Nadeln in Süßigkeiten: Polizei warnt vor Martinstag
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Nadeln in Süßigkeiten: Polizei warnt vor Martinstag

Nach Halloween melden Polizeidienststellen bundesweit Fälle manipulierter Süßigkeiten, in Hameln wurde ein Kind leicht verletzt. Mehrere Fälle erwiesen sich als von Kindern selbst verursacht, der Zusammenhang der übrigen Funde bleibt unklar; die Herkunft einzelner Süßigkeiten lässt sich oft nur schwer ermitteln.

Quellen (9)
  1. POL-HM: Mehrere Fälle von manipulierten Süßigkeiten im Zuständigkeitsbereich der ... | Presseportalpresseportal.de
  2. Polizei warnt vor gefährlichen Halloween-Süßigkeiten | ndr.dendr.de
  3. POL-CE: Nadel in Halloween-Süßigkeit entdeckt | Presseportalpresseportal.de
  4. Nadeln in Halloween-Süßigkeiten – gefährlicher Internet-Trend? | BR24br.de
  5. dpa Mitteilung - Landtag Mecklenburg-Vorpommernlandtag-mv.de
  6. POL-MFR: (933) Weiterer Fall manipulierter Halloween-Süßigkeit - Kind räumt eigene ... | Presseportalpresseportal.de
  7. POL-NMS: 20261104-1-PDNMS-Manipulierte Süßigkeiten in Schacht-Audorf | Presseportalpresseportal.de
  8. LPI-SHL: Nachmeldung zu "Holzspieß in Schokoriegel" | Presseportalpresseportal.de
  9. Subject:udspace.udel.edu
5. November 2026, 4:13 Uhr760 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden nahm am 2. und 3. November drei Strafanzeigen wegen Nadeln in Schokoriegeln auf; betroffen waren Grünenplan, Coppenbrügge und Hameln. Die Polizei ermittelt wegen versuchter und vollendeter gefährlicher Körperverletzung und warnt mit Blick auf den anstehenden Martinstag vor dem Verzehr möglicherweise manipulierter Süßigkeiten. Sie empfiehlt, die gesammelten Süßigkeiten auf Einstichstellen, beschädigte Verpackungen und sonstige Auffälligkeiten zu prüfen und sie im Zweifel zu entsorgen.

Weitere Verletzte und Funde in Niedersachsen und Bremen

Auch anderswo in Niedersachsen kam es zu Verletzungen: In Bremervörde im Landkreis Rotenburg verletzte sich laut NDR ein neunjähriges Mädchen beim Verzehr eines Schokoriegels an der Zunge, in dem eine mindestens fünf Zentimeter lange Stecknadel steckte. In Celle entdeckte ein 45 Jahre alter Mann eine Nadel in einem Riegel aus einer Halloween-Sammlung und blieb unverletzt, wie die Polizeiinspektion Celle mitteilte; wie der Gegenstand dorthin gelangte, war zunächst unklar. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf und bat darum, verdächtige Süßigkeiten samt Verpackung aufzubewahren und zu melden. Weitere Funde waren der Polizei unter anderem aus Bissendorf, Bremen-Walle, Edewecht, dem Landkreis Gifhorn, Hannover-Misburg, Hildesheim, Liebenburg und Salzgitter bekannt. Eine Frau gab bei der Polizei in Garbsen bei Hannover an, sie habe in einem bei Lidl gekauften Schokoriegel eine Nähnadel gefunden, obwohl weder Verpackung noch Riegel äußerlich auffällig gewesen seien; Lidl teilte mit, man nehme den Hinweis sehr ernst, stehe mit Ermittlern und Lieferanten in Kontakt und habe die betroffenen Produkte vor Ort aus dem Verkauf genommen.

