
100 Millionen Dollar gegen Totgeburten: Uzima angekündigt
Quellen (8)
- Amid Mounting Global Health Crises, World Health Summit Closes in Berlin with New Commitmentsworldhealthsummit.org
- Gates Foundation and Wellcome Leap Commit $100 Million to Reduce Global Stillbirth Ratesgatesfoundation.org
- Jacqueline Dunkley-Bent, midwife: ‘Two million babies are stillborn every year worldwide, one every 17 seconds’ | Health | EL PAÍS Englishenglish.elpais.com
- Gates Foundation and Wellcome Leap Commit $100 Million to Reduce Global Stillbirth Rates | Wellcome Leap: Unconventional Projects. Funded at Scale.wellcomeleap.org
- Isthmin-2 is a first-trimester predictor of preeclampsia and fetal growth restriction - PMCpmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Barsha Gadapani Pathak et al. / BMJ Open: Mapping the evidence on stillbirth prevention across the reproductive continuum: an umbrella reviewdoi.org
- Maternal and fetal assessment update: imaging ultrasound before 24 weeks of pregnancywho.int
- New $100 Million Initiative To Halve Stillbirth Rates Launched By Gates And Wellcome Leap - Health Policy Watchhealthpolicy-watch.news
Die Ankündigung beim World Health Summit erfolgte am 12. Oktober 2026. Jede der beiden Organisationen stellt davon in den ersten drei Jahren 50 Millionen Dollar bereit, um vielversprechende Innovationen gegen Totgeburten zu identifizieren und zu validieren. Uzima soll die Innovationen zudem ausweiten, die Familien und Gesundheitsfachkräften helfen sollen, Risiken während Schwangerschaft und Geburt früher zu erkennen und auf Komplikationen zu reagieren. Die Zusage soll zunächst mit Partnern in Afrika südlich der Sahara beginnen.
Weltweit kommen laut Gates Foundation jährlich fast 2 Millionen Babys tot zur Welt, fast die Hälfte davon in Afrika südlich der Sahara. Die Zeitung EL PAÍS, die nach eigenen Angaben mit der Gates Foundation zusammenarbeitet, zitiert dazu die Hebamme Jacqueline Dunkley-Bent: Alle 17 Sekunden sterbe irgendwo ein Kind vor der Geburt. Rund 41 Prozent der betroffenen Frauen litten im folgenden Jahr an Depressionen, berichtet Dunkley-Bent. Die Prävention von Totgeburten bleibe in der Gesundheit von Müttern und Neugeborenen unterfinanziert und vernachlässigt, erklärten Gates Foundation und Wellcome Leap übereinstimmend.

Was Uzima testen will
Zu den vorgesehenen Innovationskategorien zählen laut Wellcome Leap biomarkerbasierte und bildgebende Diagnoseverfahren einschließlich Fundoskopie, die Komplikationen wie Präeklampsie und Schwangerschaftsdiabetes früher erkennen sollen. Hinzu kommen KI-gestützter Ultraschall, Sensoren und Überwachungstechnologien während der Geburt sowie KI-gestützte Entscheidungshilfen für Gesundheitskräfte und Lotsensysteme für Mütter und Familien. Ein erstes Innovationspaket soll bis Anfang 2027 feststehen, das erste teilnehmende Partnerland soll in den kommenden Monaten benannt werden.
Wie weit biomarkerbasierte Vorhersage inzwischen reicht, zeigt eine Analyse der Proteomdaten im Fall-Kohorten-Design aus der POPS-Kohorte von 4.512 Schwangeren ohne vorausgegangene Geburt, deren erste Blutprobe im Mittel bei 12,7 Schwangerschaftswochen genommen wurde. Unter 2.904 untersuchten Proteinen erwies sich ein niedriger Spiegel von Isthmin-2 im ersten Trimester als stärkstes Signal für spätere Präeklampsie oder fetale Wachstumsrestriktion, bestätigt in zwei weiteren unabhängigen Kohorten. Die Autoren selbst bezeichnen das Protein als möglichen Ansatzpunkt für die Vorhersage und Prävention von Präeklampsie und fetaler Wachstumsrestriktion, nicht als bereits nachgewiesene Wirkung.
