
EZB-Chefin Lagarde tritt zum 7. Februar 2027 zurück
Quellen (7)
- ECB President Lagarde to step down on 7 February 2027ecb.europa.eu
- EZB-Chefin Christine Lagarde tritt im Februar von Amt zurückzdfheute.de
- EZB-Chefin Lagarde tritt im Februar vorzeitig zurück | tagesschau.detagesschau.de
- Christine Lagarde: EZB-Präsidentin tritt im Februar 2027 vorzeitig abhandelsblatt.com
- Joachim Nagel im Interview mit Le Monde: Inflation, Zinsen und Europas Zukunft | Deutsche Bundesbankbundesbank.de
- Interview with La Croixecb.europa.eu
- Christine Lagarde: The outsider who led the ECB her wayrte.ie
Die Ankündigung erfolgte am Donnerstag, wie die EZB mitteilte. Der EZB-Rat dankte ihr der Mitteilung zufolge herzlich und bereitete ihr eine lange stehende Ovation. Ihre Nachfolge wird laut EZB vom Europäischen Rat nach dem in Artikel 283 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union beschriebenen Verfahren bestimmt.
Lagardes achtjährige Amtszeit hatte am 1. November 2019 begonnen, wie ZDFheute berichtet.
Nachfolgeverfahren soll noch am Donnerstag beginnen
Das Nachfolgeverfahren soll einen reibungslosen Übergang an der EZB-Spitze gewährleisten, berichtet die tagesschau. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, der im EU-Vertrag vorgesehene Besetzungsprozess beginne jetzt und solle im Kreis der Staatschefs und Regierungschefs der Eurozone bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte eine zeitnahe Entscheidung an und sagte, Deutschland werde bei der Besetzung mehrerer zentraler EZB-Positionen sein Gewicht als größter Staat im Euroraum einbringen; Ziel sei eine breit getragene und verantwortungsvolle neue Führungsspitze der EZB. Der Eurogruppenchef und griechische Finanzminister Kyriakos Pierrakakis sagte, die Finanzminister würden nun schnell ihre Empfehlung zur Nachfolge vorbereiten.
Favoriten und weitere bevorstehende Spitzenposten
Als Favoriten für die Nachfolge gelten der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich leitet, berichtet ZDFheute. Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat sich für den Posten ins Spiel gebracht; ein Deutscher stand in der mehr als 25-jährigen Geschichte der Notenbank noch nie an der EZB-Spitze. Im September hatte Nagel in einem Interview mit Le Monde erklärt, jeder im EZB-Rat könne als hochqualifizierter Kandidat betrachtet werden und auch außerhalb des Rats gebe es starke Bewerber; letztlich entscheide die Politik. EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die ebenfalls Interesse an der Nachfolge angemeldet hatte, wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds nach Washington, wodurch ihre Stelle im sechsköpfigen EZB-Direktorium frei wird. Ab Juni 2027 braucht die Notenbank zudem einen neuen Chefökonomen, weil dann die Amtszeit von Philip R. Lane endet. Als wahrscheinlich gilt deshalb, dass auf europäischer Ebene ein ganzes Personalpaket verhandelt wird. Größtes Hindernis für einen Deutschen an der EZB-Spitze sei, dass bereits die Europäische Kommission von der Deutschen Ursula von der Leyen geführt werde.
Rücktrittszeitpunkt und Bilanz der Amtszeit
Im September hatte Lagarde in einem Interview mit der La Croix gesagt, sie schließe einen Abschied wenige Monate vor dem offiziellen Ende ihrer Amtszeit nicht aus, werde aber 2027 noch im Amt sein; ein vorzeitiger Abschied würde nur wenige Monate betreffen. Bereits im Februar 2026 hatte die Financial Times laut tagesschau berichtet, Lagarde wolle sich vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 zurückziehen, aus Sorge, eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen könnten die Wahl gewinnen und damit die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren. Laut RTÉ sehen Umfragen Le Pen vor der Wahl im kommenden Frühjahr vorn; Amtsinhaber Emmanuel Macron darf nicht erneut antreten. Paul De Grauwe, Professor an der London School of Economics, nannte den Zeitpunkt des Rücktritts eine Entwertung der Institution, die ausschließlich dem politischen Kalkül des französischen Präsidenten folge. Lagarde und Macron hätten darauf laut RTÉ nicht direkt geantwortet; Lagarde erklärte, nicht für die französische Präsidentschaft zu kandidieren, sich aber in der ihr am wirksamsten erscheinenden Funktion für proeuropäische Werte in Frankreich einsetzen zu wollen. Der Ökonom Willem Buiter, früher bei der Bank of England, bewertete Lagardes siebenjährige Amtszeit dagegen insgesamt als ziemlich gut und verwies darauf, dass die EZB die Inflation schneller zurückgeführt habe als vergleichbare Institutionen in Großbritannien und den USA. Der Stratege Frederik Ducrozet von Pictet Wealth Management sagte, Lagarde sei mit dem Auftrag angetreten, politischer als ihr Vorgänger zu agieren. Das sei ihr weitgehend gelungen.
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