28 Fälle in Bayern

Nach vorläufigen Zahlen des Bayerischen Landeskriminalamts wurden in Bayern rund um Halloween bislang 28 Fälle erfasst, wie BR24 berichtete. Eine vorläufige Auswertung des polizeilichen Vorgangsverwaltungssystems IGVP ergab laut dpa, dass die bayerische Polizei in den vergangenen drei Jahren lediglich drei solcher Fälle registriert hatte, in diesem Jahr aber bereits 25. Insgesamt wurden Fälle manipulierter Süßigkeiten neben Niedersachsen und Bremen auch aus Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen bekannt. Auch aus Österreich, Irland, Dänemark und Norwegen wurden Fremdkörperfunde bekannt; in Österreich seien laut der Nachrichtenagentur APA drei Bundesländer betroffen, in gesammelten Süßigkeiten seien Nägel entdeckt worden und ein Mädchen sei verletzt worden. Den österreichischen Behörden sind inzwischen 13 Fälle bekannt; Innenminister Gerhard Karner kündigte an, alles Menschenmögliche zur Aufklärung zu tun, eine eigens gegründete Ermittlungseinheit des Bundeskriminalamts stehe mit Europol und Deutschland in Kontakt. Inzwischen ermittelt auch Europol, während in Deutschland bislang jede Polizeidirektion eigenständig vorgeht; weder das Landeskriminalamt Niedersachsen noch das Bundeskriminalamt sehen sich zuständig. Schon im Vorjahr hatte eine Mutter in Kiel Rasierklingen in Halloween-Süßigkeiten ihrer Kinder entdeckt; laut NDR traten die Fälle damals aber nicht so gehäuft auf wie in diesem Jahr.

Eigenmanipulationen und offene Fragen zu den Ursachen

Nicht jeder gemeldete Fund geht auf unbekannte Täter zurück: In Nürnberg erstattete eine Mutter am 3. November Anzeige, weil sie in einem Schokoriegel ihres Kindes eine Nadel gefunden hatte; im Nachhinein gestand das Kind ihr, die Süßigkeit selbst manipuliert zu haben, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilte. Weil das Kind strafunmündig ist, leiteten die Beamten den Fall lediglich als Meldung an die Staatsanwaltschaft weiter; grundsätzlich erfülle das bewusste Vortäuschen einer Straftat gegenüber der Polizei aber einen Straftatbestand. Ähnliche Eigenmanipulationen räumten laut BR24 auch ein Junge in Eibelstadt im Landkreis Würzburg sowie ein neunjähriges Mädchen in Eicha im thüringischen Landkreis Hildburghausen ein, das einen Holzspieß selbst in einen Schokoriegel gesteckt hatte. Nach einem eindringlichen Gespräch mit seiner Tochter wollte der Vater in Eicha seine Anzeige zurücknehmen, wie die Landespolizeiinspektion Suhl mitteilte. Lisa Natter von der Kriminologischen Forschungsgruppe beim Bayerischen Landeskriminalamt sagte gegenüber der dpa, die Vorkommnisse erinnerten an das aus dem englischsprachigen Raum bekannte Phänomen „Halloween Sadism“, einer modernen urbanen Legende, die als wahr erzählt werde, deren tatsächliches Ausmaß aber häufig nicht durch empirische Belege gedeckt sei. Einzelne Fälle wie die in Deutschland, Österreich, Irland, Dänemark und Norwegen würden dadurch aber nicht bestritten, betonte Natter. Der US-Soziologe Joel Best, der seine Auswertung US-amerikanischer Zeitungsberichte aus den Jahren 1958 bis 1984 später fortschrieb, fand keinen bestätigten Bericht über ein beim Halloween-Sammeln durch präparierte Süßigkeiten getötetes oder schwer verletztes Kind, betont aber ausdrücklich, dass er nicht beweisen könne, dass niemals ein Kind auf diese Weise getötet wurde. Eine systematische Forschung zu dem Phänomen gebe es nicht, auch weil kaum Täter ermittelt würden, erklärte Natter; Schlussfolgerungen zu Motiven blieben deshalb spekulativ. Ob ein Trend in sozialen Medien hinter der Häufung steckt, ist offen: Ein Sprecher der Polizei Essen geht davon aus, dass Täter die Anregung aus dem Internet hätten, einen dokumentierten Aufruf zu solchen Taten gibt es bislang aber nicht. Das Polizeipräsidium Mittelfranken appellierte an Eltern, mit ihren Kindern über Risiken möglicher Social-Media-Challenges zu sprechen.

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