
EZB lässt Leitzinsen unverändert
Quellen (11)
- Monetary policy statementecb.europa.eu
- EZB belässt Leitzins bei 2,5 Prozent - Heidenheimer Zeitunghz.de
- Monetary policy decisionsecb.europa.eu
- Annual inflation up to 3.8% in the euro area - Euro indicators - Eurostatec.europa.eu
- Geldpolitik: EZB lässt Leitzins trotz hoher Inflation vorerst stabil - DER SPIEGELspiegel.de
- Geldpolitische Beschlüsseecb.europa.eu
- Europäische Zentralbank hält Leitzins unverändert | tagesschau.detagesschau.de
- The euro area bank lending survey - Third quarter of 2026ecb.europa.eu
- Geldpolitik: EZB belässt Leitzins trotz erhöhter Inflation bei 2,5 Prozent - WELTwelt.de
- EZB-Inflationsziel: Mittelstand zweifelt an Zwei-Prozent-Markewiwo.de
- EZB-Zinsentscheid: Keine Zinserhöhung trotz Inflationzdfheute.de
Die Entscheidung, die drei Leitzinsen unverändert zu lassen, fiel in Frankfurt; betroffen ist auch der laut dpa für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins. Noch im September hatte der EZB-Rat die drei Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben, der Einlagensatz stieg damals auf 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,90 Prozent. Die Inflation im Euroraum stieg laut der Veröffentlichung von Eurostat im September auf 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August.
Energiepreise treiben die Teuerung
Die Energiepreisinflation im Euroraum erhöhte sich im September auf 18,9 Prozent, nach 14,3 Prozent im August. Diesel und Benzin erreichten dabei laut EZB neue Höchststände, was teilweise erhöhte Raffineriemargen widerspiegelte. Die Inflation ohne Energie stieg im selben Zeitraum auf 2,3 Prozent nach 2,1 Prozent, während die Dienstleistungsinflation von 3,0 auf 3,2 Prozent zulegte. In Deutschland kosteten Waren und Dienstleistungen im September 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, die höchste Teuerungsrate seit rund drei Jahren, wie der SPIEGEL berichtet.
Wie die EZB ihre Entscheidung begründet
Die Energiepreise seien weiter gestiegen, erklärte der EZB-Rat in seinen geldpolitischen Beschlüssen vom 29. Oktober 2026. Während der Energieschock seine volle Wirkung noch entfalte, sei die zugrunde liegende Inflation bislang weitgehend stabil geblieben und die Löhne zeigten keine wesentliche Reaktion. Zugleich hätten sich die Finanzierungsbedingungen seit der vorigen Sitzung verschärft, was Inflation und Wachstum dämpfen dürfte. Der EZB-Rat entscheidet nach eigenen Angaben datenabhängig von Sitzung zu Sitzung und legt sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad fest. Andreas Bley, Chefökonom der Volks- und Raiffeisenbanken, erklärte laut tagesschau, die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen hätten sich verschärft und die wirtschaftliche Stimmung habe sich zuletzt etwas eingetrübt. Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands BdB, sagte, die EZB könne nun abwarten, wie sich Preise und Konjunktur in den nächsten Wochen entwickeln.
Was Banken bereits spüren
Banken im Euroraum verschärften im dritten Quartal ihre Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite weiter, mit einem Nettosaldo von 9 Prozent, wie aus der Bankenumfrage der EZB vom 26. Oktober 2026 hervorgeht; als Hauptgründe nannten sie erhöhte Risikowahrnehmung und geringere Risikotoleranz. Der Nettosaldo der Nachfrage nach Unternehmenskrediten lag im selben Zeitraum bei minus 6 Prozent, nachdem Banken einen Anstieg erwartet hatten; als Hauptgrund nannten sie das allgemeine Zinsniveau. Die Umfrage erfasst Selbstauskünfte von 159 befragten Banken mit einer Antwortquote von 100 Prozent zu Entwicklungen im dritten Quartal 2026 und Erwartungen für das vierte Quartal 2026. Die EZB bekennt sich nach eigener Erklärung ausdrücklich zum Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Frist.
Wenige Stunden vor dem Zinsentscheid kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde laut SPIEGEL an, ihr Amt am 7. Februar 2027 vorzeitig niederzulegen, obwohl ihre Amtszeit regulär bis Oktober 2027 läuft. Lagardes Abgang macht den Weg für eine Paketlösung frei, die auch die Nachfolge von EZB-Direktorin Isabel Schnabel umfasst, die Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds wechselt. Auf der anschließenden Pressekonferenz stand laut tagesschau weniger die Zinsentscheidung im Mittelpunkt als Lagardes Rücktritt. An den Finanzmärkten wird für die Dezembersitzung eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwartet, falls die Inflation nicht abflaut. Auch die US-Notenbank Federal Reserve beließ ihren Leitzins am Vorabend in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent unverändert. Frankreichs Schuldenstand ist derweil laut ZDFheute auf einen Nachkriegsrekord von 119 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen; die Sorge der Anleger über die angespannte Haushaltslage hat die Renditen französischer Staatsanleihen erhöht und damit die Kreditaufnahme des Staates verteuert. Für solche Fälle steht der EZB mit dem Transmission Protection Instrument ein Programm zur Verfügung, mit dem sie unbegrenzt Staatsanleihen eines bedrängten Euro-Landes kaufen kann, sofern die steigenden Kosten nicht selbstverschuldet sind und die Märkte unverhältnismäßig reagieren.
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