
Laut Stadtwerken Rastatt: Firma haftet für PFAS-Grundwasserschaden
Quellen (17)
- Landgericht Baden-Baden gibt Stadtwerken Recht - Stadtwerke Rastattstadtwerke-rastatt.de
- PFAS Chronologie Stadtwerke Rastatt_Stand Januar 2025 (Langversion)stadtwerke-rastatt.de
- Ewige Chemikalien: Wohl über 1500 Orte in Deutschland verseuchtberliner-zeitung.de
- Trinkwassertests von BUND-Aktiven: In 42 von 46 Stichproben wurden PFAS nachgewiesenbund.net
- Author: Schneider-Walter, Simone (HLT)starweb.hessen.de
- PFAS im Trinkwasser: Grenzwerte für Chemikalien verschärftzdfheute.de
- Titel des Forschungsberichtsumweltbundesamt.de
- New study confirms huge and growing costs of PFAS pollution - Environmentenvironment.ec.europa.eu
- Drucksache 21/4906dserver.bundestag.de
- IARC Monographs evaluate the carcinogenicity of perfluorooctanoic acid (PFOA) and perfluorooctanesulfonic acid (PFOS) – IARCiarc.who.int
- PFAS in Lebensmitteln: BfR bestätigt kritische Exposition gegenüber Industriechemikalien - Stellungnahme Nr. 020/2021 des BfR vom 28. Juni 2021bfr.bund.de
- Zheng et al.: Perfluorooctanesulfonic Acid and Perfluorooctanoic Acid Promote Migration of Three-Dimensional Colorectal Cancer Spheroids, Environ. Sci. Technol. 2023doi.org
- Drucksache 21/7646dserver.bundestag.de
- PFAS-Belastung: Hersteller sollen für Kosten aufkommen | BDEWbdew.de
- Sauberes Trinkwasser: Zusätzliche EU-weite Schutzmaßnahmen gegen PFAS treten in Kraft - Vertretung in Deutschlandgermany.representation.ec.europa.eu
- Drucksache 21/5463dserver.bundestag.de
- PFAS | DuPontdupont.com
Das Landgericht Baden-Baden hat nach Angaben der Stadtwerke Rastatt am 13. April 2026 im Streit zwischen den Stadtwerken Rastatt und der Umweltpartner Vogel AG ein Grundurteil erlassen. Die Klage betrifft laut Stadtwerken Rastatt Mehraufwendungen in Wasserwerken und Infrastruktur zur Sicherung einwandfreien Trinkwassers. Geschäftsführer Olaf Kaspryk erklärte, bei der Klageeinreichung im Mai 2019 sei bereits ein Schaden von 6,5 Millionen Euro für Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung entstanden. Die Stadtwerke fordern, dass nicht die unbeteiligten Wasserverbraucher über den Wasserpreis für diese Kosten aufkommen müssen.
Verschmutzung durch Papierschlamm laut Stadtwerken
Nach eigenen Angaben entdeckten die Stadtwerke Rastatt, bis 2018 star.Energiewerke, die Chemikaliengruppe PFAS 2012 bei einer freiwilligen Vollanalyse des Rohwassers im Wasserwerk Rauental und bei weitergehenden Untersuchungen auch im Brunnenwasser des Wasserwerks Niederbühl. Als Ursache gilt nach Darstellung der Stadtwerke Kompost, der mit PFAS-haltigen Papierschlämmen vermischt und im Zeitraum 2006 bis 2008 auf Ackerflächen in Mittelbaden ausgebracht wurde, insgesamt wohl rund 106.000 Tonnen. Nach außen erscheine der Komposthersteller als alleiniger Verantwortlicher, während die Verantwortung der beteiligten Papierfabriken und diverser Zwischenhändler nicht weiter untersucht worden sei, erklärten die Stadtwerke mit Stand Januar 2025. Laut Stadtwerken Rastatt gingen wegen hoher PFAS-Belastung im Grundwasser die Wasserwerke Niederbühl und Rauental 2013 außer Betrieb, wodurch der Stadt die Redundanz für ihre Trinkwasserversorgung fehlte. Eine 2016 fertiggestellte Verbindungsleitung zum Wasserwerk Muggensturm der Stadtwerke Gaggenau, die bis zu 250 Kubikmeter Wasser pro Stunde transportieren kann, ermöglichte laut Stadtwerken Rastatt gegenseitige Hilfe im Notfall. Nach dem Umbau mit vier Aktivkohlefiltern und zwei Reinwasserbehältern mit insgesamt 1,1 Millionen Litern Speicherkapazität ging Rauental laut Stadtwerken Rastatt 2018 wieder in Betrieb. Laut Stadtwerken Rastatt galten mit Stand Januar 2025 in der Region rund 1.105 Hektar Boden als belastet; nach der von ihnen angeführten Abschätzung des Technologiezentrums Wasser vom August 2024 waren rund 490 Millionen Kubikmeter Grundwasser auf einer Fläche von 127 Quadratkilometern belastet.
