
England sagt Förderung für 364 bedrohte Arten zu
Quellen (11)
- Over 350 threatened species to benefit from record investment - GOV.UKgov.uk
- England species recovery programme 2026: 364 threatened species get funded projectstheplanetbrief.com
- Species Recovery Programme: projects awarded funding for 2026 to 2029 - GOV.UKgov.uk
- Species Recovery Programme: call for ideas funding opportunity - GOV.UKgov.uk
- Ministers pledge £90m to help save birds, beavers and beetles from extinction | The Independentindependent.co.uk
- Chester Zoo | Orchids and Invertebrateschesterzoo.org
- Indicators of species abundance in England - GOV.UKgov.uk
- Progress in improving the natural environment in England 2024/2025theoep.org.uk
- Government largely accepts recommendations in OEP’s EIP progress report | Office for Environmental Protectiontheoep.org.uk
- Government response to January 2026 Office for Environmental Protection (OEP) report on EIP progress from 2024 to 2025 - GOV.UKgov.uk
- Environmental Improvement Plan: Annual Progress Report - GOV.UKgov.uk
Am 8. Juli 2026 teilte Natural England mit, dass die Förderung aus dem Species Recovery Programme 130 Projekte für 364 bedrohte Arten in England unterstützen soll. Finanziert wird das Programm von der Regierung und umgesetzt von Natural England; weitere 30 Millionen Pfund sind für die Artenerholung auf dem nationalen Forstbesitz vorgesehen. Die 60 Millionen Pfund sind für die kommenden drei Jahre vorgesehen. Natural England bezeichnete die Förderung als bislang größte Investition in die Erholung der Tierwelt und Pflanzenwelt Englands und ordnete sie der Initiative „Wild Again: Restoring England’s Wildlife“ zu. The Planet Brief hält dagegen fest, dass eine Projektbewilligung weder eine eingetretene Erholung noch ein gesunkenes Aussterberisiko der 364 Arten belegt.
Der Weg zur Liste der bewilligten Projekte begann 2025: Natural England startete einen Ideenaufruf für die neue Förderperiode, dessen Einreichungsfrist am 2. November 2025 endete. Schon im April 2026 hatten Minister eine Gesamtzusage von 90 Millionen Pfund angekündigt; die Liste der bewilligten Projekte verlinkte Natural England am 8. Juli 2026. Tony Juniper, der Vorsitzende von Natural England, erklärte damals, der Rückgang von Arten sei gewöhnlich umkehrbar. Er verwies auf frühere Erfolge wie Rotmilane und Frauenschuhorchideen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat das Programm nach Angaben von Natural England zum Schutz von mehr als 1.000 Arten beigetragen und das landesweite Aussterben von mindestens 35 Arten verhindert. Die neue Förderung soll zugleich zu den gesetzlichen Zielen des Environmental Improvement Plan beitragen: den Rückgang der Artenhäufigkeit bis 2030 zu stoppen und das Aussterberisiko von Arten bis 2042 gegenüber 2022 zu senken.

Was die Projekte konkret vorhaben
Gefördert werden unter anderem Forschung zu den Ursachen des Rückgangs, gezielte Verbesserungen von Lebensraumnischen, Zucht in Gefangenschaft und Wiederansiedlungen. Die Geisterorchidee, die 23 Jahre lang nicht nachgewiesen wurde, bevor sie 2009 wiederentdeckt wurde, soll künftig mit Spürhunden und Umwelt-DNA-Technologie gesucht werden. In Cumbria leitet der Amphibian and Reptile Conservation Trust Schutzmaßnahmen für den northern dune tiger beetle, eines der besonders rasch zurückgehenden Insekten Englands. Die Organisation St Nicks leitet das Projekt „Saving the Green Jewel“ zur Rettung des Rainfarnblattkäfers, dessen Überleben laut Natural England von Uferlebensräumen abhängt, die er mit Landwirten in zwei bedeutenden Agrarregionen teilt. Die Zoological Society of London soll quantifizieren, wie stark Delfine und Schweinswale mit PFAS belastet sind, deren Wirkung laut Natural England bislang wenig verstanden ist. Auch der Chester Zoo erhält Mittel: Im Native Species Recovery Hub soll eine Zuchtkolonie der im walisischen Bala Lake vorkommenden Schnecke Myxas glutinosa entstehen, bevor die Tiere zur Stärkung wilder Bestände ausgewildert werden.
