Wind und Solar liefern fast ein Drittel des EU-Stroms
Wind und Solar zusammen deckten 2025 rund 30 Prozent des gesamten Strombedarfs der Europäischen Union. Das geht aus Daten hervor, die das europäische Statistikamt Eurostat im März 2026 veröffentlicht hat. Der Gesamtanteil aller erneuerbaren Energien lag bei 47,3 Prozent, knapp über dem Vorjahreswert von 47,2 Prozent. Diese Stagnation an der Oberfläche überdeckt eine tiefgreifende Verschiebung im europäischen Strommix.
Die Zahlen im Detail
Innerhalb der erneuerbaren Stromerzeugung ist Wind die größte Quelle mit einem Anteil von 37,5 Prozent der erneuerbaren Erzeugung, gefolgt von Solar mit 27,5 Prozent und Wasserkraft mit 25,9 Prozent. Biogene Brennstoffe machen 8,5 Prozent aus, Geothermie und andere Quellen 0,5 Prozent.
Der entscheidende Beweggrund für die beinahe stagnierende Gesamtmarke: Wasserkraft fiel um 11,8 Prozent. Anhaltende Trockenheit und niedrige Füllstände vieler europäischer Stauseen kosteten die EU erhebliche erneuerbare Stromerzeugung. Solar wuchs zwar um 24,6 Prozent, konnte die Wasserkraftverluste aber nur knapp ausgleichen. Das Nettörgebnis ist die nahezu unveränderte Gesamtmarke.
Was die Länderdaten zeigen
Dänemark führt das EU-Ranking mit 92,4 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung an, fast ausschließlich aus Wind. Österreich folgt mit 83,1 Prozent, getragen von Wasserkraft. Portugal liegt bei 82,9 Prozent durch Wind und Wasserkraft kombiniert. Diese drei Länder belegen, dass nahezu vollständige erneuerbare Stromversorgung schon heute technisch und wirtschaftlich realisierbar ist.
Deutschland liegt nicht unter den Spitzenreitern, hat aber 2025 ebenfalls Fortschritte erzielt. Wind und Solar überschritten laut Fraunhofer ISE die 60-Prozentmarke beim deutschen Strom. Das liegt über dem EU-Durchschnitt von 65,2 Prozent erneuerbarer Erzeugung bei Wind und Solar zusammen bezogen auf die gesamte erneuerbare EU-Stromerzeugung.
Warum die Stagnation trügt
Die knappe Veränderung von 47,2 auf 47,3 Prozent lässt eine wichtige Entwicklung unsichtbar werden: Der absolute Umfang erneuerbarer Stromerzeugung wächst. Die EU verbrauchte 2025 mehr Strom als 2024 und trotzdem stammt anteilig mehr aus erneuerbaren Quellen. Solarenergie als schnell skalierbare und preislich wettbewerbsfähige Technologie baut ihren Anteil am europäischen Strommix Quartal für Quartal aus.
Die Wetterabhängigkeit der Wasserkraft ist dabei keine Schwäche des Systems, sondern eine Eigenschaft, die durch weitere Diversifizierung und Speichertechnologien ausgeglichen werden kann.
Wann die 50-Prozentmarke fällt
Die Hälfte des EU-Stroms aus erneuerbaren Quellen rückt näher. Eine entscheidende Variable ist die Wasserkraft: Falls die Füllstände europäischer Stauseen 2026 wieder auf Normalniveau liegen, könnte die EU die 50-Prozentschwelle noch in diesem Jahr erstmals überschreiten. Eurostat veröffentlicht vierteljährliche Energiestatistiken. Das erste Update für Quartalsdaten aus 2026 wird für Sommer 2026 erwartet.