paris: „Akt II“ des Protests hinter die Kulissen der Stadt verbannt - Politik - SZ.desueddeutsche.de
Nach Angaben des französischen Innenministeriums nahmen am Samstag landesweit rund 410.000 Menschen an Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und für eine bessere Ausstattung der Schulen teil, 110.000 davon in Paris; die Gewerkschaft CGT sprach von etwa 800.000 Demonstrierenden im ganzen Land. Innenminister Nuñez meldete vorläufig fast 1.000 Festnahmen im ganzen Land und erwartete einen weiteren Anstieg; in Toulouse und Clermont-Ferrand wurden zwei Menschen schwer verletzt.
Von Schulprotesten zu Protesten weiterer Gruppen
Seit Wochen demonstrieren in Frankreich Schüler und Studenten für eine bessere Ausstattung von Schulen, mittlerweile haben sich weitere Gruppen angeschlossen, die unter anderem gegen zu hohe Lebenshaltungskosten protestieren. Die empfangenen Schülervertreter zeigten sich insgesamt damit zufrieden, dass der Präsident ihnen zugehört habe, riefen aber bis zur Ankündigung konkreter Maßnahmen zu weiterer Mobilisierung auf.
Zwischen friedlichem Marsch und Randale
Der von Gewerkschaften organisierte Demonstrationszug in Paris war von den Behörden an den Stadtrand verlegt worden und verlief zunächst ruhig. Am Ende der Kundgebung setzten Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer ein; nach Angaben der Polizei tauchten dort mehrere Hundert Vermummte auf, auch Bilder aus Lyon, Bordeaux und Marseille zeigten Tränengaswolken. In Grenoble griffen laut Präfektur Isère fast 400 maskierte Personen im sogenannten Schwarzen Block Sicherheitskräfte mit Mörsern und Geschossen an und beschädigten Eigentum. In Nantes kam es laut zuständiger Präfektur zu Plünderungen in einem Geschäft, sechs Personen wurden festgenommen.
Wer für die Gewalt verantwortlich gemacht wird
Innenminister Nuñez erklärte, die genehmigten Protestzüge seien zunächst gut verlaufen, die Einsatzkräfte seien später jedoch mit einem extrem erhöhten Maß an Gewalt von Militanten der extremen Linken konfrontiert gewesen. Premierminister Lecornu hatte schon am Freitag vor dem Protesttag von einer hohen Bedrohung durch die extreme Linke gesprochen, zugleich aber davor gewarnt, Demonstrierende und Regierungsgegner mit Menschen gleichzusetzen, die plünderten und zerstörten. Die Gewerkschaft CGT Finances publiques hatte bereits am 22. Oktober, vor dem Protesttag, der Regierung die alleinige politische Verantwortung für die Zunahme der Gewalt zugeschrieben, sowohl durch Polizeirepression als auch durch opportunistische Randalierer. Die Gewerkschaft kritisierte zudem, dass Minderjährige massenhaft in beschleunigte Gerichtsverfahren geschickt würden, teils unter nach ihrer Darstellung unmenschlichen Haftbedingungen im Gewahrsam von Bobigny. Laut tagesschau betrafen die berichteten Versammlungsverbote bestimmte Zonen und wurden mit befürchteten Ausschreitungen und Plünderungen nach den Vorfällen des vorherigen Wochenendes begründet. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die Versammlungsverbote und sprach von einer Entwicklung hin zu autoritären Praktiken.
Gericht weist Klagen gegen Macrons Äußerungen zurück
Der Conseil d'État hatte tags zuvor Klagen mehrerer Parteien und Verbände gegen Äußerungen Macrons zu Demonstrationsgenehmigungen zurückgewiesen; nach Auffassung der Richter belegten diese weder ein Verbot sämtlicher Demonstrationen noch eine entsprechende Anweisung an die Präfekten. Das Gericht erinnerte daran, dass die Präfekten für jede angemeldete Demonstration einzeln die tatsächlichen Gefahren für die öffentliche Ordnung beurteilen müssten.
Streiktag am 5. November
Die CGT bedauerte die zahlreichen Demonstrationsverbote und rief für den 5. November zu einem Streik- und Demonstrationstag auf. Die Gelbwesten-Bewegung kündigte für den 31. Oktober einen „3. Akt“ mit Kundgebungen und Sitzstreiks vor der Nationalversammlung und sämtlichen Rathäusern Frankreichs an; für den Freitag zuvor ist zudem eine sogenannte Casserolade mit Topfschlagen geplant. Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon, der an der Pariser Demonstration teilnahm, sagte, Präsident Macron müsse einsehen, dass sich die Proteste jede Woche wiederholen würden.
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