Im Vergleich
Die neue Runde ist nicht die erste: Zwischen 2023 und 2026 hatte das Programm bereits 32,2 Millionen Pfund für mehr als 600 Arten bereitgestellt. Die neuen 60 Millionen Pfund liegen damit deutlich höher, allerdings weniger als doppelt so hoch wie die vorherige Summe, obwohl The Independent von einer mehr als verdoppelten Förderung sprach. Der Artenhäufigkeitsindikator von Defra (Datenstand 2024) zeigt für England von 1970 bis 2024 einen Rückgang von rund 80 % bei den erfassten prioritären Arten und von rund 40 % bei den insgesamt erfassten Arten. Der Gesamtindikator beruht auf Daten für 1.185 Arten, der Prioritätsindikator auf 161 Arten. Nach der Projektliste von Natural England gilt mehr als die Hälfte der 364 geförderten Arten nach den Bewertungen der Roten Liste der IUCN für Großbritannien als potenziell gefährdet, gefährdet oder stark gefährdet.

Das Office for Environmental Protection (OEP) bewertete die Regierung in einem Bericht vom 6. Januar 2026 für den Zeitraum April 2024 bis März 2025 weiterhin als weitgehend nicht auf Kurs zur Erfüllung ihrer Umweltziele, darunter die Biodiversitätsziele des Environment Act sowie die britischen „30 by 30“-Verpflichtungen für Schutzgebiete. Der überarbeitete Environmental Improvement Plan erschien erst am 1. Dezember 2025 und floss deshalb nicht in diese Bewertung ein; das OEP bemängelte zugleich Lücken bei der Fortschrittskontrolle und als angespannt beschriebene Ressourcen gerade für anspruchsvollere Agrarumweltprogramme. Im Juli 2026 begrüßte Robbie McDonald, Chefwissenschaftler des OEP, dass die Regierung dessen Empfehlungen weitgehend angenommen habe, hielt aber an der Einschätzung vom Januar fest, wonach die gesetzlichen Biodiversitätsziele weiterhin gefährdet seien. Transparenz sei wichtig, damit erkennbar bleibe, ob die ergriffenen Maßnahmen zum Stopp des Biodiversitätsverlusts bis 2030 ausreichten, erklärte McDonald; den nächsten Fortschrittsbericht will das OEP Mitte Januar 2027 veröffentlichen. Die Regierung verweist in ihrer Antwort darauf, dass der von der OEP-Bewertung erfasste Zeitraum vor dem überarbeiteten Environmental Improvement Plan liege, der im Dezember 2025 veröffentlicht wurde und ein klareres Vorgehen unter anderem zum Stopp des Artenrückgangs vorsieht; angesichts einer laut Defra schwierigen Finanzierungslage konzentrierten sich Defra und Natural England auf den Zustand bestehender Schutzgebiete.
Dass Hilfsmaßnahmen mit Verzögerung wirken können, räumt Defra ein: Artenpopulationen könnten mehrere Fortpflanzungszyklen benötigen, bis eine Erholung messbar werde. Das OEP fordert, die Teilnahme an anspruchsvolleren Agrarumweltprogrammen wie Landscape Recovery mit Ressourcen, Ermutigung und Anreizen zu unterstützen, weil naturverträgliche Landwirtschaft nach seiner Einschätzung über das Erreichen der Umweltziele mitentscheidet. Der nächste OEP-Bericht soll auch prüfen, was die Regierung mit der Kategorie „in Bearbeitung“ tatsächlich meint.
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