Wie unterschiedlich gesichert die Evidenz zu einzelnen Maßnahmen der Totgeburtenprävention ist, zeigt eine im Mai 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu 116 systematischen Reviews über randomisierte und quasi-experimentelle Studien rund um Schwangerschaft und Geburt. Klaren Nutzen für die perinatale Sterblichkeit fanden die Autoren unter anderem bei ausgewogener Energie-Protein-Supplementierung, Hausbesuchen durch Gemeindegesundheitskräfte, Geburtseinleitung ab der 37. Woche und fachkundiger Geburtsbetreuung. Seltenere Vorsorgetermine als üblich waren dagegen mit einem möglichen Anstieg von Totgeburten oder perinataler Sterblichkeit verbunden. Für zahlreiche verbreitete Maßnahmen, von routinemäßigem Ultraschall bis zu Antibiotika gegen bakterielle Vaginose, blieb die Wirkung wegen ungenauer und uneinheitlicher Ergebnisse unklar. Die Autoren fordern deshalb gezielte Umsetzungsforschung und die Priorisierung bewährter Strategien gerade in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wo die Belastung am höchsten bleibt. Die Weltgesundheitsorganisation hat ihre Empfehlung zum Ultraschall vor der 24. Schwangerschaftswoche aktualisiert, eine von 49 Empfehlungen zur Schwangerschaftsvorsorge, weil dazu neue Evidenz vorlag.

Anita Zaidi, Präsidentin der Abteilung für Geschlechtergerechtigkeit bei der Gates Foundation, sagte beim Signature Event des World Health Summit, Künstliche Intelligenz solle Gesundheitskräften helfen, besonders gefährdete Schwangere sofort zu erkennen, aber keine klinischen Entscheidungen treffen. Zaidi räumte zugleich ein, dass die 100 Millionen Dollar für eine Ausweitung nicht reichten und viele weitere Partner nötig seien. Veronica Adamson von Wellcome Leap formulierte den Maßstab so: Entscheidend sei nicht, wie viele Geräte entwickelt würden, sondern wie viele Babys gesund mit ihren Familien nach Hause kämen. Ghanas Gesundheitsminister Kwabena Mintah Akandoh sagte, sinkende externe Mittel dürften die Verantwortung der eigenen Regierung gegenüber der Bevölkerung nicht schmälern, das sei eine Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen.
Im Vergleich: Nigeria, Deutschland, Japan
Wie groß die Unterschiede zwischen Ländern sind, machten Podiumsteilnehmende beim World Health Summit deutlich: Nigerias Totgeburtenrate liegt siebenmal so hoch wie die deutsche Rate von 4,3 je 1000 Geburten und 14-mal so hoch wie die japanische. Ohne dringendere Maßnahmen summieren sich laut einer Prognose für den Zeitraum 2020 bis 2030 weltweit 15,9 Millionen Totgeburten, fast die Hälfte davon in Afrika südlich der Sahara. 56 Länder würden dann das WHO-Ziel von höchstens 12 Totgeburten im dritten Trimester je 1000 Geburten bis zum Jahrzehntende verfehlen. Uzima konzentriert sich auf die Umgebungen mit der höchsten Belastung, auch wenn viele der untersuchten Innovationen zugleich in Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen anwendbar sein sollen, besonders in unterversorgten und ressourcenarmen Gemeinden.
Erstens rufen Gates Foundation und Wellcome Leap selbst Investoren, Philanthropien und Regierungen zur Beteiligung auf. Zweitens sollen teilnehmende Länder das Programm mitgestalten, damit es zu ihren Gesundheitssystemen passt, zugleich sind Gesundheitsminister eingeladen, Beteiligungsmöglichkeiten für ihre Länder zu prüfen. Drittens mahnt die Hebamme Dunkley-Bent, eine Innovation allein reiche nicht, solange weltweit fast eine Million Hebammen fehlten und Risikoerkennung ohne ausgebildetes Personal oder Überweisungssysteme wenig nütze. Nach der ersten dreijährigen Phase will Uzima gemeinsam mit den teilnehmenden Ländern genau jene Ansätze umsetzen und ausweiten, die sich als am wirksamsten erweisen.
Kommentare