FDA lässt erste US-Plasmid-DNA-Immuntherapie gegen RRP zu
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FDA lässt erste US-Plasmid-DNA-Immuntherapie gegen RRP zu

Die FDA hat eine neue Immuntherapie gegen die seltene, wiederkehrende Papillomatose der Atemwege zugelassen, die erste auf Basis von Plasmid-DNA in den USA. Sie soll Erwachsenen mit der chronischen Erkrankung künftig häufiger eine Operation ersparen.

Quellen (8)
  1. FDA Approves Voceryq, First Plasmid DNA Immunotherapy for Recurrent Respiratory Papillomatosis | Contagion Livecontagionlive.com
  2. FDA Approves First Plasmid DNA-Based Immunotherapy for Adults With RRP | AJMCajmc.com
  3. FDA Clears Voceryq as First Plasmid DNA Immunotherapy for Recurrent Respiratory Papillomatosistechtimes.com
  4. Voceryq Gains FDA Accelerated Approval for Recurrent Respiratory Papillomatosis | HCPLivehcplive.com
  5. FDA Grants Accelerated Approval to Inovio DNA Immunotherapy for RRP | BioPharm Internationalbiopharminternational.com
  6. Amin et al., The Laryngoscope: DNA Immunotherapy (INO-3107) Long-Term Efficacy Supported by Enhanced Immunogenicity in HPV-6/11 RRPdoi.org
  7. Baali et al., Journal of Voice: The Efficacy and Safety of Systemic Treatment for Managing Recurrent Respiratory Papillomatosis: A Systematic Review and Meta-analysisdoi.org
  8. FDA Approves Voceryq® for Adults with Recurrent Respiratory Papillomatosis — Recurrent Respiratory Papillomatosis Foundation | RRPFrrpf.org
5. November 2026, 3:38 Uhr773 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Voceryq von Inovio Pharmaceuticals am 30. Oktober 2026 beschleunigt zugelassen, um die Häufigkeit operativer Papillomentfernungen bei Erwachsenen mit wiederkehrender Papillomatose der Atemwege zu verringern. Die FDA gewährte Voceryq auch die Einstufungen Breakthrough Therapy und Orphan Drug. Die Entscheidung setzt an einer Krankheit an, die manche Betroffene über Jahrzehnte begleitet.

Eine Krankheit, die Jahrzehnte dauern kann

Laut TechTimes leben derzeit etwa 14.000 Erwachsene in den USA mit aktiver RRP, mit rund 1.800 neuen Diagnosen pro Jahr. Ausgelöst wird die Erkrankung durch eine anhaltende Infektion der Atemwege mit den humanen Papillomaviren vom Typ 6 und 11, die gutartige, aber hartnäckige warzenähnliche Wucherungen an Kehlkopf und Stimmbändern bilden. Eine Operation kann die Papillome entfernen, heilt die Erkrankung aber nicht: Das Virus kann im Gewebe bleiben und lässt die Wucherungen häufig zurückkehren. Patienten mit aktiver Erkrankung unterziehen sich deshalb teils über Jahrzehnte mehrfach jährlich Operationen, die mit jedem Eingriff das Risiko von Kehlkopfvernarbungen und bleibenden Stimmschäden erhöhen.

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Zwei Plasmide und Elektroporation

Voceryq liefert zwei DNA-Plasmide: Eines kodiert Antigene der Virustypen HPV-6 und HPV-11, das andere das immunverstärkende Zytokin Interleukin-12. Verabreicht wird die Mischung intramuskulär mit dem Gerät CELLECTRA 5PSP, das durch kurze elektrische Impulse die Aufnahme der DNA in die Zellen unterstützt, ein Verfahren namens Elektroporation. Das Behandlungsschema umfasst vier Injektionen über neun Wochen; eine zusätzliche Papillomentfernung ist in diesem Zeitraum laut Protokoll nicht erforderlich. Vor Beginn dieses Schemas entfernten Ärzte nach dem Behandlungsstandard sichtbare Papillome operativ.

