FDA lässt Dostarlimab bei Rektumkarzinom-Subtyp zu
Good News

FDA lässt Dostarlimab bei Rektumkarzinom-Subtyp zu

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Dostarlimab (Jemperli) beschleunigt für Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom im Stadium II/III mit durch einen von der FDA autorisierten Test nachgewiesenem MSI-H- oder dMMR-Status zugelassen, was manchen Betroffenen helfen könnte, Chemotherapie, Bestrahlung und Operation zu vermeiden. In einer Zwischenanalyse der Zulassungsstudie AZUR-1 hielten 68 Prozent der 144 Patienten mit mindestens zwölf Monaten Nachbeobachtung nach Prüfarztbewertung ein Jahr lang ein klinisches Komplettansprechen.

Quellen (8)
  1. A New Immunotherapy Could Help Some Rectal Cancer Patients Avoid Surgery, Chemotherapy, and Radiationtime.com
  2. BLA 761174/S-015 ACCELERATED APPROVAL GlaxoSmithKline, Limited Liability Companyaccessdata.fda.gov
  3. HIGHLIGHTS OF PRESCRIBING INFORMATION ---------------------- DOSAGE FORMS AND STRENGTHS---------------------- These highlights do not include all the informatioaccessdata.fda.gov
  4. Jemperli (dostarlimab) data show 76% of patients with MSI-H/dMMR locally advanced rectal cancer achieved a complete response | GSKgsk.com
  5. ClinicalTrials.gov / Sponsor GSK: A Study of Dostarlimab in Untreated dMMR/MSI-H Locally Advanced Rectal Cancer (AZUR-1)clinicaltrials.gov
  6. Annals of Oncology / Andrea Cercek et al.: Clinical Complete Response with Dostarlimab Monotherapy in dMMR/MSI-H Locally Advanced Rectal Cancer: First Results from the Global AZUR-1 Trialdoi.org
  7. New England Journal of Medicine / Andrea Cercek et al.: Nonoperative Management of Mismatch Repair–Deficient Tumorsdoi.org
  8. Frontiers in Oncology / Nan Yao et al.: Organ preservation after neoadjuvant immunotherapy in mismatch repair-deficient colorectal cancer: response assessment, watch-and-wait, and salvage surgerydoi.org
29. Oktober 2026, 11:33 Uhr538 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Wie das Magazin TIME berichtet, erfolgte die Zulassung von Dostarlimab unter dem Namen Jemperli am 19. Oktober. Die Behörde genehmigte den Ergänzungsantrag nach 21 CFR 601.41. Jemperli ist ein monoklonaler Antikörper, der den PD-1/PD-L1-Signalweg blockiert und so die körpereigene Immunantwort freisetzt.

Die bisherige Standardbehandlung von lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom besteht aus Chemotherapie, Bestrahlung und Operation, die laut dem Hersteller GSK bleibende Folgen wie Darm-, Harnwegs- und Sexualfunktionsstörungen, sekundäre Krebserkrankungen und Unfruchtbarkeit nach sich ziehen kann. Der nun zugelassene Tumortyp, bei dem Krebszellen DNA-Schäden nicht richtig reparieren können, macht laut TIME 5 bis 10 Prozent der Rektumkarzinome aus. Hesham Abdullah, Leiter der onkologischen Forschung und Entwicklung bei GSK, erklärte laut Mitteilung, dass es für manche Patienten nun möglich sein könnte, Chemotherapie, Bestrahlung und Operation zu vermeiden. Dostarlimab ist bereits für Gebärmutterschleimhautkrebs mit denselben Mutationen zugelassen und kostet bei Selbstzahlung 10.000 bis 12.000 Dollar pro Dosis; der Hersteller bietet aber ein Programm an, das diese Kosten für manche Patienten übernimmt.

rektumkrebs

Was die Studie AZUR-1 zeigt

Die Studie AZUR-1 ist eine offene, einarmige Phase-2-Studie mit Dostarlimab als alleiniger Behandlung bei zuvor unbehandeltem dMMR/MSI-H-Rektumkarzinom im Stadium II/III. Nach Angaben von ClinicalTrials.gov wurden tatsächlich 154 Patienten eingeschlossen. In einer im Fachjournal Annals of Oncology veröffentlichten Zwischenanalyse mit Datenstichtag 20. April 2026 erreichten von 144 Patienten mit mindestens 12 Monaten Nachbeobachtung 68 Prozent ein nach Prüfarztbewertung über 12 Monate anhaltendes klinisches Komplettansprechen. Von den Patienten, die nach alleiniger Dostarlimab-Behandlung operiert wurden, erreichten 12 von 15 Patienten (80 Prozent) ein pathologisches Komplettansprechen; kombiniert mit dem klinischen Ansprechen kamen die Studienautoren auf eine Rate von 76 Prozent. 98 Prozent der Patienten mit klinischem Komplettansprechen hielten dieses mindestens 12 Monate. Bei Patienten mit klinischem oder pathologischem Komplettansprechen wurden keine Rückfälle berichtet. Schwere immunvermittelte Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten bei 4 der ausgewerteten Patienten (3 Prozent) auf.

Das rezidivfreie Überleben der erweiterten Kohorte mit 50 Patienten lag nach zwei Jahren bei 96 Prozent.

Wie belastbar sind die Daten?

Die Zulassung ist vorläufig: Die FDA verlangt den Abschluss der Bestätigungsstudie AZUR-1 bis Oktober 2029 und deren Abschlussbericht bis Juli 2030, mit Daten zu Organerhalt und Rückfällen nach drei Jahren sowie zum Überleben nach fünf Jahren. Bestätigt sich der Nutzen nicht oder wird die Studie nicht mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt, kann die Behörde die Zulassung zurücknehmen; das langfristige Rückfallrisiko ist laut Fachinformation unbekannt. Auch GSK selbst räumt ein, dass die unabhängig zentral beurteilten Daten zum primären Endpunkt noch nicht ausgereift sind: Zum Analysezeitpunkt hatten erst 47 Prozent der dafür auswertbaren Patienten (54 von 116) ein mindestens 12 Monate anhaltendes Ansprechen erreicht. Laut den Studienautoren liegt der Unterschied daran, dass die unabhängige zentrale Bewertung das erste klinische Komplettansprechen später feststellte als die Prüfärzte. Die Autoren einer Übersichtsarbeit in Frontiers in Oncology, die ihre Arbeit selbst als narrative und nicht systematische Übersicht bezeichnen, empfehlen, den Ansatz vorerst auf erfahrene, multidisziplinäre Programme mit zuverlässiger Nachsorge und der Möglichkeit rechtzeitiger rettender Operation zu beschränken.

Woran der Einsatz laut den Autoren gebunden sein sollte

Die Übersichtsarbeit empfiehlt zudem eine sorgfältige molekulare Bestätigung, eine standardisierte multimodale Beurteilung und eine informierte Beteiligung der Patienten; rechtzeitige rettende Behandlung sollte bei erneutem Tumorwachstum möglich sein. Parallel dazu laufen laut GSK bereits in mehreren Ländern über die Initiative Project Orbis weitere behördliche Prüfungen der Zulassung.

Kommentare