
BSI warnt Politiker vor möglicher Spähsoftware
Quellen (8)
- Wildberger bestätigt ARD-Bericht zu Hackerangriff | tagesschau.detagesschau.de
- BSI warnt: Mögliche Spähsoftware auf iPhones von Politikern - DER SPIEGELspiegel.de
- Warnung von Apple: „Beunruhigt uns sehr“ – Hacker nehmen iPhones von Regierung und Bundestagsabgeordneten ins Visier - WELTwelt.de
- Informationen zu Bedrohungsbenachrichtigungen von Apple und zum Schutz vor Söldner-Spyware/Hacks - Apple Support (DE)support.apple.com
- Mobiltelefone - BSI warnt mehrere Regierungsmitglieder und Abgeordnete vor Handy-Spionagedeutschlandfunk.de
- Drucksache 21/2289dserver.bundestag.de
- Setting spyware standards after the Pegasus scandal | Think Tank | European Parliamenteuroparl.europa.eu
- Sicherheit beim Blockierungsmodus für Apple-Geräte - Apple Support (DE)support.apple.com
Im ARD-„Bericht aus Berlin“ sprach Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) über einen möglichen Hackerangriff, wie das ARD-Hauptstadtstudio und in der Folge auch der SPIEGEL berichteten. Das BSI habe laut Wildberger „superschnell reagiert“ und alle Betroffenen angeschrieben, was in diesem Fall zu tun sei. Konkretere Details nannte er nicht; weitere Angaben bezeichnete er als „rein spekulativ“.
Laut dem BSI-Schreiben, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, erhielten betroffene iPhones seit dem 29. Oktober eine Bedrohungsbenachrichtigung von Apple, wonach ein Angriff mit sogenannter Mercenary Spyware erkannt worden sei. Welche Politiker konkret betroffen sein könnten, war öffentlich nicht bekannt. Das BSI selbst erklärte, ihm lägen keine näheren Informationen über den konkreten Anlass und die Hintergründe der Benachrichtigungen vor. Den Betroffenen empfahl die Behörde, vorsorglich davon auszugehen, dass ihr Gerät kompromittiert sein könne.
Apple-Warnungen und der Umgang mit Spähsoftware
Apple selbst bezeichnet solche Bedrohungsbenachrichtigungen als „sehr zuverlässige Warnungen“ davor, dass ein Nutzer persönlich von einem Angriff durch Söldner-Spyware betroffen ist, warnt aber, dass die eigenen Untersuchungen niemals absolute Sicherheit bringen können. Ob ein solcher Angriff erfolgreich war, geht aus der Benachrichtigung selbst nicht hervor. Nach eigener Darstellung gibt das Unternehmen grundsätzlich nicht bekannt, was eine Benachrichtigung ausgelöst hat, weil Angreifer ihr Verhalten sonst anpassen könnten, um künftig nicht mehr erkannt zu werden; zudem ordnet es die Angriffe keinen bestimmten Angreifern zu. Solche Spähprogramme senden ohne Wissen und Zustimmung des Nutzers Daten an Dritte und können sich eigenständig installieren, ohne dass der Nutzer etwas tun muss; laut BSI können Angreifer darüber auf Nachrichten einschließlich verschlüsselter Messenger, Anrufe, Kontakte, Kalender und Standort zugreifen sowie Mikrofon und Kamera einschalten.
Welche Dimension der Vorfall hat und wer dahinterstecken könnte, war laut SPIEGEL bislang nicht bekannt. Ob dabei auch Daten kopiert wurden, war laut einem Bericht des Deutschlandfunk ebenfalls nicht bekannt. Wildberger sah keinen zwingenden Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, da es Spyware auf Telefonen schon länger gebe, äußerte aber zugleich große Besorgnis über die Berichte. Bereits in einer Antwort vom Oktober 2025 hatte die Bundesregierung erklärt, sie betreibe ein Schwachstellenmanagement, über das entdeckte Sicherheitslücken an Hersteller gemeldet würden, damit diese sie schließen könnten. Zugleich erklärte sie, es finde eine Evaluierung statt, bei der das Offenhalten solcher Lücken für eigene Überwachungsmaßnahmen wie Quellen-Telekommunikationsüberwachung oder Online-Durchsuchungen gegen Ermittlungserfolge und Risiken für die allgemeine IT-Sicherheit abgewogen werde. Auf europäischer Ebene hatte das Europäische Parlament nach dem Pegasus-Spähsoftwareskandal im Juni 2023 EU-Standards für den Einsatz von Spähsoftware vorgeschlagen, darunter richterliche Genehmigung, unabhängige Aufsicht und Benachrichtigungspflichten. Die Fortschritte der betroffenen Mitgliedstaaten fielen dabei laut der Kurzfassung des Berichts unterschiedlich aus: Polen untersuche die Vorwürfe demnach gründlich, während in Ungarn weiterhin Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit bestünden.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer unabhängig von einer Warnung vermutet, persönlich betroffen zu sein, kann laut Apple den sogenannten Blockierungsmodus aktivieren, der nach Unternehmensangaben einen „optionalen, extremen Schutz“ speziell für Personen bieten soll, die wegen ihrer Identität oder Tätigkeit ins Visier ausgefeilter digitaler Bedrohungen wie gezielter Söldner-Spyware geraten könnten. Dafür schränkt der Modus bestimmte Apps, Websites und Funktionen stark ein, sodass das Gerät laut Apple „nicht wie gewohnt“ funktioniert. Zusätzlich empfiehlt Apple betroffenen Nutzern, sich an Experten wie die Digital Security Helpline der Organisation Access Now zu wenden. Welche Dimension der Fall hat und wer möglicherweise dahintersteckt, ist laut SPIEGEL bislang nicht bekannt; auch das BSI erklärt, ihm lägen keine näheren Informationen über den konkreten Anlass und die Hintergründe der Benachrichtigungen vor.
Kommentare