Was die Zulassungsstudie RRP-001 zeigt

Nach Angaben von BioPharm International bildeten 26 der 32 behandelten Patienten die für die Zulassung ausgewertete Gruppe. Diese 26 Patienten hatten im Jahr vor Behandlungsbeginn mindestens drei Operationen durchlaufen. Sie hatten im Jahr vor der ersten Dosis im Median 4,5 Operationen hinter sich. In dieser Gruppe erreichten 7 von 26 Patienten ein vollständiges Ansprechen, definiert als keine weitere Operation binnen eines Jahres. Das entspricht 27 Prozent der ausgewerteten Gruppe. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reicht von 12 bis 48 Prozent. Die Studie hatte keinen Kontrollarm; die FDA stützte die Zulassung auf die Verringerung der Operationshäufigkeit als intermediären klinischen Endpunkt, den sie für hinreichend wahrscheinlich geeignet hält, einen klinischen Nutzen vorherzusagen. Der Hersteller erklärte, ein solches Ergebnis sei im unbehandelten Krankheitsverlauf nicht zu erwarten, nannte in seiner Mitteilung jedoch weder eine Vergleichsgruppe noch einen statistischen p-Wert. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählten laut AJMC Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bluthochdruck, Übelkeit und Schwindel. Häufige Ereignisse der Grade 4 oder 5 traten nicht auf.

Zwei Jahre später: weiterhin weniger Operationen

Eine Auswertung von Amin und Kollegen im Fachjournal The Laryngoscope, veröffentlicht am 30. Oktober 2026, verfolgte einen Teil der Patienten über die ursprüngliche Nachbeobachtung hinaus. Die mittlere jährliche Operationszahl sank von 4,1 vor der Behandlung auf 1,7 im ersten Jahr. Im zweiten Jahr lag der Wert bei 0,9 Operationen pro Jahr. Bei 73 Prozent der 26 im Jahr 1 auswertbaren Patienten zeigten sich anhaltend expandierte T-Zell-Populationen im Blut. Bei 71 Prozent der 17 auswertbaren Patienten fanden sich höhere T-Zell-Klonzahlen im Gewebe aus Kehlkopf und Luftröhre. Behandlungsbezogene schwerwiegende Nebenwirkungen traten laut den Autoren nicht auf; sie selbst stufen die Beweiskraft ihrer Arbeit mit Evidenzgrad 3 ein.

Im Vergleich

Voceryq ist nicht die erste zugelassene RRP-Therapie: Bereits im August 2025 erhielt Precigens Papzimeos die reguläre FDA-Zulassung als Immuntherapie auf Basis eines adenoviralen Vektors gegen dieselben HPV-Typen. In Precigens zulassungsrelevanter Studie benötigten 18 von 35 Patienten im Jahr nach der Behandlung keine Operation mehr. Das entspricht 51 Prozent. Ein direkter Wirksamkeitsvergleich zwischen beiden Therapien ist wegen unterschiedlicher Studiendesigns und Patientengruppen nach Einschätzung von BioPharm International nicht möglich. Die Übersichtsarbeit wertete 35 Studien mit insgesamt 925 Patienten aus. Bei im Erwachsenenalter begonnener Erkrankung erreichte Bevacizumab eine gepoolte vollständige Remission von 44 Prozent. Bei im Jugendalter begonnener Erkrankung lag der Wert bei 60 Prozent; bei Bevacizumab insgesamt traten zudem Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Eiweiß im Urin und Nasenbluten auf.

Einordnung und Reaktionen

Die Zulassung beruht nach einer eigenen Einordnung von BioPharm International auf einer einarmigen Studie mit kleiner Wirksamkeitsgruppe, in der weniger als ein Drittel der Patienten ein vollständiges Ansprechen erreichte. Die Patientenorganisation Recurrent Respiratory Papillomatosis Foundation begrüßte Voceryq als zweite zugelassene RRP-Therapie in den USA, stellte aber klar: Die Zulassung beruhe auf einer verringerten Operationsbelastung und bedeute keine Heilung. Simon Best, außerordentlicher Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde an der Johns Hopkins University und einer der leitenden Prüfer von RRP-001, erklärte in einer Unternehmenspressemitteilung von Inovio, der Behandlungsstandard solle nach einer RRP-Diagnose rasch von Operationen zur Immuntherapie übergehen.

H2 Bestätigungsstudie als Zulassungsauflage

¶ Inovio muss der FDA bis Ende 2026 einen Protokollentwurf für die vorgeschriebene Bestätigungsstudie vorlegen, die den klinischen Nutzen bestätigen und beschreiben soll. Die FDA kann die Zulassung zurücknehmen, sollte die Bestätigungsstudie den dauerhaften, klinisch bedeutsamen Nutzen nicht bestätigen.

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