MethylScan: UCLA-Forscher testen Bluttest zur Früherkennung mehrerer Krebsarten
Eine einzige Blutprobe, vier Krebsarten, ein Test der unter 20 Dollar kosten soll: Forscher der University of California in Los Angeles haben mit MethylScan einen Ansatz entwickelt, der die Krebsvorsorge grundlegend verändern könnte. Die Studie wurde im April 2026 im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Zum Vergleich: Der bislang einzige kommerziell erhältliche Mehrkrebstest, Grail Galleri, kostet rund 950 US-Dollar und ist in Deutschland nicht kassenzugelassen.
Wie MethylScan funktioniert
Das Verfahren analysiert sogenannte zellfreie DNA, die aus absterbenden Zellen ins Blut freigesetzt wird. Anstatt nach Genmutationen zu suchen, wie es andere Ansätze tun, untersucht MethylScan die DNA-Methylierung: chemische Markierungen an der DNA, die regulieren, welche Gene aktiv sind. Diese Methylierungsmuster unterscheiden sich je nach Zelltyp und verändern sich charakteristisch, wenn Zellen entarten. So kann der Test erkennen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und ob dort Krankheitsprozesse stattfinden.
Zur Analyse reichen dem Algorithmus fünf Gigabyte Sequenzierdaten pro Probe. Bei aktuellen Sequenzierkosten von unter vier Dollar pro Gigabyte ergibt das einen Materialaufwand von weniger als 20 Dollar.
Was die Studie zeigt
Das Team um Forscher der UCLA testete MethylScan an 1.061 Personen, darunter Krebspatienten mit unterschiedlichen Diagnosen sowie gesunde Kontrollpersonen und Patienten mit Lebererkrankungen. Bei einer Spezifität von 98 Prozent (das heißt: nur zwei von hundert Gesunden erhalten fälschlicherweise einen positiven Befund) erkannte der Test 63 Prozent aller Krebserkrankungen über alle Stadien hinweg. Bei Frühstadien lag die Erkennungsrate bei 55 Prozent.
Besonders ausgeprägt war die Leistung bei Hochrisikopatienten: Bei Personen mit Leberzirrhose oder chronischer Hepatitis-B-Infektion erkannte MethylScan 80 Prozent der Leberkrebserkrankungen bei einer Spezifität von über 90 Prozent. Leber-, Lungen-, Eierstockkrebs und Magenkrebs lagen im Fokus der Untersuchung.
Was die Zahlen bedeuten
Eine Erkennungsrate von 63 Prozent klingt nach mehr als einem Drittel Versagen. Im Kontext der Krebsvorsorge ist der Maßstab jedoch ein anderer. Für viele der getesteten Krebsarten existiert in Deutschland derzeit gar kein systematisches Früherkennungsprogramm. Eierstockkrebs wird beispielsweise in der Regel erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, weil keine allgemein zugängliche Früherkennung etabliert ist. Ein Test, der auch nur die Hälfte dieser Fälle früher findet, kann Leben retten.
Die 98-prozentige Spezifität ist dabei ebenso bedeutsam: Ein Test mit hoher Falsch-positiv-Rate erzeugt Angst, unnötige Folgeuntersuchungen und Kosten. MethylScan hält diese Rate niedrig.
Was noch fehlt
MethylScan ist ein Forschungsergebnis, kein zugelassenes Diagnostikum. Die Studie beschreibt einen technischen Machbarkeitsnachweis, der nun in größeren klinischen Studien weiterentwickelt werden muss. Wie lange dieser Weg dauert, hängt von Zulassungsbehörden wie der FDA in den USA und der EMA in Europa ab. Typisch sind mehrere Jahre für klinische Phasen und Zulassungsverfahren.
Die UCLA-Forscher kündigten an, die Plattform auf weitere Erkrankungen auszuweiten. Die Studie beschreibt bereits Ergebnisse bei der Differenzierung verschiedener Lebererkrankungen, was auf ein breiteres Anwendungsspektrum jenseits der Krebsdiagnostik hindeutet.