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Reallöhne steigen: Deutsche Wirtschaft dreht ins Plus

Reallöhne steigen: Deutsche Wirtschaft dreht ins Plus

Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation erwartet die OECD für Deutschland 2026 erstmals wieder ein Wachstum von einem Prozent. Entscheidender Treiber ist der private Konsum: 6,6 Millionen Geringverdiener haben seit Januar den höchsten Mindestlohn in der deutschen Geschichte.

25. April 2026, 9:00 Uhr 648 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Schrumpfung zeigen die wichtigsten Konjunkturindikatoren erstmals wieder nach oben. Die OECD prognostiziert für Deutschland 2026 ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent, nach 0,4 Prozent im Vorjahr. Entscheidend ist dabei nicht die Exportwirtschaft, sondern der Binnenkonsum: Für 6,6 Millionen Beschäftigte gilt seit Januar der höchste gesetzliche Mindestlohn in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die größte Mindestlohnerhöhung aller Zeiten

Zum 1. Januar 2026 stieg der gesetzliche Mindestlohn um 8,42 Prozent von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde. Das ist die höchste Steigerung seit der Einführung des Mindestlohns in Deutschland im Jahr 2015. Betroffen sind 6,6 Millionen Beschäftigte, besonders im Einzelhandel, in der Gastronomie, der Reinigung und der Pflege.

Bei einem Vollzeitjob entspricht der neue Mindestlohn einem Monatslohn von rund 2.400 Euro brutto, knapp 200 Euro mehr als im Vorjahr. Die Erhöhung war in der Mindestlohnkommission auf breite Zustimmung gestoßen, weil die Reallöhne im Niedriglohnbereich während der Hochinflationsjahre 2022 und 2023 erheblich gesunken waren.

Inflation sinkt, Kaufkraft steigt

Ein zweiter Faktor stützt den Konsum: Die Inflation geht zurück. Die Bundesbank prognostiziert für 2026 eine Teuerungsrate von 2,2 Prozent, nach 2,3 Prozent im Vorjahr. Nach Inflationsspitzen von 8,7 Prozent im Jahr 2022 ist das ein erheblicher Unterschied für die Haushaltskassen.

Im März 2026 stiegen die Energiepreise kurzfristig um 7,2 Prozent, was die Gesamtinflation vorübergehend auf 2,7 Prozent trieb. Ökonomen werten das als Ausreißer. Der übergeordnete Trend bleibt: Nominallöhne legen schneller zu als die Preise, damit steigen die Reallöhne.

Zwei Prognosen, ein Trend

Die Erholungssignale werden von allen wichtigen Institutionen bestätigt, wenn auch unterschiedlich stark gewichtet. Die OECD erwartet für Deutschland 2026 ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Die Bundesbank ist vorsichtiger: Sie prognostiziert ein kalenderbereinigtes Wachstum von 0,6 Prozent, unbereinigt 0,9 Prozent. Beide Institutionen identifizieren die gleichen Wachstumstreiber: steigende Haushaltseinkommen und anziehende Konsumausgaben.

Hinzu kommen staatliche Impulse. Die Bundesregierung hat höhere Verteidigungsausgaben und ein Infrastrukturprogramm beschlossen. Beides fließt 2026 in die Wirtschaftsleistung ein. Die Bundesbank erwartet, dass das Wachstum ab dem zweiten Quartal 2026 spürbar Fahrt aufnimmt.

Strukturelle Schwächen bleiben

Die Erholung verdeckt, was sich nicht verbessert hat. Die Industrie leidet weiterhin unter hohen Energiekosten im europäischen Vergleich, dem Mangel an Fachkräften und dem tiefgreifenden Umbau der Automobilbranche. Der Bundesbankbericht beschreibt das prognostizierte Wachstum ausdrücklich als graduell und unter dem langfristigen Potenzial.

Hinzu kommt ein fiskalisches Risiko: Der staatliche Schuldenstand steigt. Die Bundesbank erwartet, dass die Schuldenquote bis 2028 von 62 Prozent auf 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwächst. Ein Teil der Erholung finanziert sich damit durch künftige Lasten.

Mindestlohn steigt 2027 weiter

Das Mindestlohngesetz sieht für 2027 eine weitere Erhöhung auf 14,60 Euro pro Stunde vor, das entspricht nochmals rund fünf Prozent. In zwei Jahren steigt der Mindestlohn damit insgesamt um 14 Prozent. Für die 6,6 Millionen betroffenen Beschäftigten bedeutet das einen Einkommensgewinn, der die Verluste der Hochinflationsjahre 2022 und 2023 mehr als ausgleicht. Ob die Unternehmen im Niedriglohnbereich die steigenden Lohnkosten auffangen können, ohne Stellen abzubauen, ist die offene Frage der nächsten Tarifrunden.

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