Charles erkennt Sklavereileid an, entschuldigt sich nicht
Gesellschaft

Charles erkennt Sklavereileid an, entschuldigt sich nicht

König Charles III. hat zum Auftakt seiner neuntägigen Karibikreise auf den Bahamas das große Leid und die Ungerechtigkeiten der Sklaverei anerkannt, sich dafür aber nicht entschuldigt. Eine kleine Demonstrantengruppe forderte in Nassau Zahlungen, während karibische Staaten seit Jahren Wiedergutmachung verlangen.

Quellen (10)
  1. König Charles III. erkennt «großes Leid» der Sklaverei an - DER SPIEGELspiegel.de
  2. King Charles’s Caribbean tour: Will he discuss slavery reparations? | Slavery News | Al Jazeeraaljazeera.com
  3. Commonwealth Foreign Ministers meet to drive reform and renewal amid global fractures | Commonwealththecommonwealth.org
  4. No apology but King Charles will not shy away from slavery issue during Caribbean tour, Buckingham Palace says | Bermuda News, TV & Radio | Bermuda Broadcasting Companybbc.bm
  5. Britain says no to slavery reparations - The Royal Gazette | Bermuda News, Business, Sports, Events, & Community |royalgazette.com
  6. Großbritannien: König Charles erkennt das „große Leid“ der Sklaverei an - Panorama - SZ.desueddeutsche.de
  7. Bahamas: „Großes Leid und Ungerechtigkeiten“ – Charles spricht in Karibik über britische Sklaverei - WELTwelt.de
  8. Besuch auf den Bahamas: König Charles erkennt "großes Leid" der Sklaverei an - n-tv.den-tv.de
  9. UK King Charles lands in the Bahamas, faces demands for slavery reparations | South China Morning Postscmp.com
  10. König Charles III. erkennt «großes Leid» der Sklaverei an - DER SPIEGELspiegel.de
28. Oktober 2026, 6:57 Uhr658 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Eine kleine Gruppe von Demonstranten protestierte nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA in der Umgebung mit Plakaten und forderte: »Zahlt uns, was ihr uns schuldet«.

Reise durch die Karibik

Die Reise führt Charles laut SPIEGEL auf die Bahamas, nach Guyana und nach Antigua und Barbuda; Königin Camilla begleitet ihn beim letzten Abschnitt. In Guyana soll er nach Angaben von Al Jazeera den Präsidenten sowie gewählte Vertreter indigener Dörfer treffen, bevor es zum Commonwealthgipfel weitergeht. Dieses 28. Commonwealth-Gipfeltreffen ist für den 1. bis 4. November 2026 in Antigua und Barbuda angesetzt. Nach Angaben des bahamaischen Ministerpräsidenten Philip Davis war Charles zuletzt vor mehr als 50 Jahren auf den Bahamas, als das Land 1973 unabhängig wurde. Laut Al Jazeera haben Regierungsvertreter der Bahamas und von Antigua und Barbuda zugleich signalisiert, Republiken werden zu wollen; Guyana wurde bereits 1966 von Großbritannien unabhängig und hat einen Präsidenten als Staatsoberhaupt.

Seit Jahren Forderungen nach Wiedergutmachung

Großbritannien war besonders im 18. Jahrhundert eine führende Sklavenhandelsmacht; Schätzungen zufolge wurden rund drei Millionen Afrikaner von englischen Schiffen in die Karibik sowie nach Nord- und Südamerika verschleppt. Karibische Staaten fordern seit Jahren eine Aufarbeitung der britischen Rolle im Sklavenhandel und Wiedergutmachung; zuletzt wurden diese Forderungen deutlicher. Guyanas Präsident Mohamed Irfaan Ali sagte im Interview mit ITV News, Charles habe die Sklaverei bei seinem Besuch 2021 als damaliger Prinz von Wales zu Recht als dunkelste Tage der Menschheitsgeschichte anerkannt; als nächster Schritt solle nun eine Entschuldigung folgen. Das britische Empire und den Sklavenhandel beschrieb er dabei als Ausbeutung der Region, die Leben zerstört und Unterentwicklung geschaffen habe. CARICOM-Generalsekretärin Carla Barnett erklärte im September, bei Reparationen gehe es grundlegend um Gerechtigkeit, um Anerkennung, Rechenschaft und Veränderung sowie um eine gerechte Zukunft für die Nachkommen jener, die als Eigentum kolonialer Besitzer Leid sowie den Verlust von Leben und Freiheit erlitten hätten. Jamaika, das nicht auf der Reiseroute liegt, reichte im September in London eine an den König gerichtete Petition ein, laut Al Jazeera der erste rechtliche Schritt eines Commonwealthstaates für das von der jamaikanischen Delegation so bezeichnete „Anliegen wiedergutmachender Gerechtigkeit“. Die Petition soll im März des kommenden Jahres vor einem britischen Privy Council verhandelt werden. In einer Umfrage von Lord Ashcroft aus dem Jahr 2023 wollten laut Al Jazeera 51 Prozent der Befragten auf den Bahamas eine Republik. 27 Prozent sprachen sich dagegen für den Erhalt der britischen Monarchie als Staatsoberhaupt aus. Niambi Hall Campbell-Dean, Vorsitzende des Bahamas National Reparations Committee, kritisierte den König bereits vor seiner Ankunft und fragte, warum die Bahamas noch einen König hätten, was er repräsentiere und welchen Nutzen sein Besuch bringe. Die Labour-Abgeordnete Bell Ribeiro-Addy, Vorsitzende der parteiübergreifenden Parlamentsgruppe für afrikanische Reparationen, sagte, die königliche Familie und die britische Regierung hätten die Forderungen der Reparationsbefürworter bislang nicht anerkannt.

London erteilte Reparationszahlungen eine Absage

Der Buckingham-Palast hatte bereits Anfang Oktober angekündigt, Charles werde Großbritanniens Beteiligung am transatlantischen Sklavenhandel ansprechen, sich aber nicht förmlich für »die dunkelsten Tage unserer Vergangenheit« entschuldigen, wie die Nachrichtenagentur Reuters laut Bermuda Broadcasting Company berichtete. Ein Palastsprecher erklärte dazu, sowohl Reparationen als auch Entschuldigungen seien Angelegenheiten der Regierung. Die britische Regierung selbst hatte Zahlungen bereits ausgeschlossen; Charles hatte zuvor sein Bedauern über die Sklaverei ausgedrückt. Zugleich sagte Kumaran, man sei sich der sehr schmerzhaften Geschichte bewusst und erkenne diese an. Sie verwies auf das bevorstehende Treffen der Commonwealth-Regierungschefs und auf laufende Gespräche darüber, wie Großbritannien seinen Beitrag zur Anerkennung der Vergangenheit und zum weiteren Vorankommen leisten könne. Commonwealth-Generalsekretärin Shirley Botchwey hatte laut Reuters im Februar erklärt, sie erwarte Fortschritte der Mitgliedstaaten auf dem Weg zum Beginn von Reparationsverhandlungen.

Gipfel vom 1. bis 4. November in Antigua und Barbuda

Nach Aussage des Königs soll das Erbe der Kolonialzeit an seiner letzten Reisestation von den Regierungschefs der betroffenen Staaten behandelt werden. Beim Gipfel werden laut Al Jazeera Diskussionen über Umwelt, Handel und Entwicklung erwartet; auch britische Reparationen für die Sklaverei dürften Thema werden. Einer Mitteilung des Commonwealth-Sekretariats zufolge haben sich die Außenminister der Mitgliedstaaten im Vorfeld bereits auf fünf Themen für das Gipfelkommuniqué verständigt.

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