
Engagementquote ab 14 Jahren von 2019 bis 2024 gesunken
Quellen (8)
- Freiwilliges Engagement in Deutschland Der Deutsche Freiwilligensurvey 2024 Sabine Wolfert, Anna Manko, Anne Fritzsche, Arnold Riedmann,bundesregierung.de
- Statistik - Feuerwehrverbandfeuerwehrverband.de
- Freiwilliges Engagement bleibt stabilbundesregierung.de
- Umfrage: Ehrenamtliche werden weniger, nehmen sich aber mehr Zeit | tagesschau.detagesschau.de
- Freiwilliges Engagement: Weniger Ehrenamtliche arbeiten mehr für umsonst | taz.detaz.de
- Engagierte werden weniger, nehmen sich aber mehr Zeitcome-on.de
- Staatsminister Rauhe fordert Bürokratieabbau im Ehrenamt - Deutscher Bundestagbundestag.de
- Springer Nature / Bundesgesundheitsblatt: Doppelassignierung in der Krisenvorsorge: Ausmaß und Implikationen ehrenamtlichen Engagements im Bevölkerungsschutz aus der Krankenhausperspektivedoi.org
Nach dem im August 2026 veröffentlichten Bericht zum Deutschen Freiwilligensurvey 2024 engagierten sich 2024 in Deutschland 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig, rund 26,97 Millionen Menschen. 2019 hatte die Engagementquote noch bei 39,7 Prozent gelegen. Einen Zuwachs verzeichnete laut Survey und laut einer Zusammenfassung der Bundesregierung der Bereich Unfall- und Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehr sowie Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, während das Engagement insgesamt zurückging.
Grundlage war die sechste Befragung des seit 1999 im Abstand von fünf Jahren erhobenen Surveys, dessen Ausgabe 2024 laut Bundesregierung eine Studie im Auftrag des Staatsministers für Sport und Ehrenamt ist. Befragt wurden dafür 27.542 Menschen ab 14 Jahren. Einen Teil des Rückgangs erklärt die Bundesregierung mit einer konsequenteren Prüfung der Angaben im aktuellen Survey; die Erhebungen seit 2014 seien methodisch dennoch gut vergleichbar.

H2 Höhere Anteile Ehrenamtlicher mit mindestens drei Wochenstunden im Jahr 2024
Ehrenamtliche engagierten sich laut einem im November 2025 veröffentlichten Bericht der tagesschau oft intensiver: 24 Prozent der Ehrenamtlichen wandten drei bis fünf Stunden pro Woche für ihre Tätigkeit auf, 19 Prozent sechs Stunden oder mehr, jeweils zwei bis drei Prozentpunkte mehr als bei der Befragung 2019. Nach einem im November 2025 veröffentlichten epd-Bericht auf come-on.de übten Engagierte ihr Ehrenamt häufiger aus als 2019.
Ein Bereich wächst gegen den Trend
Nach einem Bericht der taz vom 14. November 2025 stieg der Anteil der Engagierten im Bereich Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehr und Katastrophenschutz von 2,7 auf 3,1 Prozent, während der Rückgang in praktisch allen anderen Bereichen zu spüren war, am deutlichsten bei Kultur und Musik sowie bei Schule und Kindergarten. Die Autorinnen und Autoren des Freiwilligensurveys vermuteten laut taz, dass Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophe von 2021 zu diesem Anstieg beigetragen haben könnten; belegt ist der Zusammenhang damit nicht. Der Freiwilligensurvey zeigt zudem, dass sich Männer überproportional häufig im Bereich Unfall- und Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehr und Katastrophenschutz engagieren, während Frauen überproportional häufig im sozialen Bereich sowie in Schule und Kindergarten aktiv sind, dem Bereich, der laut taz neben Kultur und Musik am stärksten zurückging.

Über eine Million Aktive bei der Freiwilligen Feuerwehr
Wie groß der Bereich bereits ist, zeigt die Statistik des Deutschen Feuerwehrverbands: Zum Stand 31. Dezember 2023 waren in Deutschland 1.028.021 Personen in den Freiwilligen Feuerwehren aktiv. Daneben gab es 23.760 Freiwillige Feuerwehren und 114 Berufsfeuerwehren. Außerdem gab es 24.254 Jugendfeuerwehren und 728 Werkfeuerwehren. Frauen stellten zum 31. Dezember 2022 mit 122.624 Personen einen Anteil von 11,93 Prozent in der Freiwilligen Feuerwehr. Der Verband weist darauf hin, dass seine Zahlen von Landesinnenministerien, der Deutschen Jugendfeuerwehr, Unfallversicherern und dem Statistischen Bundesamt zugeliefert werden und deshalb zeitversetzt veröffentlicht werden.
Was die Zahlen offenlassen
Die Werte von 2,7 auf 3,1 Prozent nennt die taz; eine ausdrückliche Zuordnung zu den beiden Erhebungsjahren enthält der Bericht an dieser Stelle nicht. Der seit September im Amt befindliche Staatsminister für Sport und Ehrenamt, Ronald Rauhe, bezeichnete das freiwillige Engagement als „trotz Herausforderungen weiterhin stabil und stark“; Millionen Menschen übernähmen laut Rauhe Verantwortung unter anderem im Katastrophenschutz.
Eine Onlinebefragung aller Beschäftigten des Universitätsklinikums Ulm einschließlich seiner Servicegesellschaft zwischen dem 14. Januar und dem 15. Februar 2026 liefert einen Hinweis auf eine mögliche Doppelbelastung Ehrenamtlicher im Bevölkerungsschutz. Von 1.310 Teilnehmenden gaben 134 Personen, also 10,2 Prozent, an, ehrenamtlich im Bevölkerungsschutz tätig zu sein; bei Mehrfachantworten nannten sie am häufigsten Hilfsorganisationen (50,3 Prozent) und die Freiwillige Feuerwehr (30,1 Prozent). Rund 90 Prozent des Bevölkerungsschutzes in Deutschland beruhen nach Angaben der Studienautoren auf ehrenamtlicher Arbeit. Klinisches Personal, das zugleich im Bevölkerungsschutz aktiv ist, könne laut den Autoren in Krisensituationen widersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt sein und nicht beiden Bereichen gleichzeitig zur Verfügung stehen. Für eine wirksame Krisenvorsorge empfehlen sie, solche Doppelassignierungen systematisch zu erfassen und zwischen den beteiligten Organisationen abgestimmte Einsatzpläne zu entwickeln. Der Zuwachs an Engagierten im Bereich Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz ändert nichts daran, dass ein Teil dieser Freiwilligen im Ernstfall gleichzeitig im Krankenhaus gebraucht werden könnte.
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