← Zurück zur Übersicht
Good News
400 km in fünf Minuten: BYDs neue Ladetechnik

400 km in fünf Minuten: BYDs neue Ladetechnik

BYD hat am 5. März 2026 ein Ladesystem mit bis zu 1.500 Kilowatt vorgestellt, das ein Elektroauto in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent lädt. In China sind bereits über 4.000 Stationen in Betrieb, Europa folgt.

5. Mai 2026, 9:01 Uhr 735 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Das häufigste Argument gegen den Kauf eines Elektroautos lautet nicht: zu teuer, sondern: zu langes Laden. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens J.D. Power aus dem Jahr 2025 nannte Reichweitenangst und Ladezeiten als die wichtigsten Kaufhindernisse in Europa. BYD hat am 5. März 2026 ein System vorgestellt, das dieses Argument entkräftet: Das Megawatt Flash Charging 2.0 liefert bis zu 1.500 Kilowatt und lädt kompatible Fahrzeuge in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent, was nach Unternehmensangaben einer Reichweite von rund 400 Kilometern entspricht.

Warum die Ladegeschwindigkeit bisher das entscheidende Hindernis war

Ein Verbrenner mit 50-Liter-Tank braucht an der Tankstelle drei bis fünf Minuten für über 600 Kilometer Reichweite. Selbst die schnellsten heute in Europa verfügbaren Gleichstromschnellader von IONITY erreichen 350 Kilowatt, was für ein durchschnittliches Elektroauto etwa 20 bis 25 Minuten bedeutet, um von 10 auf 80 Prozent zu kommen. Das reicht für Pendler, aber für Langstreckenfahrer ist jede Pause an der Ladesäule eine Unterbrechung, die Verbrennerfahrer nicht kennen.

Tesla hat mit dem Supercharger V4 in Europa eine maximale Ladeleistung von 250 Kilowatt eingeführt, was Ladevorgänge auf 15 bis 20 Minuten verkürzt. Das ist schneller als frühere Generationen, liegt aber noch weit unter dem, was BYDs neues System leistet.

Was das Megawatt Flash Charging 2.0 tatsächlich liefert

Basis des Systems ist BYDs Super-e-Plattform mit der Blade Battery 2.0, einem überarbeiteten Lithium-Eisenphosphat-Akku, der höhere Ladeströme verträgt als bisherige Serienakkus. Die von BYD in der offiziellen Pressemitteilung vom 5. März 2026 veröffentlichten Spezifikationen lauten: Spitzenladeleistung 1.500 Kilowatt, was 50 Prozent mehr ist als die erste Generation des Flash-Charging-Systems mit 1.000 Kilowatt. Von 10 auf 70 Prozent dauert der Ladevorgang fünf Minuten. Wer voll laden will, kommt von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten. Auch bei minus 30 Grad Celsius, einem in Skandinavien oder Ostdeutschland relevanten Grenzwert, lädt das System von 20 auf 97 Prozent in zwölf Minuten.

Der verwendete Stecker ist CCS2, der in Europa der Standard für Schnellladen ist. Das bedeutet im Prinzip, dass auch Fahrzeuge anderer Hersteller die Infrastruktur nutzen können, sofern ihre Batteriesysteme entsprechend hohe Ladeleistungen unterstützen. In der Praxis können heute nur BYD-Modelle auf Basis der Super-e-Plattform die vollen 1.500 Kilowatt abrufen.

Im Vergleich: Was sonst noch auf dem Markt ist

BYDs System ist das aktuell schnellste serienmäßig einsetzbare Ladesystem für Elektroautos. Zum Vergleich: Die erste Generation von BYDs eigenem Flash Charging erreichte 1.000 Kilowatt, das Dreifache der heutigen IONITY-Säulen mit 350 Kilowatt. CATL, der weltweit größte Batteriehersteller, hat ebenfalls im Jahr 2026 bei seinem Super Tech Day eine Sechs-Minuten-Ladetechnologie angekündigt, die ähnliche Reichweiten liefern soll. Die Ankündigung zeigt, dass BYD kein Einzelfall ist, sondern ein Wettbewerb unter chinesischen Batterieherstellern um die schnellste Ladetechnik läuft.

Eine klassische Tankstelle mit Zapfsäule lädt pro Minute rund 150 Kilometer Reichweite nach. BYDs Flash Charging 2.0 kommt bei optimalen Bedingungen auf 80 Kilometer pro Minute: Mit 400 Kilometern in fünf Minuten ist die Lücke zur Verbrenner-Betankung faktisch geschlossen.

In China waren nach BYD-Angaben am 5. März 2026 bereits 4.239 Flash-Charging-Stationen in Betrieb. Bis Ende 2026 sollen es 20.000 werden, davon 18.000 in städtischen Lagen und 2.000 an Autobahnen.

Wie schnell das Netz nach Deutschland kommt

Den Auftakt in Europa machte Frankreich: Am 8. April 2026 eröffnete BYD dort die ersten Flash-Charging-Stationen, gestartet mit dem Denza Z9GT. Als Folgemärkte nennt BYD Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich. Weltweit außerhalb Chinas sind 6.000 Stationen geplant.

Für deutsche Fahrer hängt der Mehrwert von zwei Faktoren ab: Erstens vom Tempo des Stationsausbaus, das sich noch nicht konkret abschätzen lässt. Zweitens davon, welche Fahrzeuge die volle Ladeleistung tatsächlich abrufen können. BYDs Blade Battery 2.0 ist bisher in ausgewählten Modellen verbaut. Wer heute einen Elektrowagen kauft, der nicht auf dieser Plattform basiert, wird an einer Flash-Charging-Station mit CCS2-Stecker zwar laden können, aber nur mit der Leistung, die sein Fahrzeug maximal verträgt. Die Infrastruktur ist also schneller da als die kompatible Fahrzeugflotte, was in der Elektromobilität ein bekanntes Muster ist: Dasselbe galt für das 150-Kilowatt-Netz, bevor die Autos es ausschöpfen konnten. Diesmal läuft der Zeitabstand voraussichtlich kürzer: BYD hat für 2026 mehrere neue Modelle auf der Super-e-Plattform angekündigt.

Quellen (5)