Die Stadtwerke Rastatt übergaben 2019 eine erste Schadensliste an das Umweltbundesamt; ihrer Darstellung nach wurden deutschlandweit insgesamt 187 bekannte PFAS-Schadensfälle registriert, die mindestens 23 Wasserversorger betreffen. Eine Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung kam 2023 zu dem Schluss, dass PFAS an mehr als 1.500 Orten in Deutschland Boden und Grundwasser verseuchen könnten; sie kritisierte, dass die Bevölkerung darüber oftmals nicht informiert werde. Als Beispiele nannten die Medien Felder in Rastatt, auf sie wurde mutmaßlich belasteter Papierschlamm ausgebracht, und den Düsseldorfer Flughafen, wo bei einem Großbrand PFAS-haltiger Löschschaum in Boden und Grundwasser floss.
Wie verbreitet ist PFAS im deutschen Trinkwasser wirklich?
Bundesweite Stichproben des BUND von Juni bis Oktober 2025 fanden laut Verband in 42 von 46 Trinkwasserproben PFAS; in vier Proben konnten keine PFAS nachgewiesen werden; die Proben bildeten je nach Wassernetz aber nicht die Lage der ganzen Stadt ab, räumt der Verband selbst ein. BUND-Geschäftsführerin Politik Verena Graichen erklärte, die Stichproben zeigten, dass PFAS längst im Wasserkreislauf von Oberflächengewässern über Grundwasser bis ins Trinkwasser angekommen seien und selbst tiefe Mineralwasserbrunnen betroffen seien; die Kosten der Aufbereitung sollten die Verursacher tragen, nicht die Verbraucher. Eine davon unabhängige Antwort der hessischen Landesregierung von 2023 nennt Grundwasserbefunde für 2012 bis 2022: An 367 Grundwassermessstellen wurde mindestens eine PFAS-Einzelsubstanz nachgewiesen; an vier Messstellen überschritten die Werte die damals geltenden Beurteilungswerte für einzelne PFAS im Grundwasser. Bei regionalen Labortests, über die ZDFheute im Januar 2026 berichtete, überschritten laut Bericht rund drei Prozent der geprüften Trinkwasserproben die neuen Grenzwerte; nach Einschätzung des Wasserqualitätsexperten Ulrich Borchers war zuletzt eine sinkende Tendenz festzustellen.
Neue Grenzwerte, eine geplante Beschränkung
Seit dem 12. Januar 2026 muss laut Umweltbundesamt in Deutschland ein Summengrenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für 20 trinkwasserrelevante PFAS eingehalten werden; ab 2028 kommt ein strengerer Summengrenzwert von 20 Nanogramm pro Liter für die vier Substanzen PFOA, PFOS, PFHxS und PFNA hinzu. Zugleich kündigte die Bundesregierung an, sich für Übergangsfristen und Ausnahmen einzusetzen, die einen langfristigen und gegebenenfalls unbegrenzten PFAS-Einsatz dort ermöglichen sollen, wo absehbar geeignete Alternativen fehlen. Wie teuer Untätigkeit werden kann, bezifferte die EU-Kommission in einer am 29. Januar 2026 veröffentlichten Mitteilung über eine Studie: Bleibe die PFAS-Belastung ohne regulatorisches Handeln bis 2050 auf dem heutigen Niveau, entstünden europaweit Kosten von rund 440 Milliarden Euro, während die Bekämpfung der Verschmutzung an der Quelle bis 2040 rund 110 Milliarden Euro einsparen würde. Die Behandlung bereits belasteten Wassers allein würde demnach mehr als eine Billion Euro kosten; die Kommission betonte zugleich, die geschätzten Gesundheitskosten berücksichtigten nur eine Handvoll der bereits regulierten PFAS-Stoffe und bildeten die tatsächlichen Kosten der Verschmutzung nur eingeschränkt ab.
Was die Wissenschaft über das Gesundheitsrisiko weiß
Die Internationale Agentur für Krebsforschung stufte die Substanz PFOA nach Prüfung der veröffentlichten Literatur als krebserregend für Menschen ein, PFOS als möglicherweise krebserregend. Die Einstufung gebe jedoch die Höhe des Risikos bei bestimmten Expositionsmengen nicht an, betont die Agentur selbst. Laut Bundesregierung kam das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits 2021 anhand einer Expositionsschätzung zu dem Ergebnis, dass die langfristige Aufnahme von vier PFAS-Verbindungen bei etwa der Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland über dem gesundheitsbasierten Richtwert liegt; Grundlage waren Lebensmitteldaten der Jahre 2007 bis 2020, Trinkwasser war darin nicht berücksichtigt. Diese Expositionsschätzung war laut BfR mit großen Unsicherheiten verbunden, insbesondere weil die Lebensmittelgehalte häufig unter den Nachweis- und Bestimmungsgrenzen der verwendeten Analysemethoden lagen. Das Institut weist in seiner Stellungnahme von 2021 selbst darauf hin, dass die verfügbaren Daten zur internen PFAS-Exposition nicht auf einer repräsentativen Erhebung für die Gesamtbevölkerung beruhen und entsprechend vorsichtig zu interpretieren sind.
Schadenshöhe und EU-Verfahren
Laut Stadtwerken Rastatt entschied das Grundurteil vom 13. April 2026 nicht über die Höhe des Schadensersatzes; damit sollte sich das Gericht im nächsten Schritt befassen.
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