
DAX-Vorstände verdienen 42 Mal mehr als Beschäftigte
Quellen (8)
- Tagesspiegeltagesspiegel.de
- ZDF heutezdfheute.de
- Handelsblatthandelsblatt.com
- Onvistaonvista.de
- Volksstimmevolksstimme.de
- Rhein-Zeitungrhein-zeitung.de
- t-online Finanzent-online.de
- Yahoo Finance Deutschlandde.finance.yahoo.com
SAP-Chef Christian Klein hat für das Geschäftsjahr 2025 rund 10,9 Millionen Euro erhalten, davon 86 Prozent aus variablen Erfolgsprämien. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing folgt mit 10,5 Millionen Euro. Beide durchbrachen erstmals die informelle Schallmauer von 10 Millionen Euro - in einem Jahr, in dem der DAX um 23 Prozent zulegte. Die jährliche Studie von DSW und Technischer Universität München zeigt: Im Schnitt verdienten DAX-Vorstandsmitglieder 3,9 Millionen Euro, das 42-Fache eines normalen Konzernbeschäftigten.
Drei Millionen Grundgehalt, sechs Millionen mit Boni
Die Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München unterscheidet zwischen Vorstandsmitgliedern insgesamt und Vorstandsvorsitzenden. Für letztere - also die CEO-Ebene - lag die Gesamtvergütung 2025 im Schnitt bei 6,14 Millionen Euro. Der Anteil des Fixgehalts ist mit rund 32 Prozent der kleinere Teil. Rund 26 Prozent entfallen auf kurzfristige variable Vergütung, mehr als 42 Prozent auf langfristige variable Komponenten, die oft mit mehrjährigen Aktien- oder Performanceprogrammen verknüpft sind.
Dass 27 von 40 Unternehmen ihre Ziele mehr als doppelt übertrafen, passt zum Börsenjahr 2025: Der DAX legte mehr als 23 Prozent zu. Ob die Ziele jedoch der Kursperformance angemessen herausfordernd waren, ist eine andere Frage. DSW-Vertreter formulierten es vorsichtig: Hohe Vergütung könne angemessen sein, verliere aber an Glaubwürdigkeit, wenn Leistung und Vergütung strukturell auseinanderliefen.
Klein mit 10,9 Millionen, Sewing mit 10,5 Millionen
Erstmals überschritten in diesem Auswertungsjahr zwei Vorstandsvorsitzende die Marke von 10 Millionen Euro Gesamtvergütung. SAP-Chef Christian Klein kam auf 10,9 Millionen Euro, wobei fast 86 Prozent davon aus variablen Bestandteilen stammen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erhielt 10,5 Millionen Euro, rund 64 Prozent davon kurzfristige und langfristige Boni.
Neben der Gehaltshöhe zeigt die Studie einen deutlichen Geschlechterspalt: Männliche Vorstandsmitglieder verdienen im Schnitt 17,9 Prozent mehr als weibliche. Von den 40 Vorstandsvorsitzenden in den DAX-Konzernen sind nur vier Frauen. Das ist eine Quote von zehn Prozent an der Spitze der größten börsennotierten deutschen Unternehmen. KI-Ziele spielen in den Vergütungsstrukturen bisher kaum eine Rolle: Nur sechs Unternehmen haben sie in der kurzfristigen variablen Vergütung verankert, lediglich ein Konzern in der langfristigen Komponente.
International betrachtet: Deutschland gilt als zurückhaltend
Der internationale Vergleich verschiebt die Einordnung. CEOs im Euro Stoxx 50 - ohne deutsche Firmen - erhielten 2025 im Schnitt 9,5 Millionen Euro. Vorstandschefs im US-amerikanischen Dow Jones Industrial Average kamen auf durchschnittlich 30,5 Millionen Euro. Den Spitzenwert erzielte Goldman-Sachs-Chef David Solomon mit 105,3 Millionen Euro.
Was für Aktionärsschützer in internationaler Perspektive wie Mäßigung aussieht, ist für Gewerkschafter eine andere Rechnung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung argumentieren seit Jahren, dass das Verhältnis zwischen Vorstandsvergütung und Beschäftigtengehalt ein strukturelles Problem der Lohn- und Vermögensverteilung widerspiegelt, das durch einen starken Börsenanstieg nicht kleiner wird. Das 42-Fache entspricht in absoluten Zahlen einer Lücke von rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr.
EU schreibt ab 2026 Transparenz und Nachhaltigkeitsziele vor
Auf politischer Ebene reagiert die EU mit verbindlichen Transparenzanforderungen. Ab 2026 müssen Konzerne Gehaltsunterschiede nach Geschlecht sowie alle Vergütungskomponenten detailliert offenlegen. Mindestens 30 Prozent der variablen Vergütung müssen an Nachhaltigkeitsziele geknüpft sein. Die Regelung betrifft damit direkt den Konstruktionsfehler, den DSW in den Daten der 40 DAX-Konzerne beschreibt: Ziele, die zu leicht erreichbar sind und Boni auslösen, die nicht dem tatsächlichen Leistungsbeitrag entsprechen.
Die Bundeskoalition aus CDU/CSU und SPD hat zusätzlich angekündigt, Aufsichtsräte zu verpflichten, eine maximale Gesamthöhe der Vorstandsvergütung festzulegen. Das würde eine Deckelung einführen, die Unternehmen bisher selbst auferlegen müssen. Ob die Umsetzung die Schere zwischen Vorstandsvergütung und Beschäftigtengehältern tatsächlich verringert, hängt davon ab, wie verbindlich die Obergrenzen gesetzt und wie streng Nachhaltigkeitsziele definiert werden. Auf beides wartet der Markt noch.
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